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Die härteste TV-Show der Welt

Bei «Ninja Warrior Switzerland» müssen Sportler schier unbezwingbare Hindernisse überwinden. Ihr Scheitern ist vorprogrammiert, sie werden trotzdem wie Helden gefeiert und lösen einen Fitnessboom aus.
Katja Fischer De Santi
Schneller, höher, weiter: Bei «Ninja Warrior Switzerland» wird den Kandidaten einiges abverlangt, am Schluss gewinnt immer der Parkour. (Bild: TV24)

Schneller, höher, weiter: Bei «Ninja Warrior Switzerland» wird den Kandidaten einiges abverlangt, am Schluss gewinnt immer der Parkour. (Bild: TV24)

Er sieht aus wie ein schmalbrüstiger Tarzan, mit seinem Stirnband und den Fellfetzen an Armen und über der Brust. Dario Wäfler aus Frutigen will ein Krieger werden. Dafür muss der 26-Jährige den Fünfsprung meistern, sich an einer Liane übers Wasser schwingen, sich am Steckbrett mit viel Griffkraft weiterhangeln, in ein Netz springen, die Himmelsleiter erklimmen, und am Schluss die viereinhalb Meter ­hohen Steilwand zum Buzzer hochklettern. Zusammen mit 160 Männern (und einigen chancenlosen Frauen) versucht Dario Wäfler morgen Abend auf dem Sender TV24 der erste «Ninja Warrior Switzerland» zu werden.

Die Betonung liegt auf «versuchen». Denn der Parkour, den es für diesen Titel zu bezwingen gilt, ist unmenschlich hart. Reihenweise knallen die Athleten ins Wasser, rutschen aus, verlieren Kraft, Halt und ihre Hoffnung. Eine zweite Chance gibt es nicht. Wer das Wasser berührt, ist draussen.

Der Parkour quält, zermürbt

Kämpften im alten Rom Gladiatoren in der Arena gegen wilde Tiere, kämpfen im Hallenstadion Zürich Muskelmänner und Fitnessfrauen gegen den inneren Schweinehund und die Übersäuerung. Der Parkour quält, zermürbt, bringt jeden ans Limit, und das Publikum ist begeistert ob so viel archaischer Kraftanstrengung. Drei Millionen Zuschauer sahen sich den Final der ersten deutschen «Ninja»-Staffel auf RTL an. In Amerika läuft aktuell bereits die 10. Staffel.

Die Athleten werden immer besser, die Hindernisse krasser. Aber um das Preisgeld von 100000 Franken geht es gar nicht. Den Teilnehmern geht es ums eigene Ego, darum, länger durchzubeissen, oder wie es ein Teilnehmer beim Casting sagte: «Den Bären in mir zu wecken».

Den Zuschauern geht es darum, 160 Sportler scheitern zu sehen.

Denn bis zum letzten Hindernis, dem Mount Midoryama, schafft es praktisch niemand. In den 30 Jahren, in denen die Show schon in Japan gezeigt wird, gelang es gerade mal sieben Teilnehmern, dieses 20 Meter lange Seil zu bezwingen. «Ninja War­rior» ist Fernsehdarwinismus vom Feinsten, wie es fast alle grossen TV-Shows von «Dschungelcamp» bis «The Biggest Looser» praktizieren. Heidi Klum lässt seit Jahren ihre Möchtegernmodels in Challenges aufeinanderhetzen und Hochhäuser hinunterklettern, auf dass ihnen die Mimik fotogen entgleist. Am Schluss bleibt das schönste und tapferste Mädchen übrig.

«Ninja Warriors» ist «Topmodel» für Fitnessfreaks. Hier werden gestählte Körper dem grossen Publikum präsentiert. Doch nur wer Kraft mit Biss, Geschicklichkeit und Körperbeherrschung kombiniert, hat eine Chance.

Zwei Minuten TV-Ruhm

Der Lohn für all den Schweiss sind zwei Minuten TV-Ruhm, oder eher zwei Sekunden. Oft genug nehmen die Kandidaten hoffnungsvoll Anlauf, um bereits im nächsten Moment am ersten Hindernis zu zerschellen.

Die TV-Show passt perfekt in unsere selbstoptimierte Zeit. Alles ist nur eine Frage des Willens und jeder seines Glücks Schmid. Für einen Ninja-Krieger ist kein Hindernis zu hoch und kein Gegner zu stark. Sie sind leuchtende Beispiele für alle Couch-Potatos vor den Flachbildschirmen.

Die zweifache Mutter will sich beweisen

Etwa die zweifache Mutter aus dem Aargau. Nach zwei Schwangerschaften hatte sie 30 Kilo Übergewicht. In der Sendung präsentiert sie stolz ihren Sixpack und ihre Willenskraft. Oder der 30-jährige Zürcher Softwareentwickler, der bis vor wenigen Jahren nur via Joystick über Hindernisse sprang. In der Sendung ist er sein eigener «Super Mario».

In Chur eröffnete ein Ninja-Trainingshalle

Es wundert nicht, dass die «Ninja»-Sendungen einen wahren Fitnessboom ausgelöst haben. In Parks an einfachen Stangen, auf Vita-Parcours oder in speziell eingerichteten Hallen trainieren die künftigen Krieger ihre Skills. Erst diesen Sommer eröffnete etwa in Chur ein «Ninja Warrior»-Parcours mit Hindernissen wie in den weltweiten TV-Shows. «Das Ninja-Training beinhaltet komplexe Bewegungsabläufe, die immer mehrere Muskelgruppen gleichzeitig beanspruchen, es ist die Königsdisziplin des funktionellen Trainings», sagt Dana Blagojevic, Geschäftsführerin des dazugehörigen Fitnessstudios «Bodies» in Chur. Zudem seien die Bewegungsabläufe natürlicher als an den herkömmlichen Kraftmaschinen.

Sich wie ein Tarzan durch die Luft zu schwingen, zu klettern und zu balancieren wie grosse Kinder auf einem grossen Spielplatz, mache einfach Spass, der Funfaktor sei extrem hoch, sagt die Fitnessexpertin.

Auf Youtube gibt es einen Film, wie Benni Grams, einer der besten «Ninja Warriors» Deutschlands, in nur zweieinhalb Minuten durch den Parkour flitzt. Wie eine Mischung aus Mensch und Affe scheint er sich praktisch mühelos und gegen jegliche Prinzipien der Schwerkraft fortzubewegen. Auffällig ist, dass die besten «Ninja» eher hagere Typen sind. «Klassische Bodybuilder haben bei diesen Parkour keine Chance», sagt die Fitnesstrainerin. Kletterer, Free Runner und Geräteturner würden hingegen gute Voraussetzungen mitbringen. Auch das Alter der Kandidaten erstaunt. Viele sind über 30 Jahre alt, und viele ganz junge Athleten scheitern schon nach wenigen Sekunden an ihrem eigenen Übereifer.

Als Zuschauer ist man dauernd hin- und hergerissen zwischen Hochachtung gegenüber diesen «Supermenschen» und Häme, wenn auch ihre Kraft nachlässt, wenn sie neben das Seil greifen und danach wie begossene Pudel aus dem Wasserbecken klettern. Es steht schon im Alten Testament des Fernsehens, dass Schadenfreude immer funktioniert.

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