Die Sache mit dem Kinderabzug

Was muss bei einer Schenkung an den Lebenspartner steuerlich beachtet werden? Was haben Trennung und Scheidung für Folgen punkto Haus und Kinder? Eine erste Auswahl an Leserfragen, beantwortet und erläutert von unserem Experten José Muro.

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José Muro Steuerexperte (Bild: Quelle)

José Muro Steuerexperte (Bild: Quelle)

Schenkung an Lebenspartner

Ich lebe in Ausserrhoden und bin seit über 30 Jahren mit meinem Lebenspartner zusammen. Nun möchte ich ihm eine grössere Summe Bargeld schenken. Was gibt es hier steuerlich zu beachten?

José Muro: Ihre Frage bezieht sich auf die Schenkungssteuer. Die aktuellen Steuergesetze regeln Schenkungen an Lebenspartner recht unterschiedlich. Im Kanton Appenzell Ausserrhoden beträgt der Steuersatz für nichtverheiratete Lebenspartner 12 Prozent, wobei ein Steuerfreibetrag von 10 000 Franken in Abzug gebracht werden kann. Als Lebenspartner gilt, wer während mindestens fünf Jahren in ununterbrochener Hausgemeinschaft mit dem Schenker gelebt hat, wobei die schenkende Person zu deren Unterhalt wesentlich beigetragen hat oder Gemeinschaftlichkeit der Mittel bestand.

In den Kantonen St. Gallen und Thurgau bestehen keine speziellen Regelungen betreffend Lebenspartner. Es kommen die Steuersätze für Nichtverwandte zum Tragen, wobei auch der Kanton St. Gallen einen Steuerfreibetrag von 10 000 Franken kennt. Hier werden Schenkungen an Nichtverwandte mit 30 Prozent besteuert. Der Kanton Thurgau hat einen progressiven Tarif, wobei sich die Steuersätze in Abhängigkeit der Schenkungshöhe zwischen rund 8 und 28 Prozent bewegen.

Der Vollständigkeit halber sei noch auf die laufende eidgenössische Volksinitiative «Millionen-Erbschaften besteuern für unsere AHV (Erbschaftssteuerreform)» hingewiesen, die unter Umständen auch Schenkungen ab dem 1. Januar 2012 erfasst. Aus heutiger Sicht können die Auswirkungen dieser Initiative noch nicht abgeschätzt werden, da die politische Meinungsbildung bis jetzt nicht wirklich stattgefunden hat. Sollte die Initiative angenommen werden, würden Erbschaften und Schenkungen auf Stufe des Bundes erhoben und pauschal mit 20 Prozent besteuert, wobei ein einmaliger Freibetrag von zwei Millionen Franken auf der Summe des Nachlasses und aller steuerpflichtigen Schenkungen geltend gemacht werden könnte. Gemäss Initiativtext würden Schenkungen von höchstens 20 000 Franken pro Jahr und beschenkte Person nicht besteuert.

Einfamilienhaus und Trennung

Meine Frau ist letztes Jahr aus unserem gemeinsamen Einfamilienhaus ausgezogen. Obwohl eine Scheidung noch nicht zur Diskussion steht, werden wir für das Jahr 2012 schon getrennt besteuert. Ich habe sämtliche Unterhaltskosten und die Hypothekarzinsen bezahlt. Wie muss ich nun das Einfamilienhaus deklarieren, welches uns beiden zu je 50 Prozent gehört?

Muro: Aufgrund der hohen Trennungs- und Scheidungsrate betrifft diese Ausgangslage leider viele Steuerpflichtige. Aus steuerrechtlicher Sicht sind die beiden Miteigentumsanteile von je 50 Prozent unterschiedlich zu beurteilen. Ihr Anteil von 50 Prozent führt dazu, dass Sie sowohl das anteilige Vermögen wie auch die anteiligen Einkünfte und Abzüge als Eigentümer deklarieren müssen. Beim Anteil der Ehefrau stellt sich die Frage, wer diese Hälfte versteuert. Hier sind die Regelungen betreffend die Nutzniessung zu beachten. Unabhängig vom Eigentum werden nämlich die Nutzniesser sowohl für das Vermögen wie auch die Einkünfte besteuert. Da Sie die 50 Prozent der Ehefrau so nutzen, wie wenn Ihnen das ganze Einfamilienhaus gehörte, sind Sie auch für diesen Teil steuerpflichtig. Somit deklarieren Sie das Einfamilienhaus zu 100 Prozent, können dafür aber auch alle Abzüge vollumfänglich geltend machen.

Die Verhältnisse können natürlich auch komplizierter sein, wenn beispielsweise der Unterhalt und die Schuldzinsen hälftig getragen werden oder der im Einfamilienhaus lebende Ehepartner für den hälftigen Anteil des anderen Partners eine Miete bezahlt. In diesen Fällen sollten sich die getrennt lebenden Ehepartner absprechen. Unter Umständen deklarieren dann beide Eigentümer ihren hälftigen Anteil zu je 50 Prozent.

Kinderabzug

Meine geschiedene Ehefrau und ich finanzieren das Studium unseres 23jährigen Sohnes gemeinsam zu etwa gleichen Teilen. Mein Sohn ist Wochenaufenthalter in Bern (Studienort) und wohnt am Wochenende bei mir in St. Gallen. Können wir den Kinderabzug je hälftig aufteilen?

Muro: Die Frage nach den Kinderabzügen wird am Steuertelefon fast am häufigsten gestellt. Offenbar bestehen hier doch erhebliche Unsicherheiten, was angesichts der zahlreichen Regelungen, die von verschiedenen Faktoren abhängen, und der teilweise unterschiedlichen Behandlung bei der direkten Bundessteuer und den Staats- und Gemeindesteuern nicht überraschend ist.

In Ihrem Fall ist festzustellen, dass Ihr Sohn mündig und selbst steuerpflichtig ist. Eine Aufteilung des Kinderabzuges, die man ohnehin nur bei der Bundessteuer kennt, ist bei volljährigen Kindern nicht möglich. Des weiteren hat er seinen Wohnsitz bei Ihnen. Obwohl Sie und Ihre geschiedene Frau das Studium etwa zu gleichen Teilen finanzieren, ist aufgrund der Lebenshaltungskosten am Wochenende davon auszugehen, dass Sie einen grösseren Beitrag leisten, womit Ihnen grundsätzlich der Kinderabzug zusteht. Hier gibt es nun einen kleinen Unterschied betreffend die Bundessteuer und die Staats- und Gemeindesteuern. Bei der Bundessteuer steht Ihnen der Sozialabzug von 6500 Franken zu, wenn Sie für den Unterhalt des Kindes aufkommen. Das Erfordernis, dass die steuerpflichtige Person für den Unterhalt des Kindes sorgt, ist erfüllt, wenn sie Beiträge mindestens in der Höhe des Sozialabzuges an das Kind ausrichtet.

Bei den Staats- und Gemeindesteuern steht Ihnen der Kinderabzug zu, wenn Sie finanziell zur Hauptsache für den Unterhalt des Kindes aufkommen. Dies bedeutet, dass Sie mehr als die Hälfte der Lebenshaltungskosten Ihres Sohnes finanzieren. Diesen Nachweis könnte die Steuerbehörde verlangen. Wenn dieses Erfordernis erfüllt ist, können Sie im Kanton St. Gallen den Kinderabzug von 10 200 Franken sowie zusätzlich Ausbildungskosten bis zu 13 000 Franken und den Versicherungsabzug von 600 Franken geltend machen.

Ihre geschiedene Ehefrau kann bei der Bundessteuer den sogenannten Unterstützungsabzug von 6500 Franken geltend machen, sofern ihre Leistungen mindestens in der Höhe dieses Abzuges erfolgen. Bei den Staats- und Gemeindesteuern besteht leider keine Möglichkeit eines Abzuges.

Vorzeitige Pensionierung

Ich bin 59jährig und lasse mich im Frühling 2013 vorzeitig pensionieren. Die Pensionskasse bezahlt mir eine Überbrückungsrente bis zur ordentlichen Pensionierung mit 64. Ab dann erhalte ich auch die AHV-Rente. Muss ich dies der Steuerbehörde mitteilen und gibt es bezüglich der AHV noch etwas Spezielles zu beachten?

Muro: Ob Sie dies dem Steueramt mitteilen wollen, hängt nur mit dem Steuerbezug des aktuellen Jahres respektive Ihrer Liquiditätslage zusammen. Da die Steuerämter üblicherweise auf Basis der letzten Steuererklärung oder definitiven Veranlagung provisorische Rechnungen für das laufende Jahr versenden, dürfte die Steuerrechnung des Jahres 2013 wohl zu hoch ausfallen. Wenn Sie nun im Jahr 2013 eine möglichst realistische Steuer bezahlen wollen, sollten Sie dies dem Steueramt mitteilen. Ansonsten könnten Sie auch bewusst eine zu hohe Steuerrechnung bezahlen im Wissen, dass Steuerguthaben samt Zinsen (Ausgleichszins) zurückerstattet werden.

Die AHV-Beitragspflicht besteht in der Schweiz auch für Nichterwerbstätige bis zum Erreichen des ordentlichen Pensionierungsalters. Somit sind Sie während der nächsten fünf Jahre trotz der vorzeitigen Pensionierung noch AHV-pflichtig. Als Grundlagen für die Berechnung der Beiträge an die AHV dienen das Vermögen und das 20fache jährliche Renteneinkommen. Sollten diese beiden Beträge beispielsweise einen Betrag von einer Million Franken ergeben, ergäbe dies einen jährlichen AHV-Betrag von rund 2000 Franken. Ich empfehle Ihnen, sich noch vor der vorzeitigen Pensionierung bei der AHV-Zweigstelle Ihrer Gemeinde zu melden, damit Sie hier bald Klarheit über die zu bezahlenden AHV-Beträge haben.

Ein volljähriger Sohn, der studiert: Auch wenn die geschiedenen Partner gemeinsam für die Ausbildung aufkommen, lässt sich der Kinderabzug nicht aufteilen. (Bild: fotolia)

Ein volljähriger Sohn, der studiert: Auch wenn die geschiedenen Partner gemeinsam für die Ausbildung aufkommen, lässt sich der Kinderabzug nicht aufteilen. (Bild: fotolia)