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Die zweitteuerste Naturgefahr: neues Messnetz soll Hagelschäden minimieren

Wo Hagel niedergeht, ist schwierig vorauszusagen. Die Schäden gehen jedes Jahr in die Millionen. Nun bauen die Universität Bern und Meteo Schweiz ein weltweit einzigartiges Hagelmessnetz auf.
Bruno Knellwolf
Das Gewitter kommt bestimmt: Ob daraus auch Hagel wird, bleibt meistens ungewiss (Leserbild: Klaus Stadler)

Das Gewitter kommt bestimmt: Ob daraus auch Hagel wird, bleibt meistens ungewiss (Leserbild: Klaus Stadler)

Es ist heiss. Langsam ziehen schwarze Wolken auf – ein Gewitter droht. Skeptisch schaut der Badegast und noch sorgenvoller der Bauer in den Himmel. Verrät die Farbe der Wolken die grösste Gefahr, Hagel? So wie dieses Jahr erstmals im April an zwei Tagen und verschiedenen Orten in der Schweiz, wie Simona Trefalt von Meteo Schweiz erklärt. Der Hagel war lokal, setzte am Bodensee-Ufer aber den Erdbeer-Anlagen stark zu. Das Hageljahr hatte damit mit einem Paukenschlag begonnen. «Im Mai hat es dann an 17 Tagen irgendwo in der Schweiz gehagelt. Im Vergleich zu den Jahren 2002 bis 2017 gab es im Mai in der Schweiz überdurchschnittlich viel Hagel.», sagt Trefalt. Einzelne Gebiete bei Lugano und Thun wurden innerhalb des Mais gar viermal von Hagelkörnern getroffen. Und auch dieser Monat ist mit Eisbällen gut gesegnet; nur vier Tage waren bisher in der Schweiz Hagelfrei.

Die Hagelgeschosse verursachen Jahr für Jahr Millionenschäden in der Landwirtschaft, an Fahrzeugen und Gebäuden. Nach dem Hochwasser ist der Hagel die zweitteuerste Naturgefahr in der Schweiz. Kein Wunder, sind die Versicherer an Hagelforschung interessiert, müssen diese die grossen Schäden schliesslich wieder gut machen. So auch die Mobiliar, die eine Forschungsinitative des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung der Universität Bern unterstützt. In diesem Labor für Naturrisiken wird an Hochwasser, Sturm und Hagel geforscht und dabei eng mit Meteo Schweiz zusammengearbeitet.

Der erste Hagelsensor wurde auf dem Dach der Universität Bern installiert. Bild: PD

Der erste Hagelsensor wurde auf dem Dach der Universität Bern installiert. Bild: PD

Daten zu Hagel am Boden fehlen

Nur zu gern wüsste man mehr über den Hagel, der kleinräumig auftritt und sehr schwierig vorhersagbar ist, wie Jürg Thalmann vom Mobiliar Lab für Naturrisiken erklärt. Zwar kann dank Computermodellen die Wetterlage ein paar Tage im voraus abgeschätzt werden. «Am Tag davor kann dann die Region eingeschränkt werden, wo die Gegebenheiten für Hagel erfüllt sind», sagt Thalmann. Aber wenn die Gewitter nicht an eine aufziehende starke Kaltfront gebunden seien, sei ihre genaue zeitliche und örtliche Entstehung oft nur Minuten im voraus zu erkennen. «Insbesonders starke Gewitter entstehen in sehr kurzer Zeit». Mit dem modernen Wetterradarnetz ist es also möglich, in Gewitterwolken Hagel zu erkennen. Dies dank zweier kombinierter Berechnungen. «Beide basieren auf unterschiedlichen Radarechos und Radardaten und der Höhe der Nullgradgrenze. So kann berechnet werden, wie gross die Wahrscheinlichkeit für Hagel ist und wie gross die Hagelkörner werden könnten», sagt Thalmann.

Aber die Überprüfung der Radarhageldaten war bisher kaum möglich, weil dazu benötigte Hagel-Beobachtungen am Boden fehlten. «Uns interessiert, wo der Hagel ankommt und wie gross die Hagelkörner sind», erklärt Urs Germann, Leiter Radar, Satellitendaten und Nowcasting von Meteo Schweiz. Deshalb hat das Lab für Naturrisiken in Bern vergangene Woche damit begonnen, ein weltweit einzigartiges Hagelmessnetz in der Schweiz mit achtzig vollautomatischen Hagelsensoren zu installieren. «Mit den neuen Hagelsensoren gewinnen wir zusätzlich genaue Informationen über den Hagel.», sagt Germann.

Je grösser die Körner, desto grösser die Schäden

«In diesem Mai waren die Hagelkörner nur klein bis mittelgross», sagt Trefalt. Bei einer Korngrösse von über vier Zentimetern wird von einem grossen Hagelkorn gesprochen. Die Grösse der Körner ist abhängig von atmosphärischen Gegebenheiten: Der Höhe der Nullgradgrenze, der Stärke der Auf- und Abwinde sowie der Intensität des Gewitters. Grundsätzlich gilt, je grösser die Hagelkörner, desto grösser die Aufprallenergie und desto gravierender die Schäden. Allerdings ist nicht nur die Grösse allein für die Schadenhöhe massgebend, sondern zum Beispiel auch die Form und die Dichte der Hagelkörner», erklärt Thalmann.

Deshalb werden im neuen Schweizer Hagelmessnetz Korngrösse, Aufprallenergie und der Zeitpunkt des Hagelschlags genau gemessen. Zwar können die gemessenen Grössen nicht direkt auf eine Hagelprognose übertragen werden. Aber dank der neuen Sensoren und den von diesen erhobenen Bodendaten können die Algorithmen der Prognosemodelle überarbeitet und damit die Kurzfristprognosen und Warnungen verbessert werden.

Zuerst im Emmental und im Entlebuch

Aufgestellt werden die Sensoren einer Firma aus Altdorf zunächst einmal im Emmental und im Entlebuch. Danach in den Hagel-Hotspots Jura und Südtessin. Dass in diesen Gegenden die Hagelwahrscheinlichkeit am höchsten ist, zeigt eine Forschungsarbeit des Mobiliar Labs für Naturrisiken und Meteo Schweiz. «Die Forscher haben Radardaten aus den Jahren 2002 bis 2014 analysiert und dabei Regionen mit hoher und tiefer Hagelwahrscheinlichkeit identifiziert», sagt Thalmann. Erhöhte Hagelgefährdung gebe es auch an anderen Orten der Schweiz, in der Ostschweiz vor allem zwischen Wattwil und dem Säntis. Die Sensoren würden aber nur an den meistgefährdeten Orten aufgestellt.

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