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Die Letzten ihrer Art

Ein Drittel der Schweizer Flora ist gefährdet. Botanische Gärten erhalten die vom Aussterben bedrohten Pflanzen nicht nur, sondern wildern sie auch wieder aus. So wie zum Beispiel den gefährdeten Violetten Würger.
Bruno Knellwolf
Rarität aus dem Botanischen Garten: der Rundblättrige Sonnentau. (Bild: Urs Bucher)

Rarität aus dem Botanischen Garten: der Rundblättrige Sonnentau. (Bild: Urs Bucher)

Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Noah, der auf trockenem Grund eine Arche baute? In der Vorahnung, dass es mit den Menschen, Tieren und Pflanzen bald ein schlechtes Ende nehmen würde, wenn die Flut käme. Nicht in der Bibel, aber schwarz auf weiss steht heute geschrieben, dass knapp ein Drittel der Schweizer Flora gefährdet ist. Davon sind 111 Arten vom Aussterben bedroht. 55 Arten gelten als ausgestorben oder verschollen. Eine Arche Noah der Pflanzenwelt sind weltweit die Botanischen Gärten. Die zwanzig Botanischen Gärten in der Schweiz starten morgen die «Botanica» mit über 70 Veranstaltungen zum Thema «Die Letzten ihrer Art, Erhaltung gefährdeter Wildpflanzen in Botanischen Gärten» bis zum 15. Juli.

Eigentlich weist die Schweiz mitten im Herzen Europas eine reiche biologische Vielfalt auf. 235 verschiedene Lebensraumtypen werden unterschieden, die unter anderem 88 Farne und rund 2500 einheimische Blütenpflanzen beherbergen. In den letzten 100 Jahren hat die Biodiversität aber massive Verluste erlitten, wie Peter Enz schreibt, Leiter des Botanischen Gartens in Zürich. Naturnahe Flächen sind stark zurückgegangen. Die Bestände vieler Pflanzenarten sind auf ein so tiefes Niveau gesunken, dass deren langfristiges Überleben nicht gesichert ist. Die Roten Listen, auf welchen genau dokumentiert wird, welche Art gefährdet ist, werden immer länger. «Es ist nicht ganz so dramatisch wie bei den Insekten, aber doch auch deutlich», sagt Hanspeter Schumacher, Leiter des Botanischen Gartens in St. Gallen. «Die intensive Landwirtschaft, das Ausräumen der Landschaft, das Fehlen von Hecken und naturnahen Kleinstrukturen, die Verdichtung der Siedlung führen zum Artenschwund. Früher waren zum Beispiel Bahnhofareale mit ihren Kiesflächen von hoher Artenvielfalt, heute sind sie meist Entwicklungsgebiet von Siedlungen.»

"Früher waren Bahnhofareale mit ihren Kiesflächen von hoher Artenvielfalt"

Um das Aussterben bedrohter Pflanzen zu verhindern, müsste somit in erster Linie der Lebensraum geschützt werden. «Da gibt es immer viele Konflikte. Die Natur zieht meist den Kürzeren», sagt Schumacher. Umso wichtiger ist die Rolle, die den Botanischen Gärten zukommt. «Weltweit dienen diese der Erhaltung der Pflanzenwelt, wie auch der Erholung. Sie fördern botanische Kenntnisse, womit eine bessere Verbundenheit mit der Natur entsteht», sagt Schumacher.

Ganz konkret gefördert wird der Artenschutz durch den internationalen Austausch von Samen bedrohter Pflanzen und deren Erhaltung im Botanischen Garten selbst – also ausserhalb des natürlichen Lebensraums. Das wird Ex-Situ-Erhaltung genannt, die das Ziel hat, die fast ausgestorbene Pflanze später wieder in der natürlichen Umgebung auszuwildern. So wie man es mit Stein­böcken und Bartgeiern gemacht hat.

Ort für gefährdete Überlebenskünstler

Hanspeter Schumacher zählt einige Arten auf, die in der Schweiz ausgewildert werden. In Zürich der Violette Würger oder in Basel der Rötliche Mauerpfeffer. Alle Botanischen Gärten beherbergen gefährdete Überlebenskünstler, die widrigen Umständen trotzen. In seinem Garten zum Beispiel der Rundblättrige Sonnentau. Eine Pflanze aus den seltenen Hochmooren wie Rothenthurm und eine, die vom Boden nur ­wenig Nahrung erhält. Deshalb lockt sie Insekten an, die sie verschling und verdaut und so erhält, was der Boden nicht hergibt. Solche Schätze kultivieren Botanische Gärten.

Die Botanischen Gärten übernehmen zudem eine Auf­gabe, welche die Universitäten mehr und mehr vernachlässigen: die Pflanzenkunde. Früher habe zum Beispiel die ETH Zürich viel für die Feldbotanik gemacht, heute sei das eher an Fachhochschulen abgewandert. Universitäten müssten bei Lehre und Forschung sparen und konzentrierten sich deshalb auf moderne Gebiete. Für Genetik sei leichter Geld aufzutreiben als für Fragestellungen der Systematik und Morphologie, sagt Schumacher. In seinem Botanischen Garten sind Kurse zur Artenbestimmung dafür immer gefragter. Gebildet und ausgebildet werden Erwachsene, Schüler und Kinder wie auch Fachkräfte aus der Botanik. Und auch die Forschung gehört zum Aufgabenbereich moderner Botanischer Gärten.

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