Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Wer mehr Nebenwirkungen hat, überlebt länger: St.Galler Forscher präsentieren Studie zu Immuntherapie bei Krebs

Die Immuntherapie hat zu einer Revolution in der Behandlung von fortgeschrittenem Krebs geführt. St.Galler Forscher haben die bis anhin noch nicht verstandenen Nebenwirkungen der Immuntherapie untersucht.
Bruno Knellwolf
Blick ins Zelleninnere, wo sich Eiweisse und Killerzellen bekämpfen. (Bild: Getty)

Blick ins Zelleninnere, wo sich Eiweisse und Killerzellen bekämpfen. (Bild: Getty)

Die Immuntherapie ist der grosse Hoffnungsträger in der Krebsbehandlung. Insbesondere für Menschen mit fortgeschrittenem Krebs. Mit Methoden des körpereigenen Immunsystems wird gegen die Krankheit gekämpft. Eine St.Galler Forschungsgruppe unter Leitung von Lukas Flatz hat eine Studie zu häufig vorkommenden Nebenwirkungen gemacht, die nun im führenden Onkologiejournal «JAMA Oncology» der «American Medical Association» erschienen ist.

Forscher Lukas Flatz am Kantonsspital St.Gallen. (Bild: pd)

Forscher Lukas Flatz am Kantonsspital St.Gallen. (Bild: pd)

Untersucht wurden Nebenwirkungen der sogenannten «Anti-PD-1-Therapie». In dieser Immuntherapie erhält der Krebspatient während einer halben oder ganzen Stunde eine Infusion eines Präparats mit Antikörpern. Antikörper, die jeder Mensch in seinem Blut trägt. Das Ziel dieser Antikörper ist ein Eiweiss namens PD-1. Dieses Eiweiss bremst die weissen Blutkörperchen. Denn diese Blutkörperchen sind aggressiv und gefrässig. Das Eiweiss PD-1 hält die weissen Blutkörperchen zurück, so dass sie die eigenen Zellen nicht attackieren, wie Lukas Flatz erklärt.

Die Fressbremse wird abgeschaltet

Genau diese Funktion des Eiweisses wird in der Immuntherapie genutzt, das heisst ins Gegenteil verkehrt. Wenn man in der Immuntherapie die Antikörper auf dem Eiweiss bindet, wird die Fressbremse des Immunsystems abgeschaltet, welche die weissen Blutkörperchen stoppen. Dermassen losgelöst, machen sich die Killerzellen auf und fressen die Tumorzellen. Allerdings nicht nur diese, sondern potenziell auch gesunde Zellen. Somit sind Immuntherapien mit Nebenwirkungen verbunden, weil Zellen im Darm, der Lunge oder der Haut angegriffen werden können.

«Im Prinzip kann man mit einer Immuntherapie jede Art von Autoimmunantwort auslösen. Auch der Herzmuskel könnte durch weisse Blutzellen attackiert werden, was lebensbedrohlich wäre»

Mit Cortison lässt sich in einem solchen Fall eine nachteilige Immunantwort wieder abschalten, also eine Nebenwirkung stoppen.

Nebenwirkungen auf der Haut

Lukas Flatz und sein Team haben in ihrer Studie die Nebenwirkungen dieser Immuntherapie auf der Haut untersucht. Sie begleiteten zwischen Juli 2016 und Dezember 2019 73 Lungenkrebspatienten der Onkologie des Kantonsspitals St.Gallen und entnahmen Blutproben. Diese wurden im Forschungslabor am Kantonsspital untersucht, um zu verstehen, was im Menschen genau passiert, wenn die Haut im Rahmen der Immuntherapie angegriffen wird. Nach Flatz zeigten sich bei etwa 15 Prozent der 73 Ostschweizer Probanden Nebenwirkungen in Form eines Hautausschlags.

Der Mechanismus dieser Nebenwirkung wurde genau untersucht. «Wir zeigen in unserer Studie, dass die weissen Blutkörperchen das gleiche Eiweiss nicht nur auf der Krebszelle, sondern auch auf der gesunden Hautzelle erkennen», sagt Flatz. Das bedeutet, dass die gleichen Killerzellen, welche die Haut angreifen, auch die Tumorzellen bekämpfen. Gesehen haben die Forscher auch, dass bei jenen, bei denen die Therapie gegen den Tumor besonders gut ansprach, auch mehr Nebenwirkungen auf der Haut zu sehen waren.

Weil die Forscher dank ihrer Studie den Mechanismus besser verstehen, können die Ärzte nun erklären, dass eine Nebenwirkung einer Immuntherapie nicht unbedingt schlecht ist. Im Gegenteil, bei Patienten mit Nebenwirkungen sei das Überleben längerfristig besser.

Vorteil gegenüber einer Chemotherapie

Flatz erwähnt in diesem Zusammenhang Vorteile einer Immuntherapie gegenüber einer Chemotherapie. «Eine Nebenwirkung bedeutet bei der Immuntherapie, dass eine Wirkung da ist. Bei der Chemotherapie ist das in der Regel nicht so.»

Neben dem dank der Studie besseren Verständnis davon, was die Nebenwirkungen für den Patienten bedeuten, helfe das Wissen rund um diese PD-1-Eiweisse auch, eine nächste Generation von Krebsimpfstoffen zu entwickeln. Generell wird die Immuntherapie immer häufiger angewandt, die sogar zu einer kompletten Heilung führen kann. Im vergangenen Jahr wurden die Entdecker der Immuntherapie, James P. Allison und Tasuku Honjo, mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Heute wird die Therapie nicht mehr nur für Hautkrebs verwendet, sondern auch für Lungen-, Nieren- und Blutkrebs.

Allerdings ist die Immuntherapie immer noch sehr teuer: «Ungefähr 100'000 Franken pro Jahr», sagt der Liechtensteiner Forscher Lukas Flatz, der neben seiner Forschungstätigkeit auch klinisch in der Onkologie und in der Dermatologie tätig ist – und einst Doktorand bei Nobelpreisträger Rolf Zinkernagel war.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.