«HomePod»
Apple's intelligenter Lautsprecher: Viel Innovation, aber keine Revolution

Apple lanciert einen intelligenten Lautsprecher und verbessert bestehende Produkte. An was die Firma sonst noch arbeitet, gibt sie nicht preis.

Patrick Züst aus San Francisco
Merken
Drucken
Teilen

Im Silicon Valley ist die Saison der Entwicklerkonferenzen in vollem Gang: Mitte April organisierte Facebook ihre «F8», Mitte Mai veranstaltete Google die «I/O». Am Montag war die Reihe nun an Apple, um über neue Produkte, technologische Trends und die Zukunftsvision der Firma zu informieren.

Apples Entwickler-Konferenz WWDC, kurz für «World Wide Developer Conference», welche dieses Jahr im kalifornischen San Jose stattfand, wurde von der Branche mit mehr Spannung erwartet als alle Veranstaltungen der Konkurrenz. Es sind sogenannte Moonshot-Projekte, also solche, die etwas so ambitioniert und phantastisch klingen wie die erste Mondlandung.

Apple bleibt verschwiegen

Während die meisten Tech-Konzerne im Silicon Valley unterdessen ziemlich offen über ihre Geschäftsstrategie und ihre Moonshot-Projekte informieren, weiss niemand so genau, an was Apple arbeitet. Sie ist nicht nur die wertvollste Firma der Welt, sondern auch eine der verschwiegensten. Die WWDC bietet eine der seltenen Möglichkeiten, zu verstehen, in welche Richtung sich Apple zukünftig entwickeln will.

Zwar dauert die Konferenz insgesamt fünf Tage, die wichtigsten Neuheiten hat CEO Tim Cook aber bereits bei der Eröffnungsrede am Montag bekanntgegeben. Dieses Jahr kam die fundamentalste aller Ankündigung ganz am Schluss der zweieinhalbstündigen Präsentation – und es war eine, welche niemanden so wirklich überraschte: Mit dem HomePod bringt das Unternehmen ein komplett neues Produkt auf den Markt, das gemäss Cook «die Art, wie wir zu Hause Musik hören, neu erfinden wird.»

Keine Neuheit auf dem Markt

Es ist eine Lautsprecherbox, die mit Sprachbefehlen gesteuert wird und dank einem digitalen Assistenten nicht nur Musik abspielen, sondern auch alltägliche Aufgaben übernehmen kann. Neu erfunden hat Apple dieses Konzept aber nicht, denn mit Amazon Echo und Google Home hat die Konkurrenz bereits seit Längerem zwei Produkte auf dem Markt, die denselben Zweck erfüllen.

Dass sich der HomePod gegen diese Geräte durchsetzen wird, erscheint momentan unwahrscheinlich: Beim Verkaufsstart im Dezember wird nämlich das Apple-Produkt mit 349 Dollar nicht nur viel teurer sein als die Konkurrenz, sondern erst noch weniger Funktionen bieten.

Es kommt mindestens ein Jahr zu spät auf den Markt. Ausgleichen will Apple diesen Rückstand mit einer hervorragenden Soundqualität. Und natürlich mit dem Bedienkomfort, der massgeblich für den Erfolg des Unternehmens verantwortlich ist.

Erster Auftritt für den HomePod an der WWDC in San Jose, Kalifornien.

Erster Auftritt für den HomePod an der WWDC in San Jose, Kalifornien.

AP Photo/Marcio Jose Sanchez

Ob der «Apple-Effekt» auch diesem Produkt zum Durchbruch verhelfen kann, das wird sich Ende Jahr zeigen. Wann der HomePod in der Schweiz erhältlich sein wird, ist momentan noch nicht bekannt.

Nichts bleibt beim Alten

Daneben hat Apple auch die bereits bestehenden Produktlinien fast kollektiv erneuert: Ab sofort verfügbar sind unter anderem neue iMac-, MacBook- und MacBook Pro-Modelle, deren Hardware teilweise sehr stark aufgerüstet wurde. Und selbst das MacBook Air, über das Apple nur noch selten spricht, bekommt einen neuen Prozessor.

Zudem wurde auch ein komplett neuer iMac Pro angekündigt; ein in Grautönen gehaltener Desktop-Computer, der mehr Leistung bietet als alles, was Apple bisher produziert hat. Ab 5000 Dollar kann man ihn im Dezember kaufen – das ist aber nur die Minimalkonfiguration. Bereits im Herbst wird zudem das neue Computer-Betriebssystem „High Sierra“ lanciert.

Besonders interessant sind auch die neuen iPads, welche in der Schweiz ab kommender Woche erhältlich sein werden. Diese sind unterdessen derart leistungsstark, dass sie traditionelle PCs in vielen Bereichen ersetzen können – sogar in der Bild- und der Videobearbeitung.

Massgeblich zu dieser Entwicklung beitragen wird auch das neue Betriebssystem iOS 11, welches im Herbst für iPads und iPhones verfügbar sein wird. Damit werden die Tablets unzählige neue Funktionen erhalten, welche einem den Arbeitsalltag noch stärker vereinfachen.

Neben einem komplett neu gestalteten App Store wurden unter anderem verbesserte Multitasking-Funktionen und ein Datei-Management-System angekündigt.

Auch auf dem iPhone wird das Betriebssystem einige spannende Funktionen mit sich bringen. So werden beispielsweise die Funktionen von iMessage stark ausgebaut und es wird zukünftig möglich sein, mit Hilfe von Apple Pay schnell und einfach Geld an Freunde zu verschicken. Das ist eine Funktion, welche Schweizer Banken mit eigenen Apps schon seit Langem zu etablieren versuchen; Apple könnte es jetzt gelingen.

Das neue iPhone, von dem schon erste Bilder im Netz kursieren, wird vermutlich im Herbst offiziell angekündigt.

Ein bisschen Zukunftsmusik

Während Facebook und Google bei ihren Entwicklerkonferenzen auch über sehr visionäre Projekte gesprochen hatten, war der Zeithorizont der WWDC nur auf einige Monate beschränkt. Was die Firma für die fernere Zukunft plant, hat man am Montag also doch nicht wirklich erfahren.

Dennoch gab es zwei überraschende Demos – eine zur «Virtual Reality» (VR) und eine zur «Augmented Reality» (AR) –, welche aufzeigten, dass sich Apple durchaus auch mit den technologischen Trends beschäftigt. Vor allem die AR-Demo, bei der auf einem Bildschirm ein digitales Objekt in die reale Umgebung eingeblendet wird, war eindrücklicher und vielversprechender als das meiste, was man in dieser Branche bisher von der Konkurrenz gesehen hat.

Wenig Neues in den letzten Jahren

Unterdessen ist es zehn Jahre her, seit Steve Jobs an der WWDC das erste iPhone angekündigt hatte. Damit sollte er nicht nur Apples Firmengeschichte, sondern auch unseren Alltag für immer verändern. Auf eine Keynote mit vergleichbarer Wirkung hoffen Kunden und Investoren schon lange. Denn in den vergangenen Jahren hat Apple nur sehr wenige wirklich neue Produkte lanciert.

Auch bei der diesjährigen WWDC lag der Fokus jedoch vor allem auf dem Verbessern von bereits bestehendem. Die vielen Ankündigungen sind sehr aussichtsreich, aber sie werden den Lauf der Geschichte wohl nicht verändern.

Zwar wurde mit dem HomePod ein komplett neues Produkt präsentiert, aber obwohl Cook dieses mit ähnlich grossen Worten anpries wie Steve Jobs damals das erste iPhone, wird es nicht zu einer vergleichbaren Revolution führen. Man darf gespannt sein, welche Neuigkeiten sich Apple für den nächsten Event im Herbst aufgespart hat.