Die Stars im Krippenspiel

Grosse Aufregung am Hof des Königs Herodes in Jerusalem. Ein atemloser Bote berichtet, dass er drei Fremde in der Stadt belauscht habe: «Die hört ich fragen alle drei, ob hier ein König geboren sei… Ich erschrak vor solcher Red.

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Die Drei Könige: Caspar, Melchior und Balthasar gelten auch als Schutzpatrone der Reisenden. (Bild: Bildausschnitt: Fresco von Franz Xaver Merz, Klosterkirche Windberg, Bayern/wikimedia/Xenophon)

Die Drei Könige: Caspar, Melchior und Balthasar gelten auch als Schutzpatrone der Reisenden. (Bild: Bildausschnitt: Fresco von Franz Xaver Merz, Klosterkirche Windberg, Bayern/wikimedia/Xenophon)

Die Stars im Krippenspiel

Grosse Aufregung am Hof des Königs Herodes in Jerusalem. Ein atemloser Bote berichtet, dass er drei Fremde in der Stadt belauscht habe: «Die hört ich fragen alle drei, ob hier ein König geboren sei… Ich erschrak vor solcher Red. Seid Ihr nicht die königlich Majestät?» Das Zitat stammt aus dem St. Galler Weihnachtsspiel, dem ältesten deutschsprachigen Krippenspiel, entstanden um 1270. Bis zum 13.

Jahrhundert ist der biblische Bericht von den «Magoi apo anatolon» (den Magiern aus dem Osten) schon wacker angereichert worden. Die Karriere der Magier hat nämlich erst nach ihrem Tod so richtig begonnen. Zunächst stiegen sie zu «Weisen» auf, schliesslich zu «Königen». Der 6. Januar wurde mehr und mehr zu ihrem Tag, obwohl es der historische Weihnachtstermin war. Epiphanie (Erscheinung des Herrn), wie der ursprüngliche Name des heutigen Festtags heisst.

Die Popularität der Drei Könige kommt nicht von ungefähr. Sie ist schon in der ursprünglichen Erzählung angelegt. Das Matthäus-Evangelium berichtet, wie einige Zeit nach Jesu Geburt Fremdlinge in Jerusalem auftauchen und nach dem «neugeborenen König der Juden» fragen. Ein Stern habe ihn angekündigt. Nun beginnt ein dramatisches Doppelspiel. Herodes vermutet das neugeborene Kind in Bethlehem, schickt die Fremden dorthin, in der perfiden Absicht, sich später des vermeintlichen Rivalen zu entledigen.

Tatsächlich finden die Fremden das Kind, beschenken es mit Gold, Weihrauch und Myrrhe. Dann warnt sie ein Traum, zu Herodes zurückzukehren. Dieser sieht sich getäuscht und lässt in seiner Wut alle Buben, die jünger als zwei Jahre sind, ermorden. Von den geheimnisvollen Fremden aber heisst es bei Matthäus, «sie entwichen auf einem andern Wege in ihr Land».

Damit sind sie wohl aus den Texten der Bibel entwichen, aber nicht aus der Volksreligion. Eine Geschichte, die so dramatisch beginnt, lässt man nicht einfach sausen. Ums Jahr 250 ist erstmals von der Dreizahl die Rede, weil es drei Geschenke waren. Ab dem 6. Jahrhundert tauchen die Namen Caspar, Melchior und Balthasar auf; zu dieser Zeit werden sie bereits als Könige bezeichnet. Ab 700 werden sie genauer beschrieben, Melchior als Greis, Caspar als Jüngling, Balthasar mit schwarzem Bart. Noch später wird er gänzlich zum Mohren.

Das Krippenspiel schmückt die Rolle der Könige mehr und mehr aus; sie regieren nun die drei damals bekannten Erdteile.

Schliesslich begeben sie sich Jahrhunderte nach ihrem Tod nochmals auf die Reise, zumindest ihre Gebeine. Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin, «findet» im Jahr 326 ihre Gräber und bringt die sterblichen Überreste nach Mailand. Kaiser Barbarossa lässt sie als Kriegsbeute nach Köln bringen. Auf dieser Reise berühren die Drei Könige auch die Ostschweiz, führt die Route doch über das St.

Galler Rheintal.

Damit sind die Drei Könige zu Patronen der Reisenden geworden; auch der innern Pilgerschaft des Menschen durch die Zeit, wie Karl Rahner sagt. Die Namen vieler Gaststätten erinnern daran: Sternen, Krone, Drei König, Mohren. (J.O.)

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