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Die Eidgenossen sind noch heute präsent im Schloss Sargans

Verkehrspolitisch bedeutsam, erst Herrschaftssitz der Grafen von Montfort, dann Verwaltungszentrum der Landvögte: Das Schloss Sargans ist geprägt von einer wechselhaften Geschichte. Ein Ausbruch war schwierig, doch Harnikel, ein berüchtigter Räuber des 18. Jahrhunderts schaffte es – später wurde er aber eingefangen und schliesslich in Deutschland gehängt.
Tim Frei
Das Schloss Sargans mit dem imposanten Bergfried ist das Wahrzeichen des gleichnamigen Städtchens. (Bilder: Tim Frei)

Das Schloss Sargans mit dem imposanten Bergfried ist das Wahrzeichen des gleichnamigen Städtchens. (Bilder: Tim Frei)

Ob vom Walensee oder vom Rheintal herkommend: Wer Richtung Graubünden unterwegs ist, erblickt früher oder später das Schloss Sargans, Wahrzeichen des gleichnamigen Städtchens. Viele Reisende fragen sich bei der Durchfahrt, wer im Mittelalter das Schloss mit dem imposanten Bergfried bewohnte und welche Bedeutung die Festung hatte.

Seit 1899 im Besitz de Ortsgemeinde

Erste Schlossherren waren ab dem 12. Jahrhundert die Grafen von Montfort, deren grosses Herrschaftsgebiet sich vom Bodensee bis ins nördliche Graubünden erstreckte. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts verkauften die Grafen die Festung an die Eidgenossen, die das Schloss bis 1798 als Landvogteisitz nutzten.

1803 wurde der neu gegründete Kanton St. Gallen Eigentümer, der es 1834 an Graf Georg von Toggenburg verkaufte. Dieser kümmerte sich aber nicht wirklich um das Schloss, sodass es kurz vor dem Zerfall war. Vor diesem gerettet wurde es 1899 von der nächsten und heutigen Besitzerin, der Ortsgemeinde Sargans – mit einer gross angelegten und über mehrere Etappen dauernden Restaurierung.

Doppeltor zu den Alpen

Das Schloss hatte insbesondere verkehrspolitisch lange Zeit eine bedeutende Rolle. Das Städtchen Sargans, das die Grafen um 1250, rund 100 Jahre nach dem Bau des Bergfried-Fundaments, gründeten, gilt aufgrund seiner Lage als «Doppeltor zu den Alpen». An ihm führten mit der Seez und dem Rhein zwei wichtige Handelsrouten auf Wasser vorbei.

Wer früher von Zürich kommend via Walensee oder vom Deutschen Reich via Bodensee in die Alpen wollte, musste früher oder später durch Sargans. Dies änderte sich erst 1858 mit dem Aufkommen der Eisenbahn. Weil der Verkehr zuvor immer durch das Städtchen ging, hatte dies auch eine wirtschaftliche Bedeutung. Mathias Bugg, Historiker und Direktor des Museums Sarganserland, das sich seit 1983 im Bergfried des Schlosses Sargans befindet, sagt:

«Die Schlossherren kontrollierten von oben den Verkehr und trieben Zoll ein, was eine wichtige Einnahmequelle war.»

Bergfried war das erste Element

Besucht man das Schloss, wird schnell klar: Es wurde nicht in einem Guss gebaut, sondern in mehreren Etappen. Es wurde unterschiedliches Baumaterial verwendet. Der Bergfried, der als erstes Element erstellt und mehrmals ausgebaut wurde, besteht zu einem Grossteil aus Tuffstein. Dieser wurde aus einem 200 Meter entfernten Steinbruch gewonnen.

Die Ringmauer aus Kalkstein diente als Schutzmauer gegen Norden und bildete mit der Stadtmauer eine Einheit. An den Wänden sind auch heute noch verputzte Flächen zu erkennen.

«Die Eidgenossen kamen nicht als Befreier oder Demokraten»

Unter den Grafen von Montfort gab es neben dem Turm einst ein herrschaftliches Gebäude, den Palas. Doch ein Erdbeben im Jahr 1459 zerstörte ihn. Schon bald begann als Ersatz der Aufbau des sogenannten Hinterschlosses. Der Palas wurde zwischen 1506 und 1510 von den Eidgenossen als Landvogteisitz wieder errichtet – mit dem Landgerichtssaal im zweiten Obergeschoss.

Die Landvögte wurden alle zwei Jahre abgelöst, um keine der verbündeten Staaten oder in ihnen dominierende Familien zu bevorteilen. «Die Eidgenossen kamen nicht als Befreier oder Demokraten, wie dies viele meinen», sagt Bugg. «Sie haben wie die Grafen über die Bürger von Sargans geherrscht.»

Urteile gefällt und Todesstrafen verfügt

Im Landgerichtssaal wurden Urteile gefällt – etwa über Diebstähle, Verleumdung und Mord. Die Landvögte konnten gar Todesstrafen verfügen. Die Präsenz der Landvögte beziehungsweise der Eidgenossen ist noch heute zu sehen. Ausserhalb des Palas prangen die Wappen der Sieben Alten Orte der Eidgenossenschaft. Sie sollten den Bürgern von Sargans Eindruck machen.

An den Wänden des Landgerichtssaals prangen die Wappen aller 181 Landvögte, die einst im Schloss Sargans herrschten.

An den Wänden des Landgerichtssaals prangen die Wappen aller 181 Landvögte, die einst im Schloss Sargans herrschten.

Im Schlossinneren sind die Wappen der Eidgenossen und jene der 181 Landvögte, die hier einmal das Sagen hatten, an den Wänden zu sehen. Immer ging es darum, zu zeigen, wer der Herr im Haus ist. Schon beim Eingang erwarten den Besucher einige solche Wappen.

Der Ausbruch des Räubers Harnikel

Der Gerichtssaal ist eindrücklich: An den Wänden prangen die Wappen aller Landvögte, mit der Angabe ihres Namens und der Zeit, zu der sie im Schloss geherrscht haben. Waffen beim Saaleingang und ein Kreuzigungsgemälde sollten Furcht einflössend wirken.

Gefangen gehalten wurden die Angeklagten im untersten Geschoss des Turms, dem Verliess. Verhört wurden sie in einem kleinen Raum, dem Hundstall. Ein Ausbruch war schwierig, doch einer ist überliefert. Harnikel, ein berüchtigter Räuber des 18. Jahrhunderts schaffte es, seine Ketten zu lösen und zu fliehen. Später wurde er aber wieder eingefangen und 1787 in Sulz am Neckar (heute Deutschland) hingerichtet.

– Das Museum Sarganserland ist vom 1. April bis 31. Oktober täglich geöffnet (12–13, 13.30–17.30). Weitere Infos: www.mueseumsargans.ch
– Literatur: Faszination Burgen und Schlösser. 2005.

Zeittafel

1150  Das Fundament des Bergfrieds entsteht unter den Grafen von Montfort-Werdenberg-Sargans.
1200  Hugo I. von Montfort lässt den Bergfried erhöhen und die Ringmauer erbauen.
1250  Hartmann I. begründet die Sarganser Linie des Hauses Montfort (Werdenberg). Nach einem Brand wird der Bergfried wiederhergestellt und der östliche Palas gebaut.
1460  Die Grafen Georg und Wilhelm erbauen das Hinterschloss und richten unterhalb des Turms die Grafenstube ein.
1483  Graf Georg verkauft die Burg Sargans an die Sieben Alten Orte der Eidgenossenschaft.
1506–1510  Der Palas wird umgebaut und vergrössert. Fortan dient er als Sitz der Landvögte.
1803  Burg Sargans wird Eigentum des neuen Schweizer Kantons St. Gallen.
1899  Die Ortsgemeinde Sargans kauft die Burg und führt eine gross angelegte Sanierung durch.
1983  Im Bergfried wird das Museum Sarganserland eröffnet.

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