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Dieser bescheidene Alleskönner aus der Provence mag es heiss und trocken

Lavendel wächst auch an unpraktischen Stellen. Nur düngen darf man die duftende Pflanze nie.
Nicole Häfliger
Der Lavendel ist ein Asket. Bild: Shutterstock

Der Lavendel ist ein Asket. Bild: Shutterstock

Es ist ein eigen Ding mit dieser Pflanze. Zuverlässig entlockt sie allen ein selig schnupperndes Lächeln, die an ihr vorbeistreifen. Und das müssen sie, um zu unserem Hauseingang zu gelangen, der ausladende Lavendel ragt mitten in den Weg. Niemand käme auf die Idee, an dieser unpraktischen Stelle so etwas zu pflanzen. Diesen Platz suchte sich das selbstversamte Gewächs allein aus.

Pflanzen wissen in der Regel, was sie tun, wenn sie ihren Standort selber aussuchen. Im Falle meines Lavendels befindet er sich neben der Hausmauer und ist überdacht. Regen kommt so gut wie nie dorthin. Ausserdem ist da kein offener Erdboden, sondern ein Streifen, der aus grossen, passgenau in Sand verlegten Flusssteinen besteht. Furztrocken also und nährstoffarm. Nicht einmal Unkraut mag an dem Ort wachsen. Was also gefällt dem Lavendel daran?

Man sollte dem Lavendel das Leben vergällen

Der Halbstrauch ist auf karge, mediterrane Bedingungen spezialisiert. Das sieht man dem Hungerkünstler schon an seinen graufilzig behaarten Blättern an. Sie reflektieren die Sonne, und zusätzlich zu ihrer geringen Oberfläche verdunsten sie dadurch kaum Wasser. Vor diesem Hintergrund lässt sich auch erklären, warum Lavendelpflanzen in unseren Gärten selten in würdiger Schönheit altern. Die meisten von ihnen werden gakelig, hochbeinig und verkahlen unweigerlich von unten her. Der Grund dafür ist simpel. Sie sind schlicht verweichlicht durch das hiesige Überangebot an Nährstoffen und Wasser.

Aber keine Sorge, man muss nicht zwingend in die Provence ziehen, um schönen Lavendel im Garten zu haben. Als ersten Schritt setzt man ihn an den sonnigsten, heissesten und trockensten Platz und gibt niemals Dünger. Der zweite Schritt ist ungleich brutaler, aber wirkungsvoll: Man vergällt ihm das Leben. Nach seiner Blüte im Juli kappt man jeden Trieb bis Ende August aufs (vor)letzte lebendige Blattpaar zurück. Doch es lohnt sich – von Anfang an dergestalt misshandelt und abgehärtet, bleibt Lavendel über Jahre hinweg ein kuglig-kompakter Traum.

Wer keinen Wert auf Lavendelblüten im Garten legt, dafür umso mehr auf welche in Öl und Essig oder – getrocknet – in Süssspeisen, Badesalz oder Duftsäckchen, der schneidet ab, wenn sich die ersten Blütchen gerade öffnen. Dann ist der Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten.

Zumindest einen Teil der jungen Blüten schneide ich immer, denn auf Lavendelöl und -essig möchte ich nicht mehr verzichten. Beide setze ich Pi mal Daumen an, indem ich zwei, drei Handvoll mit einem Liter Öl beziehungsweise Essig übergiesse. Die Flaschen müssen täglich geschüttelt werden, damit kein Schimmel ansetzt. Nach sechs Wochen können sie abgesiebt werden. Das Öl ist eine geschmackliche Offenbarung, vor allem im Salatdressing. Den mit Mineralwasser verdünnten Essig (im Verhältnis 10:1) lässt sich auch als Gesichtstonic nutzen. Dass man von einer Pflanze so sehr verwöhnt wird, mit der man so rabiat umgeht … Wahrlich, ein eigen Ding.

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