Die Immunisierung hält lange: Frohe Botschaft für die Impfstoff-Entwickler

Studien deuten darauf hin, dass Impfstoffe auch über längere Zeit Immunität verschaffen. Derweil wollen die Pharmafirmen Biontech und Pfizer mit einer Notfallverordnung in den USA ihren Impfstoff ausliefern.

Bruno Knellwolf
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Die Immunität nach einer Covid-19-Erkrankung hält lange und damit auch nach einer Impfung.

Die Immunität nach einer Covid-19-Erkrankung hält lange und damit auch nach einer Impfung.

Getty Images

Die Dauer der Immunität nach einer Coronavirus-Infektion ist entscheidend für den zukünftigen Erfolg einer Covid-19-Impfung. Lange Zeit wurde eine andauernde Immunität in Frage gestellt. Nun mehren sich aber die Erkenntnisse, dass die Immunität lange anhält. Nach einer umfassenden, noch nicht wissenschaftlich publizierten Studie der renommierten US-Institute La Jolla Instituts of Immunology und der Mount Sinai Klinik sogar über Jahre oder Jahrzehnte.

Antikörperspiegel sinken

Bereits vor drei Wochen hatte eine im Wissenschaftsjournal «Science» veröffentlichte Untersuchung mit 30000 Covid-19-Patienten gezeigt, dass robuste, neutralisierende Antikörper gegen Sars-CoV-2-Infektionen über mindestens fünf Monate bestehen bleiben. Diese neutralisierenden Antikörper führen zu einer sterilisierenden Immunisierung. Das bedeutet, dass eine Zweitinfektion verhindert wird und die Person auch nicht ansteckend wird. Dabei zeigte sich wie in anderen Studien auch, dass die Antikörperspiegel mit der Zeit sinken. Doch Antikörper sind nur ein Teil der Immunabwehr gegen ein Virus.

Antikörper und Gedächtniszellen über Monate

So ist es für die Impfstoffentwickler eine frohe Botschaft, dass die neue US-Studie mit 185 Corona-Patienten im Alter zwischen 19 und 81 nicht nur Antikörper, sondern acht Monate nach der Infektion auch viele B-Gedächtniszellen, sogenannte Memory-Zellen, nachgewiesen hat. Diese bilden die stille Reserve der Körperabwehr. «Das ist ein allgemein bekanntes biologisches Phänomen. Dass das bei Covid-19 auch so ist, ist nicht weiter verwunderlich», sagt dazu Pietro Vernazza, Chefarzt an der Klinik für Infektiologie am Kantonsspital St.Gallen.

Memory-Zellen helfen langfristig gegen Viren

«Bei vielen Infektionen, wie auch Grippe und Coronaviren, baut das Immunsystem eine Erinnerung auf. Diese Memory-Zellen führen bei einer Re-Infektion rascher zu einer Antwort.» Zwar sind Antikörper im Blut erforderlich, um das Virus zu blockieren und einer zweiten Infektion vorzubeugen, doch Immunzellen, die sich häufiger an das Virus erinnern, sind für die langfristige Verhinderung schwerer Krankheiten verantwortlich.

So kann die Immunantwort sowohl zellulär als auch durch Antikörper erfolgen. «Dabei kann die Antikörper-Antwort weniger aktiv sein oder auch abfallen. Das heisst nicht, dass sich das Immunsystem nicht wehren kann. In der Regel verläuft eine Zweitinfektion deutlich milder. Die bei Covid-19 beobachteten schweren Fälle treten im hohen Alter bei immungeschwächten Menschen auf.» Bei diesen Personen ist das zelluläre Immunsystem allgemein abgebaut und sie werden dadurch anfällig gegenüber Virusinfektionen. «Das ist der Grund, weshalb betagte Menschen häufiger in den Wintermonaten sterben», sagt Vernazza.

Sars-Überlebende tragen nach 17 Jahren noch Immunzellen in sich

Die US-Forscher gehen aufgrund ihrer Studie davon aus, dass dank der Immunzellen eine jahrelange Immunität bestehen könnte. Hoffnung macht den amerikanischen Studienautoren zudem, dass Überlebende der Sars-Infektion, die ebenfalls durch ein Coronavirus verursacht wurde, noch 17 Jahre später Immunzellen in sich trugen. Der Basler Biomediziner Manuel Battegay vom Leitungsteam der Covid-19-Task Force ist, was die Beurteilung der Studie betrifft, vorsichtig. Ob die Corona-Impfung eine sterilisierende Wirkung habe oder nicht, könne aus den bisherigen Studienresultaten nicht beantwortet werden. Dazu müssten die finalen Resultate abgewartet werden.

Bemerkenswert ist zudem, dass die Forscher des La Jolla-Instituts bei ganz wenigen Patienten erkannten, dass deren Immunschutz nicht lange angehalten hat – vielleicht weil sie einer grösseren Virenlast ausgesetzt waren. Auf die Impfwirkung habe das aber keinen Einfluss, weil der Wirkstoff die individuelle Variabilität überdecke und stärker wirke als die körpereigene Immunantwort, schreiben die Forscher. Generell gilt nach Vernazza, dass die Impfung den normalen, biologischen Abbau der Immunabwehr mit zunehmendem Alter nicht verhindern kann. Vernazza sagt:

«Daher wird eine Grippeimpfung mit zunehmendem Alter unwirksam. Das wird auch bei der Covid-19 Impfung nicht anders sein.»

Die Pharmafirmen Biontech und Pfizer erklären, dass nach ihren eigenen Analysen ihr Wirkstoff über alle Generationen gleich wirke und einen 95-prozentigen Schutz biete. Als erste haben die Firmen nun gestern eine Notfallzulassung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragt. Das könnte bedeuten, dass deren Impfstoff bereits Ende dieses Jahres geliefert werden könnte.