Aufgewacht

Diese Studie verblüfft: Wer länger gähnt, ist öfter klug

Je länger das Gähnen, umso grösser das Gehirn. Das haben Forscher herausgefunden, weil sie sich Youtube-Videos angesehen haben.

Jörg Zittlau
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Auch Katzen wurden analysiert.

Auch Katzen wurden analysiert.

Getty Images/iStockphoto

Wer lange und herzhaft gähnt, wirkt in diesem Moment eher müde als intelligent. Doch diese Ansicht muss man jetzt wohl überdenken. Denn US-Forscher haben ermittelt: Je länger das Gähnen, umso grösser das Hirn.

Forscher rätseln schon lange über den Sinn des Gähnens. In jüngerer Zeit schält sich aber heraus, dass es sich dabei auch um eine Belüftungsaktion handelt, durch die das Gehirn gekühlt wird und besser arbeiten kann. Demnach könnte also hinter besonders langen und herzhaften Gähnattacken auch ein besonders kluger Kopf stecken. Dass dies nicht so weit hergeholt ist, belegen nun Forscher der State University of New York, indem sie einen Blick ins Tierreich geworfen haben.

Kamel gähnt fünf Sekunden

Das Team um den Verhaltensforscher Andrew Gallup erfasste per Video das Gähnen von insgesamt 177 Tieren aus 24 Arten, unter denen sich neben dem Menschen auch Elefanten, Kamele, Kaninchen und verschiedene Affenarten befanden.

Die ermittelte durchschnittliche Gähndauer schwankte von 0,8 Sekunden bei den Mäusen bis zu 6,5 Sekunden beim Menschen. Ein Kamel kommt auf 4,8 Sekunden, während die eigentlich für ihre herzhaften Gähnattacken bekannten Hunde gerade mal auf 2,4 Sekunden kommen. Die Katze liegt mit knapp 2 Sekunden noch etwas darunter.

Die Forscher untersuchten nun, mit welchen anatomischen Eigenschaften die Gähndauer der einzelnen Tierarten korrelierte. Man fand keinen Zusammenhang mit der Grösse des Tieres oder seiner Kieferknochen, so gähnten Elefant, Pferd und Walross beispielsweise kürzer als Schimpansen und Menschen. Was man aber entdeckte: Das Gähnen dauert umso länger, je mehr Neuronen, Hirnmasse und synaptische Schaltkreise sich unter der Schädeldecke des Tieres befinden.

Weitere Studien geplant

Für Studienleiter Gallup ist dieser Befund nicht erstaunlich. Denn, so seine Erklärung, «längeres und kräftiges Gähnen entfaltet einen grösseren physiologischen Effekt, und dieser wird nur benötigt, wenn das nutzniessende Gehirn besonders gross und leistungsstark ist».

Das wirft natürlich die Frage auf, ob das Gähnen auch innerhalb einer Art ein Hinweis auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns ist, ob also unter den Menschen ein Langgähner eher als kluger Kopf auffällt als ein Kurzgähner. Zur Beantwortung dieser Frage plant Gallup bereits weitere Studien.

Aber sie werden nicht einfach in der Durchführung sein. Denn die US-Forscher haben bereits beobachten können, dass das Gähnen beim Menschen von einem zum anderen Male sehr stark schwanken kann. Was vermutlich daran liegt, dass es auch als Kommunikationssignal dient, mit dem man sich untereinander mitteilt, ob man sich beispielsweise langweilt oder sympathisch findet.

Was aber nach Gallups Studie zweifelsfrei feststeht: Kamele sind nicht so dumm, wie es aufgrund ihres Aussehens gerne unterstellt wird. Vermutlich sind sie sogar klüger als Hunde und Katzen.