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Reise nach Rumänien - zum Dracula-Schloss und zu Menschen, die von besseren Zeiten träumen

Ein Land, das unterschiedlicher nicht sein könnte. Verwunschene Schlösser und geheimnisvolle Dörfer locken jedes Jahr zwölf Millionen Touristen an. Doch wie leben die Rumäninnen und Rumänen? Ein Bericht aus einem Land zwischen Aufbruchsstimmung und Träumen.
Text und Bilder: Raphael Rohner
Das Dracula-Schloss in Bran lockt jedes Jahr Tausende Touristen an. Vor Ort ist von Grusel keine Spur.Das Dracula-Schloss in Bran lockt jedes Jahr Tausende Touristen an. Vor Ort ist von Grusel keine Spur.
Eine für Rumänien typische Strassenszene: Ein Pferdegespann zieht durch ein Dorf in Siebenbürgen.Eine für Rumänien typische Strassenszene: Ein Pferdegespann zieht durch ein Dorf in Siebenbürgen.
Bummeln vor Bauabschrankungen: In vielen rumänischen Kleinstädten entstehen derzeit moderne Häuser.Bummeln vor Bauabschrankungen: In vielen rumänischen Kleinstädten entstehen derzeit moderne Häuser.
Nur eine Seitengasse hinter dem modernen Bukarest verbergen sich Spuren vergangener Zeiten.Nur eine Seitengasse hinter dem modernen Bukarest verbergen sich Spuren vergangener Zeiten.
Ein Geistlicher sitzt mit seiner Frau am Sonntag auf einem Dorfplatz.Ein Geistlicher sitzt mit seiner Frau am Sonntag auf einem Dorfplatz.
Jugendliche verdienen sich mit Strassenkunst etwas dazu.Jugendliche verdienen sich mit Strassenkunst etwas dazu.
Vereinzelt brennen alte Rumänen selber Schnaps und bieten diesen an.Vereinzelt brennen alte Rumänen selber Schnaps und bieten diesen an.
Ein Student in Brașov hat sich verkleidet für ein historisches Festival.Ein Student in Brașov hat sich verkleidet für ein historisches Festival.
8 Bilder

Die Menschen lachen trotz Zahnlücken

Schon im Moment, wenn der Flieger in Bukarest aufsetzt, wird einem klar, dass Rumänien ein Abenteuer wird. Man fliegt über brache Landschaften und über Siedlungen, die schon aus der Luft etwas rostig und verblichen aussehen. Dafür wird man schon am Flughafen freundlich begrüsst: «Welcome to Romania», steht auf grossen Lettern an einer Türe. Doch ist Rumänien wirklich ein Geheimtipp für Naturliebhaber?

Beim ersten Kontakt mit der rumänischen Hauptstadt zeigt sie sich weltoffen und urban. Embleme internationaler Geschäfte prangen über modernsten Glasbetonbauten, während nur eine Seitenstrasse weiter kleine Häuser mit bröckelnder Fassade stehen. Die Kontraste der Hauptstadt wirken derb und teilweise etwas grotesk.

Wie eine wild zusammengeflickte Decke aus lauter kleinen Stoffstücken.

Viele Bewohner Transsilvaniens sprechen deutsch

Umso mehr beeindrucken Gegenden ausserhalb von Bukarest. Die Weiten erstrecken sich bis zum Horizont. Dann wieder folgen sanfte Hügel, gesprenkelt von wildem Gewächs. Mit dem Bus erreicht man jede kleinste Stadt, und meist kann man für einige Leu – die rumänische Währung – einen Fremdenführer dazu buchen: «Hiier in scheene Siibenbiirgen leeben noch heute, wie soll ich saagen, viele Deeutschee, vorallem Saaxen», so tönt der Reiseleiter aus den knisternden Lautsprechern eines Busses. Er selbst habe, wie viele Rumänen, schon in der Schule Deutsch gelernt und spricht es, wie grosse Teile der Bevölkerung Transsilvaniens, heute noch. Wie der Reiseführer im Bus, versuchen viele Einheimische, mit den Touristen ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie chauffieren ausländische Besucherinnen und Besucher teils auch in ihren eigenen Autos herum.

Verwunschene Orte voller Geschichten

In den ganz kleinen Dörfern auf dem Land allerdings sind Touristen nach wie vor etwas Aussergewöhnliches. Man beobachtet die fremden Menschen vom Pferdegespann oder vom Strassenrand aus eher skeptisch. Als Schweizer ist man hier eh «ein bunter Hund». Schon allein die Kleidung entlarvt einen als «reiche» Touristen. Ebenso die Sprache. Englisch ist hier fehl am Platz. Aber schon mit einigen Brocken Rumänisch zaubert man den Leuten ein spontanes Lächeln ins Gesicht. Es gibt hier viel zu entdecken: das Land strotzt nur so vor beeindruckender Landschaft, verlassenen Industriegebieten und verwunschenen Dörfern voller Geheimnisse und Geschichten, die man sich bei Bier und Wurst erzählen lassen kann.

Mit einigen Worten in der Landessprache gehen übrigens nicht nur die Herzen der Menschen auf, sondern ab und zu auch eine Türe zu einem Hinterhof oder die Flasche eines Selbstgebrannten.

Was dagegen etwas inszeniert wirkt, ist das Dracula-Schloss in Bran. Die Gemäuer des Schlosses wurden für Touristen hergerichtet und sind eher historisch interessant als gruselig.

Jugend ohne Zukunft

Die jungen Menschen in Rumänien sind zwiegespalten, was ihre Vorstellungen für ihre Zukunft angehen. Einerseits suchen sie ihr Glück im Ausland, studieren an Universitäten in anderen EU-Ländern und arbeiten schliesslich dort. Andererseits haben die meisten schnell Heimweh und wollen etwas in ihrem eigenen Land bewirken: «Wir müssen etwas unternehmen, um unser Land wieder attraktiver zu machen. Grosskonzerne nehmen uns finanziell einfach aus und schaffen keinen Mehrwert für uns», sagt ein Student in Brașov.

Andere Jugendliche haben ihre Zukunft bereits geplant: «Einfach weg von hier: Wir haben hier einfach keine Perspektiven. Vielleicht nach Deutschland oder in die Schweiz. Studieren und dann Geld verdienen», erzählt eine junge Frau und nimmt einen Schluck Bier.

Auf die Touristen wolle man offen und modern wirken. Die Menschen würden auch trotz Zahnlücken ein Lächeln zeigen. Oder wie es ein alter Bauer, der mit seiner letzten Kuh auf einer brach liegenden Wiese steht, sanft ausdrückt: «Wir müssen lernen, dass unsere Natur das Wertvollste ist und wir Freundschaften teilen müssen.»

Der Bericht entstand im Rahmen einer Pressereise, zu der ITS Coop Travel eingeladen hatte. www.itscoop.ch

Gut zu wissen

Anreise: Am bequemsten ist wohl der Flug ab Zürich, spannender jedoch die Reise per Zug oder mit dem Auto. Vor Ort werden diverse Bustouren durch das ganze Land angeboten.
Übernachten: Unzählige Hotels werben auf Plattformen. Gute Übernachtungsmöglichkeiten müssen nicht teuer sein. Preislich interessant: Ferienwohnungen.
Essen und Trinken: Die Küche ist deftig und gut: Typisch sind Eintöpfe mit Schafskäse, Lammfleisch, Mais, Joghurt und Knoblauch. Dazu trinkt man oft Wein mit Mineralwasser.
Tipps: Erzählen Sie, wie es bei Ihnen zu Hause ist: Fotos von Kühen an Schweizer Seen kommen sehr gut an. In der Landeswährung Leu zahlen: Die Bevölkerung nimmt zwar auch Euro, doch sie muss das Geld in Wechselstuben umtauschen.

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