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Die Vespa wird umweltfreundlich: den Kultroller gibt es jetzt auch elektrisch

Die Firma Piaggio schreibt ein neues Kapitel ihrer legendären Geschichte und präsentiert die E-Vespa. Eine Einordnung.
Bruno Knellwolf
Italianità auf leisen Sohlen: Die Vespa Elettrica ist ein perfekter Kurzstreckenbegleiter. Bild: BK

Italianità auf leisen Sohlen: Die Vespa Elettrica ist ein perfekter Kurzstreckenbegleiter. Bild: BK

Mild streicht einem der Wind über die Backen. Die Fahrt ist gemütlich genug, um den Blick währenddessen über das Blau des Sees schweifen zu lassen. Das wohlige Gefühl von Ferien, Freizeit, Gelati und Italianità – eine Vespa eben.

Doch der Ton ist diesmal anders. Dabei war es doch bis anhin genau der Klang des Motors, der die Vespa einzigartig machte. Da war weder ein schneidender Sopran noch ein brummelnder Bass, sondern ein gemütlicher Singsang in angenehmer Mittellage ohne ein Jaulen. Deshalb erkennt man eine Vespa schon, bevor sie um die Ecke kommt.

Doch bei dieser ist der Ton schriller, höher. Dem Zeitgeist geschuldet, hat auch die italienische Traditionsfirma die Zeiger auf elektrisch gestellt und den ersten vollelektrischen Roller ihrer Historie auf die Strasse gebracht, die Vespa Elettrica. Die 73-jährige Geschichte der Kultmarke Vespa wird damit um ein Kapitel reicher.

Aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs entstanden

Angefangen hat das erste Kapitel in Pontedera bei Pisa, als im April 1946 die ersten 15 Fahrzeuge das dortige Werk verliessen. Durch das Werkstor fuhr die Vespa 98, die «Paperino», das Entchen. Sie hatte 98 Kubikzentimeter Hubraum, 3,2 PS Leistung und war maximal 60 km/h schnell.

Es war ein Produkt, entstanden aus Not und Bedrängnis. Ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lagen die italienischen Produktionswerke darnieder. Firmenchef Rinaldo Piaggio sucht nach neuen Geschäftsmodellen, um zu überleben und die Arbeiter weiterzubeschäftigen.

Er erteilte dem Flugzeugingenieur Corradino D’Ascanio den Auftrag, aus den herumliegenden Bauteilen und kleinen Rädern aus der Kriegszeit einen günstigen Motorroller zu konstruieren.

Und zwar mit bequemer Sitzposition, freiem Durchstieg, mit Beinschild gegen den Schmutz und verkapseltem Motor. Denn das Motorrad sollte keine Motorenteile haben, an denen man sich schmutzig machen konnte. Der Reifenwechsel sollte einfach sein wie bei einem Auto.

Daraus entstand die Ur-Vespa mit ihrer unverwechselbaren Form: den legendären Rundungen, dem einseitig aufgehängten Vorderrad, der runden Lampe und dem zweifüssigen Ständer. Mit dieser Form erreichte die Vespa Kultstatus wie der Deux-Chevaux oder der VW Käfer.

Der Ingenieur D’Ascanio hatte es geschafft, mit wenig Material eine hohe Stabilität des Rollers zu erreichen. Ihr Schwerpunkt liegt tief, die verschiedenen Blechteile sind so verschachtelt, dass sie einen stabilen Rahmen bilden. Dank einfacher Motortechnik konnte von Beginn weg jeder Mechaniker den Schraubenschlüssel ansetzen und die Vespa flicken. So hatte die geniale Konstruktion schnell das Zeug zum Massenprodukt, zu dem es geworden ist. Alle, die gern auf ein Motorrad gestiegen wären, aber das nicht in Lederkluft – und früher nicht mit Helm – tun wollten, kauften sich eine Vespa. Bald wurde sie von Filmregisseuren entdeckt und erhielt 1948 im Film «Roman Holiday» mit Audrey Hepburn und Gregory Peck weltweite Aufmerksamkeit.

Solche Aufmerksamkeit ist heute schwieriger zu erreichen. Denn Motorroller gibt es von x anderen Marken, doch eine Vespa bleibt eine Vespa. Das gilt auch für die erste Elektro-Vespa, die Vespa Elettrica. Statt mit einem Zweitakt- oder Viertaktmotor ist der Vespa-Fahrer einfach mit einer Lithium-Ionen-Batterie unterwegs und gewinnt beim Bremsen die Energie zurück. Die Elektro-Vespa leistet fünf PS, also knapp mehr als die Ur-Vespa.

Wie mit der Vespa 98 ist man auch mit der ersten Elektro-Vespa gemütlich unterwegs und bringt es auf maximal 55 km/h. Das reicht für den Stadtverkehr. Dort mag sie mit den Autos mithalten. Steht aber auf dem Verkehrsschild 60, wird man zum Überholopfer, denn mehr als 55 liegen wirklich nicht drin. Und geht es bergauf, muss die neue Vespa kräftig strampeln. Ein paar PS mehr gönnte man der E-Vespa schon. Darüber werde bei Piaggio stark nachgedacht, und eine stärkere E-Version sei im Anflug, sagt ein Händler.

Vorwärts und rückwärts

Trotzdem macht das Fahren mit der Vespa Elettrica Freude, wenn man sie am richtigen Ort einsetzt. Damit zum Schwimmen fährt, zum Einkaufen oder zur Strandbar. Denn abgesehen vom Motor ist bei der Vespa tatsächlich alles gleich wie bei der Vespa Primavera.

Da ist der praktische Kofferraum im Sattel, der durch Knopfdruck geöffnet werden kann, und das Ablagefach im Schild. Da ist ein 4,3-Zoll-Farbdisplay, auf dem vielerlei Informationen abgelesen werden können. Zum Beispiel, ob man in der Betriebsart Eco oder der empfehlenswerten Power-Stufe fährt. Oder wie weit man mit dem Elektroroller noch kommt.

Im Maximum sind es 80 Kilometer, dann spätestens muss die Vespa ans Netz der Stromversorgung. Das Laden ist sehr praktisch: Die Vespa hat ein ausziehbares Stromkabel, wie ein Staubsauger. In drei bis vier Stunden ist die Batterie an einer haushaltsüblichen Steckdose geladen.

Wie bei allen Vespas ist das Handling bestens, was das Fahren und die Bedienung betrifft. Eine Besonderheit hat die 130 Kilogramm schwere E-Vespa noch – einen Rückwärtsgang. Ist er eingelegt, piept sie wie ein rückwärts fahrender Lastwagen. Die Vespa Elettrica L3 mit 55 km/h Spitzengeschwindigkeit kostet 7295 Franken. Die langsamere Elletrica L1, für die es nur ein gelbes Nummernschild braucht, kostet ein bisschen weniger, nämlich 6995 Franken.

Die L1 läuft höchstens 45 km/h und ist wie die L3 auch nicht gerade ein Schnäppchen. Aber immerhin schadstofffrei – und natürlich sehr bequem.

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