Die Null ist zwingend: Warum die CO2-Emissionen auch im Inland sinken müssen

Ist es eine gute Idee, CO2 im Ausland zu sparen, statt zu Hause? An der Klimakonferenz in Katowice konnte man sich in dieser umstrittenen Frage nicht einigen.

Bruno Knellwolf
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Zu viele Treibhausgas-Emissionen: Die UNO sucht einen Kompromiss. (Shahzaib Akber)

Zu viele Treibhausgas-Emissionen: Die UNO sucht einen Kompromiss. (Shahzaib Akber)

Warum macht es Sinn, CO2-Emissionen im Ausland zu sparen, statt im eigenen Land? An der am Wochenende zu Ende gegangenen Klimakonferenz in Katowice hat es genau in dieser umstrittenen Frage keine Einigung gegeben. Sie soll nächstes Jahr nochmals diskutiert werden.

«CO2 ist global, und aus wirtschaftlicher Sicht spricht nichts dagegen, dort einzusparen, wo es am günstigsten ist», sagt dazu der ETH-Klimatologe Reto Knutti. Ein Land kann also im Ausland ein Projekt finanzieren, um CO2 einzusparen. Allerdings darf diese Einsparung dann nicht beiden Ländern, also dem finanzierenden und dem profitierenden Land, angerechnet werden. Weil die Schweiz einen Teil ihrer Emissionen im Ausland reduzieren will, ist sie von dieser Nichteinigung betroffen.

Knutti sieht diesen Ablasshandel kritisch. Erstens müssen bis etwa 2050 sowieso alle Länder auf null Emissionen zurückschrauben. «Das heisst, die Auslandkompensation wird rasch teurer und bald gibt es sie nicht mehr.» Investitionen im eigenen Land lohnen sich sowieso mehr, weil das Geld für Klimamassnahmen im Land bleibt. Zudem ist es problematisch, wenn jene Länder mit dem meisten Geld, welche das Problem hauptsächlich verursacht haben, darauf bauen können, im eigenen Land nichts oder nur wenig zu machen. «Experten aus der Klimaforschung sowie Ökonomie argumentieren für eine substanzielle Emissionsreduktion im Inland», sagt Knutti.

Gleiche Regeln für alle

Andere Regeln wurden in Katowice ins Trockene gebracht. Zum Beispiel wie man die Treibhausgas-Emissionen überall gleich berechnet. Wie man Methan mit CO2 vergleicht. Entscheidend ist gemäss Knutti, dass sich die Länder erstens auf ziemlich klare und verbindliche Regeln geeinigt haben, zweitens diese mit wenigen Ausnahmen für alle gleich sind, drittens die Zahlen zu vorgegebenen Zeitpunkten erläutert werden müssen, viertens eine hohe Transparenz gefordert wird.

Oder einfach gesagt: In Paris hat man beschlossen, dass es Steuern braucht. In Katowice hat man zwar keinen einheitlichen Steuersatz festgelegt, aber wenigstens ein Regelwerk für die Steuererklärung erarbeitet.