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Die wahre blutige Geschichte der Beatrice Cenci

Zwar steht vom 19. Juli an auf der Seebühne noch einmal Georges Bizet «Carmen» im Zentrum. Doch mit Berthold Goldschmidts Oper «Beatrice Cenci» kommt im Festspielhaus auch eine interessante Rarität zur Aufführung.
Rolf App

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Blick auf das Bühnenbild, das Katrin Connan für Berthold Goldschmidts «Beatrice Cenci» entworfen hat. (Bild: Lisa Mathis/Bregenzer Festspiele)

Blick auf das Bühnenbild, das Katrin Connan für Berthold Goldschmidts «Beatrice Cenci» entworfen hat. (Bild: Lisa Mathis/Bregenzer Festspiele)

Am 11. September 1599, einem Tag von schwüler, brütender Hitze, werden in Rom auf dem Platz vor der Engelsburg die gerade erst 22-jährige Beatrice Cenci, ihre Stiefmutter Lucrezia und ihr Bruder Giacomo hingerichtet. Sie haben Beatrices Vater, einen lasterhaften, tyrannischen Mann, umbringen lassen und die Tat danach auf ziemlich stümperhafte Art als Unfall getarnt. Nachdem Gerüchte die Runde machen, veranlassen die Behörden eine Untersuchung. Sie bringt sehr rasch die Wahrheit ans Licht. Lange fühlen sich die Angeklagten geschützt, weil sie, als Adelige, nicht gefoltert werden dürfen. Doch dann hebt Papst Clemens VIII. dieses Verbot für die Geschwister auf.

Die Verbrechen des Ermordeten spielen im Gerichtsverfahren kaum eine Rolle, das grausige Ende der drei zieht eine grosse Menschenmenge an, in der sich auch der Maler Caravaggio befindet, zu dessen bevorzugten Sujets die Grausamkeit des Menschen gehört. Und es beschäftigt in den folgenden Jahrhunderten die Schriftsteller.

Die Ohnmacht in Musik gefasst

Durch Stendhals Novelle lernt 1923 der Komponist Berthold Goldschmidt den Stoff kennen. In den Vierzigerjahren entsteht dann auf der Grundlage jenes Dramas, das 1819 Percy Bysshe Shelley über die Cenci geschrieben hatte, eine Oper. Obwohl in einem Wettbewerb prämiert, wird sie erst 1988 in London konzertant uraufgeführt.

Der 1903 geborene Goldschmidt hat 1935 vor den Nazis fliehen müssen, lange kämpft er nach dem Krieg vergeblich um Anerkennung für sein Werk. Seine Oper «Beatrice Cenci» ist nahezu unbekannt. Woran sich jetzt bei den Bregenzer Festspielen etwas ändern soll. Denn das Werk steht am 18. Juli im Festspielhaus ein erstes, am 22. und 30. Juli zwei weitere Male auf dem Programm.

Musik zunächst "fremd und eigenartig"

Regie führt Johannes Erath, am Dirigentenpult der Wiener Symphoniker steht Johannes Debus. Als Bühne hat Katrin Connan eine monumentale, kreisrunde Öffnung gestaltet, die einen dreidimensionalen Raum schafft. Die Titelrolle singt die israelische Sopranistin Gal James, die Goldschmidts Musik zunächst als «fremd und eigenartig» empfunden hat, wie sie erzählt. «Er verarbeitet sehr unterschiedliche Stile, plötzlich klang sie für mich nach Alban Berg, dann wieder wie ein Musical.» Trotzdem gebe es einen grossen Bogen, und:

«Die Oper ist wirklich für Sängerinnen und Sänger geschrieben.»

Am spannendsten sei «die Form von Ohnmacht, die in Musik gefasst» sei, erklärt Johannes Erath. Es geht um Macht und Machtmissbrauch, auch von Seiten der Kirche. Nach der Hinrichtung zirkulieren schon bald Gerüchte, Clemens VIII. habe sie vor allem deshalb befohlen, weil er an den Besitz der Cenci kommen wollte. Und in der Tat lässt er bei dessen Versteigerung seinen Neffen mitbieten.

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