Die Sprachstilistin
Lachen mit dem Sprachroboter: «Grillt sie war Hitler»

In ihrer neuesten Kolumne denkt unsere Autorin Odilia Hiller über die Transkription von Sprachnachrichten in der Teams-Software nach. Und freut sich über poetische Höhen, die diese erklimmt.

Odilia Hiller
Odilia Hiller
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Die digitale Kommunikation kann vieles, aber nicht alles.

Die digitale Kommunikation kann vieles, aber nicht alles.

Bild: Olivier Le Moal

Mein geschätzter Kollege Raffael Schuppisser hat mich während unserer hier bereits früher erwähnten Stottern-auf-Griechisch-Ferien verdankenswerterweise als Sprachstilist vertreten (Sprachkolumne vom 5. August). Bei dieser Gelegenheit liess er durchblicken, er halte es nicht für völlig verwerflich, sich für bestimmte Schreibweisen und Stilfragen an den Google-Algorithmus zu halten statt an den Duden.

Da die Sprachstilistin höchst tolerant und pragmatisch ist – innerhalb gewisser Grenzen, versteht sich –, konnte sie nach dieser Aussage weiterhin ruhig schlafen. Genau genommen, nach ein paar Atemübungen.

Sind wir nicht alle benebelt genug?

Denn sie neigt in diesen Fragen zu folgender Haltung: Wenn Computer, Algorithmen und sonstige Maschinen anfangen, uns denkenden Wesen vorzuschreiben, was wir zu tun, zu lassen und zu schreiben haben, dann gute Nacht.

Sind wir nicht alle schon benebelt und ferngesteuert genug von diesen sozialen Medien und dem dort kursierenden Müll, der uns den ganzen Tag entgegenvibriert? Doch so hat der Kollege das sicher nicht gemeint.

Der Roboter im Leerlauf

Wir wollen hier auch gar nicht Kulturpessimismus betreiben, sondern die Sprache und ihre Schönheiten feiern. Auch Maschinen schaffen es zuweilen in poetische Sphären. So schenkt uns das Transkriptionsprogramm für Sprachnachrichten der beliebten Büro- und Schulsoftware Teams immer wieder unvergessliche Schriftmomente:

Grillt sie war Hitler Holle steinblock jetzt mal folgendes ich rufe dich nochmal wirken den Rat nochmal auf aida reingeschafft als beauftragte für Frauen Folge posteingänge zahlreiche Tote ja so schön begleit ist oder aus Fisch oder oder also vor den Rückruf ciao ciao.

Noch Fragen? So wurde ich kürzlich von einem Vorgesetzten via Stimmerkennung angegangen. Sie tut, was sie kann, aber Schweizerdeutsch versteht sie nicht. Die Dialektnachrichten der Kolleginnen und Kollegen packt sie gerne in markige Worte.

Hä bist noch ein Chart oder bist schon die Fähre Ich bin auch sicher. Mit der Kirche danke ciao.

Oder so:

bin ich wieder Kacke gesagt Ich liebe dich spät dran ich weiss ehrlich gesagt muss ich gestorben genau gemacht haben falls nicht wäre sehr folgenden Rückruf danke ciao

Im Pandemiealltag ist jede Auflockerung willkommen

Das Letzte war für eine Kollegin, nicht für mich. Sie meldete, dass sie sich ob Fluch, Liebe und Tod auf so engem Raum einen halben Nachmittag lang vor Lachen bog. Das ist doch ein stolzer Erfolg für ein Computerprogramm.

Die dadaistisch anmutenden Nonsens-Nachrichten aus dem Innern eines Rechners möchten wir keinesfalls mehr missen. Der Pandemiealltag ist so humorbefreit, dass man sich über jede Auflockerung freut.

Ob sich allerdings von den Sprachkünsten dieser Maschine für den eigenen Sprachgebrauch etwas mitnehmen lässt? Fraglich. In Sachen Kommasetzung hätten wir Anmerkungen.

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