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Die Qualen der Zwangsarbeiter

In der Theresienkapelle im ehemaligen Lager Gütterli in Singen bringt das Theater Konstanz das Monodrama «Orte: Gütterli» von Gerd Zahner zur Uraufführung: ein Stück über Zwangsarbeit.
Helmut Voith
Von Maggi? Oliver Stein löffelt eine nur schwer verdauliche Suppe. (Bild: Marija Tokic)

Von Maggi? Oliver Stein löffelt eine nur schwer verdauliche Suppe. (Bild: Marija Tokic)

Lächelnd hält der Singener Schauspieler Oliver Stein einen Stein in die Höhe und erklärt ein einfaches Kinderspiel, das damals gespielt wurde. Damals, als in Singen viele Baracken standen.

Dreitausend Zwangsarbeiter waren hier untergebracht, nur wenige Kilometer von der Schweiz, vom Traum von Freiheit entfernt. So wie in Singen waren Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge auch in den Rüstungsbetrieben in Friedrichshafen beschäftigt – der in Singen lebende Rechtsanwalt Gerd Zahner hat sich auf der Grundlage des Buchs «Schatten am Hohentwiel» von Wilhelm J. Waibel dem Thema in Form eines Monodramas genähert. In dichtem Spiel schlüpft Oliver Stein in die verschiedensten Rollen. Er ist das 17jährige polnische Mädchen, das unvermittelt aus der Schule geschleppt und im Viehwaggon abtransportiert wird. Als sie Jahre später wieder in die Heimat kommt, wird ihr der Bruder Kollaboration vorwerfen, wird ihr sagen, dass sie die Granate, die ihm ein Bein weggerissen hat, mit Splittern gefüllt habe. Dazwischen liegt die Zeit in Singen.

An der Schmerzgrenze

Gespielt wird in der Kapelle am Rande des Industrieareals, die der französische Lagerkommandant Le Pan de Ligny nach Kriegsende von deutschen Gefangenen über einem Luftschutzbunker bauen liess. Es ist im Stück gleichsam der Epilog, der versöhnlich stimmt. Wer die Schrecken des Krieges nicht selbst erlebt hat, kann sich kaum vorstellen, welche Leistung der Kommandant vollbrachte, als er völlig entwurzelte «Kind-Greise» wieder ins Leben zurückholte.

Dieser Epilog ist nötig. Denn im langen Mittelteil in der Kirche erlebt man das Leben der jungen Zwangsarbeiterin so drängend, dass es schmerzt. Wo die Stimme nicht ausreicht, brüllt der Schauspieler die Qualen in wilden Trompetenstössen hinaus.

Und so stösst man an das alte Problem, wie man das Unerhörte, das absolut Unmenschliche darstellt, dass es den Zuschauer ergreift statt ihn abzustossen. Was der Regisseur Otto Edelmann zumutet, übersteigt die Grenzen. Der Zuschauer ist ohnedies aufs äusserste gefordert, neben den geschrienen Sätze die geflüsterten zu verstehen. Und er ist einem Stakkato von Perspektivenwechseln ausgesetzt: Spricht die Protagonistin bereits aus dem Jenseits, träumt sie nur von der Erlösung durch den Tod? Sie hat ein Kind bekommen, das man ihr entrissen hat, und ist zusätzlich traumatisiert. Ihr Pech, dass sie bei einer bestimmten Firma arbeiten musste – bei anderen Firmen in Singen sei es wesentlich humaner zugegangen, wie es heisst.

Von zornerfüllter Aktualität

Ein Fazit: Man kann die Nazis nicht über einen Kamm scheren, das Schrecklichste von allem ist doch der (einzelne) Mensch. Und damit sind wir bei Wahrheiten, die schon die griechische Tragödie verbreitete. Es wäre interessant, dieses Stück in einer sensibleren statt zornigen Inszenierung zu sehen. Menschen in Lagern – leider ein Thema, das nicht veraltet.

Theresienkapelle (Fittingstrasse) Singen, weitere Vorstellungen am 31. Mai und 1. Juni, jeweils 20 Uhr. www.theaterkonstanz.de

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