Die Wälder der Welt brennen – die grosse Übersicht über die Brandherde

Waldbrände werden extremer. Die Natur erholt sich davon zwar wieder. Doch das freigesetzte C02 kurbelt den Klimawandel weiter an.

Bruno Knellwolf
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Australien brennt. 25 Menschen haben ihr Leben verloren, 2000 Häuser sind niedergebrannt, ganze Landstriche zerstört, in denen die australischen Tiere lebten. Geschätzt wird, dass in den drei Gliedstaaten New South Wales, Victoria und Queensland 100000 Nutztiere und beinahe eine Milliarde wild­lebende Tiere gestorben sind. Bilder von verbrannten Kängurus und Koalas gehen um die Welt.

Doch eigentlich sind die Tiere in Australien an Waldbrände gewohnt, da sie regelmässig vorkommen.

«Wenn der Brand nicht allzu stark ist, verschwinden die Reptilien in einem Mausloch, die Koalas klettern in die 25 Meter hohe Baumkrone und überleben ein normales Bodenfeuer»

, sagt Robert Zingg, Kurator und Zoologe am Zoo Zürich. So leben die australischen Tiere zwar seit Jahrtausenden mit dem Feuer, doch diesmal trifft es sie. Das hat mit der Grossflächigkeit und vor allem mit den hohen Windgeschwindigkeiten zu tun. Die Winde lenken das Feuer immer wieder in andere Richtungen und führen damit sogar so mobile Tiere wie die Kängurus in tödliche Sackgassen. Zudem sind viele Strassen in Australien eingezäunt, so dass die Tiere nicht ausweichen können. «Tödlich ist nicht nur das Feuer, sondern vor allem das Rauchgas», sagt Zingg.

Weniger mobil sind die Koalas, die in Australien wie auf «Inseln», getrennten Waldgebieten, wohnen. Da fehlt die Möglichkeit, in den nächsten Wald auszuweichen. «Durch die Brände ­werden lokale Bestände ausradiert und somit wird es ganze Gebiete ohne Koalas geben», sagt Zingg. Aussterben werden die auf Eukalyptus spezia­lisierten Tiere aber nicht. Das gilt auch für den Ameisenigel, die Kängurus und die vielen Warane, die Riesenechsen.

Australiens Ökosysteme sind an Waldbrände angepasst

Das bestätigt Harald Bugmann, Professor für Waldökologie an der ETH Zürich. «Die Ökosysteme von Australien ausserhalb der Tropen sind an Waldbrände angepasst. Auch wenn jetzt viele Tiere sterben, ist das aus der Sicht der Natur keine Katastrophe; die Ökosysteme werden sich erholen.»

Zuerst allerdings müssen die Brände aufhören. Mit Regen wird erst im Februar gerechnet und die Feuerwehren sind überfordert.

«Waldbrände lassen sich in aller Regel nicht löschen, wenn sie eine bestimmte – relativ kleine – Grösse überschritten haben»

, sagt ETH-Professor Bugmann. Brennen mehrere Hektaren, bleibt der Feuerwehr nur, die Ausbreitung in gewisse Richtungen zu verhindern. Die nicht abgebrannte Vegetation wird befeuchtet, oder es werden vegetationsfreie Brandschneisen angelegt. «Wobei das auch nicht immer hilft.» Auf natürliche Weise hören Brände erst auf, wenn sich die Witterung ändert. Wenn die Windrichtung dreht und der Brand gegen die Windrichtung weiterbrennen muss. Dann wird mindestens die Ausbreitungsgeschwindigkeit massiv re­duziert. Einen Stillstand gibt es auch, wenn das Brandgut ausgeht – wenn das Feuer ein Seeufer, das Meer oder eine obere Kante in einem Gebirge ­erreicht. «Denn das Feuer brennt in ­aller Regel gegen oben und nur ganz langsam gegen unten, wenn überhaupt in dieser Richtung», erklärt Bugmann.

Hilfreich ist natürlich der Regen – im Vergleich dazu ist Löschwasser der sprichwörtliche Tropfen auf den heissen Stein. «Die Perspektiven sind also nicht so gut, dass die Brände in Australien demnächst aufhören werden, denn die Witterung ist nach wie vor extrem heiss und trocken.»

Die grossen Brände gelten als Fanal für den Klimawandel. Es sei schwierig, einzelne Ereignisse eindeutig auf den Klimawandel zurückzuführen. Sie könnten grundsätzlich auch unter einem nicht von Menschen beeinflussten Klima auftreten, sagt Bugmann. Doch solche unwahrscheinlichen Ex­tremereignisse hätten sich seit 2000 stark gehäuft an verschiedenen Stellen auf dem Globus. «Das entspricht dem Muster, das wir unter einem vom Menschen veränderten Klima erwarten», sagt Bugmann.

Solange solche Ereignisse wie dieses Jahr nicht noch häufiger auftreten, ist die Existenz der Waldökosysteme zwar nicht bedroht. Eine stärkere Häufung könnte aber zu einem Vegetationswechsel hin von geschlossenem Wald zu Savannen-Strukturen und sogar Grasland erfolgen. Somit würde der Klimawandel zu einem «vegetations shift» führen. Wenn die Emissionen nicht innerhalb weniger Jahrzehnte auf null zurückgefahren würden, seien solche Vegetations-­Verschiebungen sehr wahrscheinlich. «Nicht nur in Australien, sondern auch an vielen anderen Orten auf dem Globus. Zum Beispiel im Wallis, wo es bereits heute sehr trocken ist.»

Extreme Waldbrände in Sibirien und im Amazonas

Im Sommer brannte es auch in Sibirien monatelang. Zwar ist es normal, dass in dieser Jahreszeit die Taiga mit ihren endlosen Wäldern brennt. Doch dieses Jahr wüteten die Feuer schlimmer als sonst und gefährdeten auch die Torfböden. Sie sind grosse Kohlendioxidspeicher. Im August 2019 haben auch die Regenwälder im Amazonas gelodert. Dort binden die Bäume und Böden ebenfalls grosse Mengen Kohlenstoff und nehmen zusammen mit den Ozeanen jedes Jahr einen Teil der menschgemachten Emissionen von CO2 auf. Eine Zerstörung der Wälder führt also zu einem zusätzlichen Ausstoss von Kohlenstoff und zerstört auch die CO2-Senken.

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