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Einkaufsliste, Bergführer, anonym chatten: Das sind die 8 besten Schweizer Apps

Schweizer Design-Objekte wie der Sparschäler sind weltberühmt. Doch auch fürs Handy gibt es praktisch-geniale Erfindungen «made in Switzerland».

Simon Maurer
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Der Sparschäler ist die erfolgreiche Schweizer Erfindung aus den 40er-Jahren. Manche Apps sind ebenso praktisch.

Der Sparschäler ist die erfolgreiche Schweizer Erfindung aus den 40er-Jahren. Manche Apps sind ebenso praktisch.

Shutterstock, HO, Montage:SaW

Das Vertrauen in Whatsapp ist seit der Übernahme durch Facebook schwer erschüttert. Erst vor zwei Wochen wurde publik, dass der digitale Gigant die Zusammenführung der Userdaten seiner grossen Tochterunternehmen (Whatsapp, Instagram und Facebook Messenger) plant. Firmenchef Mark Zuckerberg bricht damit zum wiederholten Mal ein Versprechen: Vor der Übernahme von Whatsapp versicherte Facebook, es solle keinen Datenaustausch zwischen den Benutzerkonten von Facebook- und Whatsapp-Nutzern geben. Später kündigte der Mutterkonzern an, dass doch die Telefonnummern von Whatsapp-Nutzern mit ihren Facebook-Profilen verknüpft werden und ein automatischer Datenaustausch stattfindet. Die darauffolgende 110-Millionen-Euro-Strafe der EU konnte das Unternehmen aber nicht beeindrucken, wie die kürzlich bekannt gewordene Entscheidung nun zeigt.

Auch das andere grosse Bekenntnis, das Whatsapp-Gründer Jan Koum seinen Nutzern gemacht hatte, wurde nicht eingehalten. Entgegen früheren Beteuerungen wird Whatsapp ab diesem Jahr Werbung schalten. 2012 hatte Koum in seinem Blog an die Whatsapp-Nutzer noch geschrieben: «Sobald Werbung im Spiel ist, bist du, die Nutzerin, der Nutzer, das Produkt» und «Daten über dich persönlich, deine Interessen oder dein Kaufverhalten spielen für uns keine Rolle. Wir sind einfach nicht daran interessiert.» Doch Koum hat den internen Machtkampf mit Facebook-Gründer Zuckerberg verloren und die Unternehmensleitung des Konzerns letztes Jahr im Streit verlassen. Sein Freund und Co-Gründer von Whatsapp, Bryan Acton, rief Twitter-Follower kurz davor sogar zum Löschen ihrer Facebook-Profile auf.

Threema Die Schweizer App verwendet eine modifizierte Version der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und betreibt alle Firmenserver in der Schweiz. Mit dieser App ist komplett anonyme Kommunikation möglich, denn es ist keine Angabe der Telefonnummer oder E-MailAdresse nötig. Die Betreiber geben keine Nutzerdaten an Behörden weiter. Threema betreibt ausserdem keine Auswertung der Metadaten, nur das Datum der letzten App-Verwendung wird für Sicherheitszwecke registriert. Threema kostet im Schweizer App Store drei Franken.
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iTheorie Jeder Lernfahrer kennt sie: die iTheorie-App. Trotz dem stolzen Preis von 19 Franken ist sie eine der erfolgreichsten Anwendungen im Schweizer App Store. Die App enthält alle offiziellen Theoriefragen des Strassenverkehrsamtes, die zum Erlangen des Lernfahrausweises nötig sind. Anwender können sich Theorieprüfungen mit 50 zufällig ausgewählten Fragen erstellen lassen und diese unter echtem Zeitdruck beantworten. Falsch beantwortete Fragen werden erklärt und in einem neuen Ordner gesammelt.
Swiss Snow Schweiz Tourismus bietet eine App an, mit der sich jederzeit ein Schneebericht, die aktuelle Wetterlage und Webcams von über 200 Schweizer Skigebieten abrufen lassen. Wintersportler können dank der App perfekt einschätzen, wo die Verhältnisse für einen Ausflug am besten sind. Swiss Snow zeigt an, wie viele Anlagen in einem Skigebiet offen sind, welcher Anteil der Pisten mit Kunstschnee beschneit ist und wie hoch der Schnee im Winterort liegt. Nutzer können die Karte eines Skigebiets gratis downloaden.
PostCard Creator Ein Foto machen und es sofort als Postkarte verschicken – das ist mit der App der Post möglich. Der Sender lädt dafür das gewünschte Vorderseitenbild in der App hoch und fügt einen Text hinzu, der später auf der Kartenrückseite erscheint. Die Karte wird von der Post gedruckt und versendet. Für den Service verrechnet sie 2 Franken pro Karte, der Versand erfolgt mit A-Post. Nutzer erhalten ausserdem alle 24 Stunden eine Gratis-Postkarte, die mit B-Post versendet werden kann. Auf dieser befindet sich aber auch Werbung.
Doodle Weltweit verwenden bereits über 25 Millionen Menschen die Zürcher Terminfindungs-App. Mit Doodle kann kostenlos ein Termin für ein Treffen gefunden werden, der allen Teilnehmern passt. Ein Organisator markiert auf einem digitalen Kalender alle möglichen Treffpunktdaten und schickt Teilnehmern den Link zu einer Umfrage. Von den vorgeschlagenen Terminen wählen die Empfänger alle aus, an denen sie Zeit haben. Die Doodle-App ist nicht nur auf die Auswahl von Terminen beschränkt, es kann auch über anderes abgestimmt werden.
PeakFinder Der moderne Bergführer ist – wie könnte es anders sein – eine App. Wenn man PeakFinder auf dem Handy öffnet, meint man, eine normale Kamera auf dem Display zu haben. Visiert man aber eine Gebirgslandschaft an, werden die Namen und die Höhe aller anvisierten Berge über das Kamerabild gelegt. Die App kennt mehr als 650 000 Bergnamen und ist auch offline verfügbar, wenn man den eigenen Standort mit Namen kennt oder auf der Karte markieren kann. Der Entwickler verlangt 5 Franken für die App.
Bring! Bring! ist die digitale Einkaufsliste fürs Handy. Die ganze Familie oder WG schreibt Wünsche auf die gleiche Liste. Diese funktioniert so: Wenn jemand merkt, dass etwas im Kühlschrank aufgebraucht ist, schreibt er es in die App. Alle registrierten Familienmitglieder sehen, dass zwei Liter Milch fehlen. Irgendwer hat bestimmt Zeit, die Lebensmittel auf dem Nachhauseweg zu besorgen. Während des Einkaufs können die Esswaren elegant von der Liste gestrichen werden, damit man nichts übersieht. Die App ist gratis.
Pluspoints Die Gratisapp ist der beste Freund des minimalistischen Schülers. Der Anwender trägt alle seine Schulnoten in ein Register ein und die App liefert den aktuellen Notendurchschnitt für jedes Fach. Schlaumeier wissen, dass jeder Durchschnitt über 3,75 am Ende des Jahres auf eine 4 aufgerundet wird. Pluspoints hat darum eine Zusatzfunktion, mit der sich berechnen lässt, was für eine Note benötigt wird, um den Durchschnitt über die magische Grenze zu heben. So weiss der Schüler immer, wie viel Aufwand er betreiben muss.

Threema Die Schweizer App verwendet eine modifizierte Version der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und betreibt alle Firmenserver in der Schweiz. Mit dieser App ist komplett anonyme Kommunikation möglich, denn es ist keine Angabe der Telefonnummer oder E-MailAdresse nötig. Die Betreiber geben keine Nutzerdaten an Behörden weiter. Threema betreibt ausserdem keine Auswertung der Metadaten, nur das Datum der letzten App-Verwendung wird für Sicherheitszwecke registriert. Threema kostet im Schweizer App Store drei Franken.

Konkurrenz für Whatsapp

Trotz alledem blieb Whatsapp im deutschsprachigen Raum bisher die Nummer eins unter den Kommunikationsdiensten. Eine Schweizer App will dies ändern – Threema setzt voll auf Datenschutz. Die Anwendung wirbt damit, besonders sicher und werbefrei zu sein. Weltweit schicken bereits 5 Millionen Nutzer Nachrichten mit der App. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz und alle Server in der Schweiz und erklärt dies und die transparente Finanzierung zu seinem Hauptvorteil gegenüber der Konkurrenz: Threema wird mit einer Einmalzahlung von drei Franken beim Kauf der App finanziert.

Die Kommunikation erfolgt über eine zufällig generierte Threema-ID, so bleibt der Nutzer komplett anonym und muss seine Telefonnummer nicht preisgeben wie bei Whatsapp. Die Entwickler bemühen sich ausserdem, möglichst keine Datenspur entstehen zu lassen. Die Firmenserver werden nur als Relaisstationen (Weiterleitungsstationen) genutzt und die Nutzerdaten nicht darauf gespeichert. Diese werden nur auf den Privatgeräten der Nutzer aufbewahrt. Ausserdem nutzt Threema eine modifizierte Form der als relativ sicher geltenden Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, bei der eine Nachricht auf dem Gerät des Senders verschlüsselt wird und nur mit einem Code auf dem Gerät des Empfängers wieder lesbar gemacht werden kann.

Auch Whatsapp verwendet mittlerweile die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Damit ist es für Hacker nicht mehr so einfach, eine Nachricht mitzulesen. Whatsapp speichert allerdings die Telefonnummer von Nutzern und einige Metadaten. Dies sind Daten rund um die Nachricht (zum Beispiel wann die Nachricht zugestellt wurde, wer sie wem zugestellt hat), nicht aber ihr Inhalt. Das Auswerten von Metadaten ist laut vielen Datenschützern aber ein heikles Business, denn oft verraten diese mehr über einen Nutzer als der Inhalt einer Nachricht.

Erfindergeist ist ungebrochen

Neben dem Messengerdienst Threema haben Schweizer Erfinder noch andere innovative Apps entwickelt. Oft stecken Einzelpersonen mit guten Ideen hinter den Apps: Die Idee für die PeakFinder-App kam Realisator Fabio Soldati beim Wandern mit seiner Schwester, wie er auf dem Blog des Alpenkartenherstellers Marmota Maps sagt. Seine Schwester stritt mit ihrem Mann über einen Bergnamen. Soldati fand das Identifizieren von Bergnamen eine technisch spannende Herausforderung und programmierte in den nächsten sechs Monaten an einer App, die hilft.

Auch Michael Näf, der Gründer von Doodle, entwickelte seine App als Lösung für ein Alltagsproblem: Er hatte versucht, mit mehreren Freunden einen Termin für ein Essen zu finden. Als er merkte, wie mühsam das sein kann, überlegte er sich, wie das Problem beseitigt werden kann – die Grundidee für Doodle war geboren. Andere Apps wurden von Gruppen entwickelt, so zum Beispiel Pluspoints. Die Entwickler sind zwei Informatikstudenten der ETH, die das Ausrechnen von Notendurchschnitten vereinfachen wollten. Sie sind auch die Programmierer hinter der beliebten Digitale-Jasstafel-App.

All diese Apps haben eins gemeinsam: Sie sind schlicht und praktisch und wurden in der Schweiz entwickelt – wie der Sparschäler und der Stewi im letzten Jahrhundert. Diese beiden Erfindungen schafften den grossen Sprung und finden sich heute in fast allen Schweizer Haushalten. Das ist auch das Ziel der jungen Schweizer Apps. Wir stellen in der Bildstrecke jene vor, welche das Zeug haben, zum digitalen Sparschäler der Zukunft zu werden.