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«Die St.Galler sind immer so anständig» – Der Hundeanwalt Martin Rütter über Problemhunde, Promis und ihre Herrchen

Zwei Millionen Zuschauer folgen Martin Rütter in der Sendung «Der Hundeprofi» bei seinen tierischen Einsätzen auf dem TV-Sender Vox. Jetzt will er die Probleme der St.Galler Hündeler lösen.
Desirée Müller
Martin Rütter kommt am Freitag mit seinem Liveprogramm «Freispruch» nach St.Gallen. Bild: Alex Stiebritz

Martin Rütter kommt am Freitag mit seinem Liveprogramm «Freispruch» nach St.Gallen. Bild: Alex Stiebritz

Sie verbringen 150 Tage im Jahr im Hotel. Wie vereinbaren Sie Ihr Privat- und Berufsleben?

Martin Rütter: Zu Hause kann ich meinen Job total ausblenden. Mein Leben ist gänzlich unspektakulär und wir führen ein stinknormales Familienleben in der Nähe von Köln auf einem idyllischen Pferdehof. Ich schleppe meine Freundin und meine fünf Kinder nicht mit zu irgendwelchen Rote-Teppich-Promipartys.

Werden Sie irgendwie anders behandelt? Zum Beispiel beim Elterngespräch?

Genau wie alle anderen Eltern auch bin ich beim alljährlichen Laternenbasteln mit dabei und tanze beim Elternabend an. Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, werden aber einfach anders wahrgenommen. Da kann man nichts dagegen machen. Daher komme ich vielleicht etwas leichter an Tickets für ein ausverkauftes Konzert ran oder kriege schneller einen Tisch im Restaurant. Da mach ich mir nichts vor und nutze die kleinen Privilegien hin und wieder gerne.

Wann sind Sie auf den Hund gekommen?

Im Studium holte ich Mina zu mir, ein Golden Retriever. Eigentlich waren Hunde auf dem Campus tabu. Doch ich nahm Mina einfach mit zu den Vorlesungen und sogar in die Turnhalle. Irgendwie schien sich keiner der 5000 Studenten und Referenten an ihr zu stören. Davor führte ich Hunde spazieren und gab den Besitzern wenn gewünscht Erziehungsratschläge. Hunde faszinieren mich seit früh auf.

Sie wollten Sportreporter werden, heute sind Sie Hundetrainer. Was ist da geschehen?

Nach einigen Semestern Sportwissenschaften habe ich das Studium abgebrochen und auf Tierpsychologie umgesattelt. Ich spürte es schon lange, dass es in diese Richtung gehen sollte, doch mir fehlte der Mut.

Der «Hundeprofi»

Martin Rütter hat seit 2008 seine eigene Coaching-Doku auf Vox, wo er bereits Hunderten von Hunden und ihren verzweifelnden Frauchen und Herrchen zu einem entspannteren (Hunde)-Alltag verhalf. Am Freitag macht der 47-jährige Deutsche mit seinem Liveprogramm «Freispruch!» Halt in St.Gallen (Messe-Halle 9.1). Dabei schlüpft er mit amüsanten Geschichten aus seiner Arbeit als Hundetrainer in die Rolle des «Hundeanwalts», denn: Hasso und Co. sind niemals schuld!

www.martin-ruetter-live.de www.ticketcorner.ch

Bereuen Sie die Entscheidung?

Das nicht, nein. Sollte ich jedoch per Zufall in der Nähe sein, wenn ein Sportmoderator ohnmächtig wird, würde ich gerne einspringen (lacht). Ich bin immer noch mit dem Fussball verbandelt und habe auch eine Abmachung mit der Moderatorin des ZDF-Sportstudios Katrin Müller-Hohenstein. Sie meinte, wenn mein Lieblingsclub, der 1. FC Köln, Meister wird, werde ich ihr Co-Moderator. Auf gut Deutsch gesagt also nie!

Sie studierten in Australien Dingos und arbeiteten auf einer Wolfaufzuchtsstation. Wie kam es dazu?

Ich reiste einer unglücklichen Liebe nach. Doch die Dame fand mich auch in Australien noch gleich blöd wie in Deutschland. Ich blieb trotzdem und habe gejobbt. Dabei lernte ich den Verantwortlichen von dem Dingo-Forschungsprojekt kennen. Dabei ging es um das Konfliktpotenzial zwischen den Wildhunden und den Menschen. Das war eine höchst spannende Zeit. Zurück in Deutschland kam ich bei einem Zoobesuch per Zufall mit Dr. Dirk Neumann ins Gespräch. Er war eine Koryphäe in der Wolfsforschung. Eines ergab sich dem anderen und schon war ich in seinem Forscherteam.

Sie arbeiten fürs Fernsehen und treten live vor 10'000 Leuten auf. Haben Sie Lampenfieber?

Ich kenne Kollegen, die vor ihrem Auftritt vor Kamera oder Publikum fast die Schraube machen. Da bin ich jeweils ganz gespannt. Backstage haben wir immer eine Tischtennisplatte dabei oder spielen bis kurz vor der Show Darts. Wenn ich weiss, worüber ich spreche, fällt es mir leicht. Bei einem Vortrag in der Schule sah das anders aus. Dazu baute sich die Publikumszahl langsam auf. Angefangen mit sieben Leuten in einer Kneipe bis hin zu einem gefüllten Hallenstadion. Da hat man genügend Zeit, in die Rolle reinzuwachsen.

Sie trainieren bei «Der VIP Hundeprofi» die Vierbeiner der Stars. Macht Ihnen das Spass?

Als Vox mit dem Vorschlag kam, winkte ich ab. Ich sah schon irgendwelche B-Promis vor mir, die eine gute Werbung für ihre nächste Single wollen und dafür ihren verzogenen Hund vorschieben. Meine Voraussetzung war, dass es wirklich um die Tiere und ihre Probleme mit dem Menschen geht. Das funktioniert ganz gut und ich bin echt erstaunt, wie «menschlich» die VIPs sind, sobald es um ihre geliebten Hunde geht.

Und wie sind die «Normalsterblichen» in St.Gallen?

Die Ostschweizer finde ich super. Ich war schon oft hier und die St.Galler sind immer so anständig, wenn sie mich um ein Autogramm bitten. In Deutschland werde ich auf der Strasse unaufgefordert umarmt und ganz selbstverständlich geduzt.

Wie sehen Sie Ihre Zukunft?

Ich denke schon lange, dass das Interesse an mir jetzt dann nachlässt. Aber das Gegenteil ist der Fall. Sollte mich irgendwann wirklich keiner mehr spannend finden, gehe ich als Trainer zurück auf den Hundeplatz. So habe ich lange meine Familie ernährt.

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