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Wunderwelt der Pilze: Mit dem Fliegenpilz in andere Sphären fliegen

Der Waldboden ist in diesem Herbst mit besonders vielen Pilzen übersät, die Körbe füllen sich üppig. Pilze werden aber nicht nur von Feinschmeckern geschätzt. Manche Sammler suchen auch bewusstseinserweiternde Erfahrungen.
Illustration: Selina Buess, Text: Melissa Müller
Pilze üben auf die Menschen eine spezielle Anziehungskraft aus.

Pilze üben auf die Menschen eine spezielle Anziehungskraft aus.

Und plötzlich sind sie da. Spriessen über Nacht aus dem Waldboden. Wenn Pilze einen Ring bilden, spricht der Volksmund von einem Hexenring. Dahinter steckt aber kein Zauberspuk. Pilze haben so etwas ähnliches wie ein Wurzel, das Myzel. Es wächst kreisförmig nach aussen, woraus die Pilze entspringen.

Die urtümlichen Lebewesen, die weder Tiere noch Pflanzen sind, regen die Fantasie an. Manche sehen in ihnen Häuser von Feen, Kobolden und Schlümpfen. Die einen schätzen sie als Delikatesse. Die anderen würden niemals selbst gesammelte Pilze essen - aus Angst vor ihren Giftstoffen.

Frau ermordet Mann mit Knollenblätterpilz

Mörderischer Waldbewohner: Der Knollenblätterpilz ist der giftigste Pilz Europas.

Mörderischer Waldbewohner: Der Knollenblätterpilz ist der giftigste Pilz Europas.

Auch heute treten immer wieder Vergiftungen auf. 1993 ermordete einen Bernerin zusammen mit ihrem Liebhaber ihren Gatten mit dem Gift des Knollenblätterpilzes. Bis zu acht schwerwiegende Vergiftungen gehen in der Schweiz pro Jahr auf sein Konto. Er ist der giftigste Pilz Europas.

Zur Zeit füllen sich die Körbe der Pilzsammler üppig. Nicht alle haben es jedoch auf den kulinarischen Genuss abgesehen. Manche hoffen auf halluzinogene Pilze, die einst schamanischen Ritualen dienten.

Der Spitzkegelige Kahlkopf wächst manchmal auf einem Kuhfladen und wirkt wie LSD.

Der Spitzkegelige Kahlkopf wächst manchmal auf einem Kuhfladen und wirkt wie LSD.

Psychoaktive Pilze kursieren weltweit in der Drogenszene. Als einheimische Art spielt in der Schweiz nur der Spitzkegelige Kahlkopf eine Rolle, bekannt auch als Magic Mushroom. Der unscheinbare Giftpilz mit dem Zipfelchen an der Spitze gedeiht auf Viehweiden. Es ist verboten, ihn zu sammeln. Der Stoff Psylocibin wirkt ähnlich wie LSD. Das ist nicht ohne Risiko: Menschen, die ihn ausprobiert haben, erzählen, sie fühlten sich eingeschlossen in einer beängstigenden Welt.

Märchenhaft schön: Der Fliegenpilz.

Märchenhaft schön: Der Fliegenpilz.

Halluzinogen wirkt auch der Fliegenpilz wegen der Subtanz Miscimol. Tödlich ist er zwar nicht – man müsste 70 Kilo davon essen, um zu sterben – aber wer von ihm kostet, muss drei Stunden nach dem Verzehr mit Krämpfen, unkontrollierten Bewegungen und geistiger Verwirrtheit rechnen. Trotz seines Gifts prangt er als leuchtend roter Glückspilz auf Geburtstagskarten, schmückt Christbäume und Torten.

Der Satansröhrling steht auf der Roten Liste.

Der Satansröhrling steht auf der Roten Liste.

Manche Pilznamen deuten auf Mythen und Legenden hin. Wie die Totentrompete, die Zwergenmütze und der Satans-Röhrling. Unerfahrene verwechseln diesen seltenen Pilz mit dem knolligen karminroten Stiel bisweilen mit dem Steinpilz. Trotz mildem Aroma sollte man ihn nicht essen; er führt zu Magen-Darm-Beschwerden.

Der Steinpilz gehört zu den beliebtesten Gourmetpilzen.

Der Steinpilz gehört zu den beliebtesten Gourmetpilzen.

Greifen wir also lieber zum echten Steinpilz. Er wächst auf voralpinen Steilhängen – hellbraun, würzig duftend auf nadelweichem Boden. Womöglich steigt einem beim Suchen auch der aasartige Geruch der Stinkmorchel (7) in die Nase. Der lateinische Name Phallus impudicus bedeutet «schamloser Penis». Die Stinkmorchel ist kein Speisepilz und zieht mit ihrem Gestank Fliegen und andere Insekten an.

Der Parasolpilz schmeckt noch besser als ein Wienerschnitzel, wenn man ihn paniert.

Der Parasolpilz schmeckt noch besser als ein Wienerschnitzel, wenn man ihn paniert.

Zugreifen darf man hingegen beim Parasolpilz, auch Riesenschirmling genannt. Paniert und gebraten stiehlt er jedem Wienerschnitzel die Show: Aussen schmeckt er knusprig, innen saftig. Der Parasolpilz duftet nach gebratener Milch. Zu finden in der ganzen Schweiz, auf Wiesen und im Laubwald. Junge Exemplare sind paukenschlegelförmig. Der Hut ist mit hellbraunen Schuppen bedeckt, die Lamellen sind crèmeweiss. Ein typisches Merkmal ist auch der verschiebbare Ring am langen Stiel.

Von Korallenpilzen sollte man besser die Finger lassen. Sie können leicht verwechselt werden.

Von Korallenpilzen sollte man besser die Finger lassen. Sie können leicht verwechselt werden.

Auch die Gelbliche Koralle ist geniessbar, sie kann aber allzu leicht mit der Bauchweh-Koralle verwechselt werden. Pilze gelten generell als schwer verdaulich, weil ihrer Zellwände aus Chitin bestehen. Bereits Ötzi verstand etwas von Pilzen.

Er trug zwei auf einer Schnur aufgezogene Zunderschwämme mit sich. Zunder ist ein Baumpilz. Mit Pyrit und Zunder konnten die Urzeitmenschen ein Feuer entfachen.

Der Zunder ist ein Baumpilz. Aus ihm kann man ein Feuer machen, wie schon Ötzi wusste.

Der Zunder ist ein Baumpilz. Aus ihm kann man ein Feuer machen, wie schon Ötzi wusste.

Pilze faszinieren die Menschen seit eh und je. Sie inspirieren Schriftsteller, Maler und Gamedesigner. In «Alice im Wunderland» isst die kleine Alice einen Pilz und wird riesengross. Beim Genuss eines anderen Pilzes wird sie wieder klein. Auch in den Super-Mario-Computerspielen muss man sich einen Super-Pilz sichern, damit Mario auf der Stelle wächst und einen Kraftschub bekommt.

Unterirdisches Netz

Die Mykologie ist die Wissenschaft von den Pilzen. Sie bilden neben dem Tier- und Pflanzenreich eine eigene Kategorie. 7000 Pilzarten sind in der Schweiz bekannt; davon sind etwa 300 essbar.
Pilze vermehren sich mit Sporen und ernähren sich von abgestorbenen pflanzlichen oder tierischen Überresten. Ihre Zellwände sind aus Chitin, das auch der Hauptbestandteil der Hülle von Krebsen, Insekten und Spinnen ist.
Der Pilz, den wir sehen, ist nur der Fruchtkörper. Unterirdisch hat er ein immenses Wurzelgeflecht, das Myzel. Mit diesem weit verzweigten Netzwerk kann er sich mit Bäumen und anderen Pilzwesen austauschen. 90 Prozent aller Pflanzen gehen eine Symbiose mit Pilzen ein. (mem)

Quellen: John Wright: «Handbuch für Pilzjäger», Christian Rätsch: «Pilze und Menschen», Robert Hofrichter: «Das geheimnisvolle Leben der Pilze».

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