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Die Psyche rennt mit

Erfolg und Enttäuschung liegen im Sport nah beieinander. Was man bewirken kann, erklärt mit Blick auf die Olympischen Spiele die Sportpsychologin Romana Feldmann. Natalie Ehrenzweig
Marathon verloren, persönliche Bestzeit verpasst: Die Portugiesin Ana Dulce Felix reiht sich erschöpft ein ins grosse Heer der an Olympia Gescheiterten. (Bild: epa/Kerim Okten)

Marathon verloren, persönliche Bestzeit verpasst: Die Portugiesin Ana Dulce Felix reiht sich erschöpft ein ins grosse Heer der an Olympia Gescheiterten. (Bild: epa/Kerim Okten)

Auf der Jagd nach Siegen und Rekorden kommt es an den Olympischen Spielen nicht nur auf die Athleten selbst an, sondern auch auf jene, die sie betreuen – zum Beispiel auf Sportpsychologen. Eine von ihnen, Romana Feldmann, arbeitet beim Swiss Olympic Medical Center in Nottwil.

Mit welchen Wünschen kommen die Athleten zu Ihnen, Frau Feldmann?

Romana Feldmann: Bei Erstanfragen geht es oft ums Thema Leistungsoptimierung oder darum, den Athleten im Fall einer Stagnation zu unterstützen. Aber sie kommen ja nicht erst zwei Wochen vor den Olympischen Spielen zum Psychologen. Grundsätzlich geht es darum, eine Sportlerkarriere zu begleiten.

Welche Themen schauen Sie mit den Sportlern an?

Feldmann: Das ist extrem vielseitig. Nebst dem Erlernen von psychologischen Trainingsmethoden geht es beispielsweise um die Stärkung des Selbstvertrauens, den Umgang mit Blockaden, Verletzungsprävention, Karriereplanung oder das Begleiten des Karriereendes. Im Zentrum soll der Mensch stehen, und erst dann kommt die Leistung – auch wenn Leistung und Erfolge klar zum Sportleralltag gehören.

Viele Sportler arbeiten mit einem regelrechten Betreuungsstab. Was umfasst eine optimale Betreuung?

Feldmann: Im Idealfall sitzt ein Athlet oder eine Athletin mit verschiedenen Fachexperten zusammen. Dazu können Ernährungsberater, Trainer, Sportpsychologen oder auch Sportmanager gehören. So können ganzheitlich Schwerpunkte und Ziele geplant und definiert werden. Ausserdem wird ein Athlet von Aufgaben entlastet, die nicht zu seinem Kerngebiet und seinem wohl besten Talent gehören: dem Ausüben seiner Sportart.

Welchen Beitrag leistet dabei der Sportpsychologe?

Feldmann: Das kommt sehr drauf an, wo der Sportler gerade steht. Es gibt viele verschiedene Ebenen, auf denen gearbeitet wird. Nebst dem Erlernen von psychologischen Trainingsformen wie Gedankenkontrolle oder Visualisierung ist auch das Umfeld, also beispielsweise die Familie oder die Zusammenarbeit mit dem Trainer, wichtig. Der Athlet braucht ein Umfeld, in welchem er sich wohl fühlt und getragen wird, unabhängig von seiner Leistung.

Ein Psychologe unterstützt einen Sportler also auch, wenn es ihm schlicht nicht gut geht?

Feldmann: Genau. Der mentale Stress ist gerade in der Selektionsphase der Spiele extrem hoch. Einerseits weiss der Sportler, dass er an seinen Erfolg in der Selektion glauben muss, weil er es sonst nicht schafft. Doch er muss auch mit Gedanken einer Nichtselektion und der damit verbundenen Enttäuschung umgehen können.

Ein Sportler muss sich also unter Umständen mit dem Gedanken anfreunden, mit einer blossen Teilnahme zufrieden sein zu müssen. Sollte man nicht stets das Maximum im Auge haben?

Feldmann: Die Teilnahme ist schon eine sehr grosse Leistung. Man bedenke beispielsweise, dass von allen Sportlern in der Schweiz gerade mal gut hundert in London sind. Eine Teilnahme garantiert aber noch lange keine Medaille. Wichtig ist, dass der Sportler sein persönliches Leistungsmaximum anstrebt, damit er seine bestmögliche Leistung abrufen kann.

Welche Eigenschaften müssen Spitzensportler trainieren, um im richtigen Moment parat zu sein?

Feldmann: Das ist ähnlich wie eine Prüfungssituation. Wichtig ist, die Sicherheit zu haben, dass man in der Vorbereitung alles in seiner Macht Stehende getan hat. Man muss überzeugt sein, dass man sich selber – und seinem Körper – vertrauen kann. Hilfreich kann es zudem sein, sich vorgängig mit schwierigen Situationen, in die man geraten könnte, zu befassen. Wer sich darauf vorbereitet, kann im entscheidenden Moment gelassener und schneller reagieren.

Kann man denn nicht auch zu viel überlegen und hinterfragen?

Feldmann: Zweifel sind völlig normal, die braucht es ja auch. Wichtig ist, dass ein Sportler seine Gedanken kontrollieren kann und nicht in eine Negativspirale gerät.

Am Sonntag ist Olympia 2012 Geschichte. Gerade auf Schweizer Seite sind einige Träume geplatzt. Wie gehen Sportler damit um?

Feldmann: Sportler lernen natürlich schon lange vor einer Olympiateilnahme, mit Niederlagen umzugehen. Niemand bringt es ohne Rückschläge auf dieses Niveau. In so einem Moment soll man Emotionen zulassen und später den Wettkampfverlauf analysieren.

Wenn eine Sportlerin wie Simone Niggli-Luder, die x-fache Weltmeisterin ist, dann bei einem verpassten Podestplatz losheult – haben die nicht Probleme mit Niederlagen?

Feldmann: Nein, nicht unbedingt. Wenn ein Wettkampf vorbei ist, fällt erst mal der enorme Druck ab, unabhängig davon, was für ein Resultat man erzielt hat. Da kann Weinen ein normales Ventil sein.

Mitarbeit Caroline Fux

Romana Feldmann Sportpsychologin (Bild: Quelle)

Romana Feldmann Sportpsychologin (Bild: Quelle)

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