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Die neue Scham

In ihrer Kolumne «Liebes Leben, wir müssen reden» schreibt Social-Media-Redaktorin Maria Brehmer über alles, was das Leben schöner macht – und manchmal auch schwieriger. Heute: Wie Fremdgehen gesellschaftlichen Trends unterliegt.
Maria Brehmer
«Mit jemandem weiterhin zusammensein, der mehrere Wochen heimlich eine andere Frau traf, kam nicht infrage. Never ever.» (Bild: Sandra Ardizzone)

«Mit jemandem weiterhin zusammensein, der mehrere Wochen heimlich eine andere Frau traf, kam nicht infrage. Never ever.» (Bild: Sandra Ardizzone)

Nein, mein Freund hat mich nicht betrogen. Ich schreibe heute übers Fremdgehen, weil ich a) früher mal betrogen wurde und auch schon betrogen habe, b) laut Statistik rund jede und jeder Zweite fremdgeht und c) Fremdgehen gesellschaftlichen Trends unterliegt, die ich interessant finde.

Der grösste Mistkerl aller Zeiten

Wer seine Frau oder seinen Mann betrügt, seine Freundin oder seinen Freund, der büsst ein gutes Stück seines guten Rufes ein – ungeachtet der Tatsache, ob die Beziehung bereits schwächelte oder bis dato gut lief. Wenn der Seitensprung auffliegt, ist das Drama perfekt: für die Betroffenen selbst, aber auch fürs nächste Umfeld, das sich bedingungslos mit den Betrogenen solidarisiert.

Ich erinnere mich noch gut, wie ich Mitte 20 von der Affäre meines damaligen Freundes erfuhr. Meine Clique reagierte erwartungsgemäss mit kollektiver Empörung, umkreiste mein heulendes Selbst mit einfühlsamen Worten, flaschenweise Prosecco und einer Schimpftirade auf den grössten Mistkerl aller Zeiten. Und obwohl ich nicht im Ansatz wusste, wie mit dieser misslichen Lage umgehen – schliesslich liebte ich ihn sehr –, war eines doch glasklar: Mit jemandem weiterhin zusammensein, der mehrere Wochen heimlich eine andere Frau traf, kam nicht infrage. Never ever.

Die Frau verlässt, wenn sie kann

Als ich als junge Frau betrogen wurde, stellte sich rasch ein «War ja zu erwarten»-Gefühl ein, das nicht zuletzt auf einem kulturellen Mythos beruht: Männer gelten noch immer als die leichter Verführbaren. Das, obschon zahlreiche Umfragen zeigen, dass nahezu ebenso viele Frauen wie Männer Seitensprünge begehen.

Meine Freundinnen und ich glaubten damals intuitiv zu wissen: Nach dem Betrug folgt die Trennung, so einfach (und so schwierig!) ist das. Ich beobachte das auch bei Paaren, die schon mehrere Jahre verheiratet sind: Fliegt auf, dass der Mann fremdging, wird erwartet, dass die Frau ihren Ehepartner verlässt. Weil sie es kann: Denn anders als noch vor 50 Jahren ist sie heute materiell und gesellschaftlich unabhängig. «Die neue Scham» nennt das die New Yorker Paartherapeutin Esther Perel.

Viele Möglichkeiten, mit Seitensprüngen umzugehen

Bleibt die Frau beim Mann (was manche tun), gilt sie als schwach und bedürftig. Auch ich dachte so. Wovon ich heute überzeugt bin: Fremdgehen muss nicht das Ende einer Beziehung bedeuten. In ihrem Buch «Die Macht der Affäre» schreibt Esther Perel, aufgeflogene oder gestandene aussereheliche Liebeleien und Seitensprünge können einer Beziehung gar helfen. Sie würden Paare dazu bewegen, Probleme zu identifizieren und sich weiterzuentwickeln. Alles hinzuwerfen, weil der eine untreu war, sei lediglich eine Möglichkeit, mit Betrug umzugehen.

Falls Sie nun wissen wollen, wie sich das anfühlte, als ich fremdging: Ich werde es Ihnen nicht verraten: a) weil mein damaliger Freund nie etwas davon erfuhr, und b) weil es völlig okay ist, Geheimnisse zu haben. Das sagt auch die Paartherapeutin.

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