Die Wissenschafter

Basler Forscher erhalten einen Anfruf aus China: Dort herrscht grosses Interesse an ihren Studienresultaten.

Annika Bangerter
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Diese Forscher suchen ein Gegenmittel: Martin Smieško, André Fischer, Santhosh Neranjan, Ma­nuel Sellner und Markus Lill (v.l.).

Diese Forscher suchen ein Gegenmittel: Martin Smieško, André Fischer, Santhosh Neranjan, Ma­nuel Sellner und Markus Lill (v.l.).

Bild: Annika Bangerter

Es war Anfang Februar, als André Fischer, Basler Doktorand der pharmazeutischen Wissenschaften, die Nachricht las, dass die Struktur des Corona-Virus veröffentlicht worden war. Ihm war klar: Nun lassen sich Wirkstoffe suchen, die das Virus eindämmen. Mittels computergestützter Methode braucht es dafür nur die entsprechende Datenbank. Fischer lud sie auf seinen Rechner und sprach mit seinen Kollegen an der Universität Basel über seine Idee. Fortan war der Schlaf Luxus und Kaffee ein treuer Begleiter.

Tag und Nacht gearbeitet

Mit Manuel Sellner (Doktorand) und Santhosh Neranjan (Masterstudent) vergrub sich Fischer in die Daten. Sieben Tage die Woche, oft bis spät in die Nacht. Kamen sie aus dem Büro, setzten sie sich zu Hause wieder vor den Computer. Es kam vor, dass sie um drei Uhr morgens per Skype noch eine Frage klärten. «Wissenschaft ist unsere Passion. Wir sind froh, wenn wir einen Beitrag zur Eindämmung von Viren leisten können», sagt Fischer.

Die Forscher durchdrangen eine riesige Datenmenge: In etwas mehr als vier Wochen haben sie fast 680 Millionen verschiedene Substanzen per Computerscreening daraufhin analysiert, ob sie das zentrale Enzym des Virus blockieren können.

Die Basler Wissenschafter wurden fündig: Zumindest virtuell weisen elf Substanzen das Potenzial auf, das Virus zu blockieren. «Ob sich dies im menschlichen Körper bestätigt, muss sich noch zeigen. Dafür braucht es weiterführende Forschung: von Tests auf der Zellebene bis zu klinischen Studien», sagt Markus Lill, Forschungsgruppenleiter am Departement Pharmazeutische Wissenschaften der Uni Basel. Das dauert. Dass in der aktuellen Pandemie ein neuartiges Medikament auf den Markt kommt, sei daher eher unrealistisch, sagt Lill. Die Resultate seiner Gruppe können jedoch Grundlagen für Medikamente gegen künftige Corona-Viren liefern. Und das interessiert: «Die Resonanz auf unsere Ergebnisse war überwältigend», sagt Lill. Wissenschafter weltweit interessieren sich für weiterführende Untersuchungen. Auch aus der Pharma-Branche kamen Anfragen, darunter ist auch eine chinesische Firma.