Die Reise nach Tschernobyl

LESBAR BUCH Mit Fukushima ist die Erinnerung an Tschernobyl erwacht, obwohl die beiden Reaktorunfälle in ihrer Dimension unterschiedlich sind. Die beiden Ereignisse liegen beinahe 25 Jahre auseinander. Am 26. April 1986 explodierte der Reaktorblock Nummer 4 im ukrainischen Tschernobyl.

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LESBAR BUCH

Mit Fukushima ist die Erinnerung an Tschernobyl erwacht, obwohl die beiden Reaktorunfälle in ihrer Dimension unterschiedlich sind. Die beiden Ereignisse liegen beinahe 25 Jahre auseinander. Am 26. April 1986 explodierte der Reaktorblock Nummer 4 im ukrainischen Tschernobyl. Schuld waren Konstruktionsfehler, die bereits bei der Inbetriebnahme bekannt gewesen seien, schreibt Peter Jaeggi. Der Journalist hat die Ukraine bereist und verschiedene Geschichten dazu verfasst. Im Zentrum stehen dabei Betroffene, Liquidatoren zum Beispiel, die auf dem Reaktorgelände aufräumen mussten. So wie Georgi Lepin, der die «Vereinigung der Liquidatoren von Tschernobyl» gründete und eine Zeit lang präsidierte.

Sechs Jahre lang, von 1986 bis 1992, hatte Lepin in der AKW-Geisterstadt Pripjat und im drei Kilometer entfernten Katastrophenreaktor gearbeitet. Einmal habe er Überreste von geschmolzenen Brennstäben gefunden, erzählt Georgi Lepin. Mit einer Schaufel musste er das hochradioaktive Metallknäuel in das Innere des explodierten Reaktors befördern. Ohne Augenschutz; noch heute fühle er ein Brennen in seinen Augen. Jaeggi, Mitautor und Herausgeber des Buches, lässt 13 weitere Autoren zu Wort kommen, die Geschichten aus der Hölle erzählen. Zum Beispiel jene von Natalja Mansurowa, die Radiologin und ebenfalls Liquidatorin war und heute an Schilddrüsenkrebs leidet. Und die es nicht versteht, dass die ukrainische Regierung das Unglücksgebiet für den Tourismus geöffnet hat. Eine Million Abenteuerurlauber erwartet der ukrainische Tourismusverband pro Jahr – und deren Devisen.

Peter Jaeggi ist Partei, daraus macht er schon im Vorwort keinen Hehl, in dem er sich als Gegner der Kernkraftenergie zu erkennen gibt. Damit ist er zurzeit hierzulande bekanntlich in guter Gesellschaft. Zu Wort kommen denn auch nur gegnerische Stimmen. Alles wird in einem Atemzuge genannt und vermischt, Atombomben und Reaktoren. Das Buch wirkt wie eine Kampfschrift der Anti-AKW-Bewegung.

Bruno Knellwolf

Peter Jaeggi: Tschernobyl für immer. Lenos-Verlag 2011, Fr. 34.–