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Glosse

Die Losung lautet: Gegenspionage!

Schäfli ungeschoren: Die Schweiz fühlt sich von Spionen bespitzelt. Dabei sind unsere intimsten Geheimnisse längst bekannt.
Roland Schäfli

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Eine Kamera aus Bern fotografierte den Mars. So weit sind wir mit der Videoüberwachung. Wenn wir einen ganzen Planeten bespitzeln können, dann haben wir wohl auch ein Objektiv, das stark genug ist, um Sozialschmarotzer abzufilmen. Gegen den Observationsartikel läuft jetzt die Abstimmungskampagne. Von den Befürwortern scharf beobachtet. Seit dieser Woche lautet die Losung unter Spitzeln: Gegenspionage! Werden wir von Russlands Spionen observiert, werden deren Diplomaten abserviert.

Eine zeigefreudige kleine Schweizer App hat diese Woche das Bankgeheimnis geknackt und Steuererklärungen für jeden sichtbar gemacht. Unsere Kundendaten wurden ja schon früher ausgeliefert. Von richtigen Spionen. Wie dem Datenklauer Hervé Falciani. Der wird uns nun im Gegenzug vom EU-Land Spanien nicht ausgeliefert. Kleiner Trost, ­ dass Hervé selbst ausspioniert wird. Seine Frau liest seine ­SMS. Natürlich wussten ­die wirklich grossen Datensammler ­der Schweiz – die Grossverteiler – noch vor Hervé, wer was verdient. Simpler Algorithmus, berechnet aufgrund der Einkäufe am Monatsende, wenn der Lohn aufs Konto kommt.

Der Nationalrat ist trotzdem gegen die Transparenzpflicht für Firmen; lehnte die Offen­legung der Löhne ab. Trotzdem ist offengelegt worden, wie viel der Konzernchef der Roche verdient: 12 Millionen Franken. 160 Mal so viel wie der Thurgauer Juso-Präsident. Beide sind da extrem transparent. Im Fall vom Roche-Chef besteht Verdacht auf Lohndumping, was die Unia noch untersuchen sollte. Bestimmt wird er ausgepresst wie ein Postauto-Chauffeur mit einem Arbeitsplan ohne Pinkelpausen. Aber der Nationalrat will ja ohnehin nicht, dass jemand die Hosen runterlässt.

Ausser, um die elektronische Fussfessel anzulegen. Zugestimmt wurde der Überwachung von Stalkern. Gäbe es eine Schnittmenge von Stalkern und Sozialschmarotzern, könnte man sich eine Observation sparen. Die Fessel sendet ein GPS-Signal. Genau solche Tracker sollen Sozialdetektive einsetzen dürfen. Warum also nicht Sozialversicherte gleich an die Fussfessel legen? Mit der Navi-Verfolgung wüsste man dann wie mit der Cumulus, wer morgens schon im Migrolino ist.

Datensammler schlafen nie. Legen nicht mal ein Nickerchen ein wie Schneider Ammann.

Beim Datenschutz übernehmen wir nun EU-Recht ebenso automatisch wie die nachgemachten Oktoberfeste. Und nach dem Bankgeheimnis fällt bald das Postgeheimnis. Wegen der Aufhebung der Poststellen müssen Pakete neu beim Detailhändler abgeholt werden. Wo über Lautsprecher ausgerufen wird: «Das Päckli von Herrn Müller jetzt griffbereit im Gang zwei. Datenpakete nach Spanien diese Woche in Aktion!»

Nun soll Regierungsrat Pierre Maudet auch noch die Telefone von Amtskollegen abgehört haben. Hätte er doch einen GPS-Tracker benutzt. Aber gegen dumme Fehler ist er nun nicht mehr immun. Zum Ende dieser Woche voller Datenverluste konnte der Bundesrat alle beruhigen, die sich vor Versicherungsdetektiven mit Trackern fürchten. Um observieren zu dürfen, wird man erst selbst beschnüffelt. Dazu müssen die Detektive ihre Daten offenlegen. Ihre Namen sollen sogar über Lautsprecher ausgerufen werden. So viel Offenheit muss sein.

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