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Die Rettung nach dem Aussterben

Sudan war das letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn der Welt. Forscher wollen die Unterart doch noch vor dem Aussterben bewahren – mit Nashornembryos.
Gisela Gross/dpa
Das verstorbene Nashorn-Männchen Sudan, das letzte seiner Art. (Bild: Daniel Irungu/EPA)

Das verstorbene Nashorn-Männchen Sudan, das letzte seiner Art. (Bild: Daniel Irungu/EPA)

«Sudan. Das letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn 1973–2018»: So steht es auf einem Gedenkstein zur Erinnerung an den weltbekannten Dickhäuter, der kürzlich in Kenia wegen Altersschwäche eingeschläfert werden musste. Nach der traurigen Nachricht von März keimt wieder Hoffnung auf für die Tiere mit dem breiten Maul: Forscher wollen die Ausrottung mit Methoden der künstlichen Reproduktion und der Stammzellforschung aufhalten – und damit auch die Vorlage liefern für die Rettung weiterer hochgefährdeter Arten.

Nur noch zwei Weibchen sind übrig von der einst in Zentral- und Ostafrika verbreiteten Unterart. Ein Team um den Veterinärmediziner Thomas Hildebrandt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin hat es geschafft, im Labor Nashorn-Embryonen zu erzeugen und zu kultivieren. «Dies sind die weltweit ersten in vitro produzierten Nashorn-Embryos», erklärt Hildebrandt. Werde ein solcher Embryo einer Leihmutter eingesetzt, seien die Chancen «sehr hoch», dass diese trächtig werde.

Allerdings handelt es sich bisher noch nicht um reine Embryos der bedrohten Unterart. Zunächst erprobten die Forscher die aufwendige Entnahme von Eizellen bei engen Verwandten der Nördlichen Breitmaulnashörner: bei Südlichen Breitmaulnashörnern in europäischen Zoos. Was die Spermien anbelangt, so stand dem Team eingelagertes Material von Nördlichen Breitmaulnashörnern zur Verfügung. Allerdings beschreiben die Forscher die Qualität als schlecht. Deshalb mussten Spermien jeweils direkt in die Eizelle gespritzt werden. Dabei arbeiten die Forscher mit einem italienischen Unternehmen zusammen, das das Verfahren sonst bei Rindern und Pferden anwendet. Die sogenannte Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) ist auch beim Menschen eine häufig genutzte Methode zur künstlichen Befruchtung.

Den letzten Weibchen Eizellen entnehmen

Mit den bisherigen Erfahrungen wollen sich die Forscher nun daran machen, den letzten beiden weiblichen Nördlichen Breitmaulnashörnern Eizellen zu entnehmen - laut einem IZW-Sprecher noch im August oder September. Die Tiere sind die Tochter und die Enkelin des Bullen Sudan und leben in einem Reservat in Kenia. Beide sind unfruchtbar. Deshalb werden Leihmütter benötigt – auch hierfür eignen sich Südliche Breitmaulnashörner. Zu einer solchen Nashorn-Schwangerschaft könnte es dem Vernehmen nach Anfang 2019 kommen. Noch feilen die Forscher an der Technik zum Embryo-Transfer. Und sie werben um Geld von Privatleuten.

Doch selbst die Geburt eines Nashornbabys würde noch lange nicht die Rettung für das Nördliche Breitmaulnashorn bedeuten. Da es nur zwei Weibchen und Spermien weniger Bullen gibt, wäre die genetische Vielfalt für den Aufbau einer sich selbst erhaltenden Population nicht gross genug. Deshalb arbeiten die Wissenschafter parallel an Stammzelltechnik, um aus erhaltenen Nashorn-Körperzellen Spermien und Eizellen zu züchten.

Doch US-Experten warnen: High-Tech-Verfahren wie das Klonen seien oft ineffizent, häufig gebe es Fehlgeburten und Todesfälle bald nach der Geburt. Ein Beispiel zeigt das: Nachdem das letzte Exemplar des Pyrenäensteinbocks im Jahr 2000 gestorben war, wollten Wissenschafter mit seinen Zellen neue Exemplare klonen. Tatsächlich kam es auch zur Geburt eines Jungtiers. Doch das starb wenige Minuten danach an einer Missbilung der Lunge.

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