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Der Koch, die Pfarrerin und die Musikerin: Sie arbeiten an Weihnachten, damit andere geniessen können

Der Koch muss vordenken, damit das Festmenu für die Gäste gediegen daherkommt. Die Pfarrerin ist an Weihnachten doppelt gefordert und die Musikerin beschenkt das Publikum zur Mitternachtsmesse mit Musik: Drei Menschen, die an Weihnachten für andere da sind.
Laura Widmer
«Gäste wünschen sich an Feiertagen Exklusives», sagt August Minikus vom Restaurant Mammertsberg. (Bild: Benjamin Manser)

«Gäste wünschen sich an Feiertagen Exklusives», sagt August Minikus vom Restaurant Mammertsberg. (Bild: Benjamin Manser)

Der Koch

Das Restaurant Mammertsberg ist zurückhaltend dekoriert. Silberne Sterne stehen auf weissen Tischdecken, abends erhellt warmes Kerzenlicht den Raum. Statt Schnickschnack dominiert eine eiserne Wendeltreppe den ­imposanten Raum mit Blick auf den ­Bodensee. In der Lounge im ersten ­ Stock stehen neben Ledersesseln zwei Weihnachtsbäumchen. «Übermässige Dekoration passt nicht zu einem Sterne-­Restaurant», sagt August Minikus, ­Gastgeber und Koch im Restaurant Mammertsberg in Freidorf, «wir achten eher auf die Details auf dem Teller.»

Seit 2011 ist August Minikus mit ­ 17 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet, 2015 kam ein Michelin-Stern hinzu. Er zieht in der Küche alle Register, um festliche Gerichte zu zaubern. Gerichte wie Fondue Chinoise kommen beim Sternekoch im Restaurant allerdings nicht auf den Tisch. «Ich verstehe aber, dass das für zu Hause gut passt», sagt er. Mit ­feinen Saucen und Beilagen lasse sich daraus viel machen. «Nicht jeder möchte an Weihnachten stundenlang in der Küche stehen.»

Der Weihnachtstag gehört der Familie

Im «Mammertsberg» wird im Advent mit Aromen experimentiert, die sonst selten auf der Karte stehen. Lebkuchengewürze, Krustentiere, Kaviar – Gäste wünschen sich Exklusives. «Man kann mit solchen Zutaten wahnsinnig kreativ umgehen», schwärmt Minikus. Auf dem Silvestermenü steht dann beispielsweise: «Jakobsmuscheln, Imperial Kaviar, Radicchio, Pinienkerne, Brombeer».

Essen ist für den Koch etwas vom Wichtigsten für die festliche Jahreszeit: «Es tut Herz und Seele gut, wenn man ein köstliches Gericht geniessen kann», sagt er. Viele Restaurants haben an den Weihnachtstagen geöffnet. Eine natürliche Entwicklung, findet Minikus, auch wenn das vor zwanzig oder dreissig Jahren noch anders gewesen sei. Früher sei Heiligabend ein stiller Tag gewesen, heute lasse man sich gern auswärts verwöhnen und kehre dann nach Hause zurück, um Geschenke auszupacken.

Gekocht wird in der Familie gemeinsam

Das Restaurant Mammertsberg ist am 24. und 25. Dezember geschlossen – nicht wegen mangelnder Nachfrage, wie Minikus betont. «Hätten wir offen, wäre es voll.» Stattdessen möchte er seinen ­ 13 Mitarbeitern ermöglichen, die Zeit mit der Familie zu verbringen. Als junger Koch habe er sich immer gefreut, wenn er an den Feiertagen frei hatte. Minikus feiert im kleinen Kreis, mit seiner Frau und Tochter und einigen Freunden. ­Gekocht wird gemeinsam, «etwas Traditionelles, wie Gans oder Braten».

Aktuell hat er genug im Restaurant zu tun. Bis Ende Jahr ist im Mammertsberg volles Haus, der grosse Abend ist am 31. Dezember. Den Übertritt ins neue Jahr wollen Gäste gediegen feiern. Ein Siebengänger mit Champagner zum ­Anstossen, Feuerwerk und Käsebuffet um Mitternacht kosten 298 Franken. ­Angestossen werde dann gemeinsam mit Gästen und Mitarbeitern. Trotzdem sagt August Minikus: «Wir können Feiertage nicht richtig geniessen.» Exakte Arbeit ist in der Küche alles, und der Druck, für jeden Gast ein perfektes Gericht auf den Teller zu zaubern, sei enorm. «Da spielt es keine Rolle, ob es ein Feiertag, ein Fest oder ein gewöhnlicher Tag ist.» Laura Widmer

Die Pfarrerin - Der Floh im Ohr des Christkindes

Pfarrerin Kathrin Bolt: «Weihnachten soll eine beschauliche Zeit sein.» (Bild: Urs Bucher)

Pfarrerin Kathrin Bolt: «Weihnachten soll eine beschauliche Zeit sein.» (Bild: Urs Bucher)

Es ist beschaulich still in der reformierten Kirche St.Gallen Bruggen. Den quadratischen, hellen Kirchenraum beherrscht die grosse Krippe, in den Fensternischen lehnen die Heiligen Drei Könige. Kathrin Bolt hat ihr Büro gleich nebenan, im Alten Pfarrhaus. In einem 50-Prozent-Pensum betreut die Pfarrerin die Erwachsenen in der Kirchgemeinde Straubenzell, zu Hause hat sie zwei kleine Kinder. Sie ist also vor Weihnachten doppelt gefordert.

«Das Kind in der Krippe bildet den totalen Kontrast»

Trotzdem hinterlässt Kathrin Bolt einen entspannten Eindruck. Im Privaten hält sie die Ansprüche an sich selber bewusst tief. «Weihnachten soll eine beschauliche Zeit sein», sagt sie. Auch in der Gemeinde. Sie bereitet die Gottesdienste vor und nimmt in ihnen über Lieder und Geschichten die Weihnachtsbotschaft auf. Diese Geschichte haben Kinder und Jugendliche auch im Weihnachtsmusical erzählt.

In früheren Jahren hat sie den Zugang auch über einzelne Protagonisten gesucht und die Weihnachtsgeschichte über Josef, über Maria oder auch ein Hirtenkind erzählt. Diesmal handelt ihre Predigt im Weihnachtsgottesdienst von einem Floh im Ohr des Christkindes, der es zum Lächeln bringt. Die Weihnachtsgeschichte stehe in ihrer Einfachheit «vor allem gegen unsere Macht- und Stolz-Gesellschaft», sagt Kathrin Bolt.

«Das Kind in der Krippe bildet den totalen Kontrast gegen einen Donald Trump und andere Herrscher in unserer Zeit.» Es sind aber noch andere Gegensätze, die sich auftun. Da sind die vielen Menschen beim Einkaufen; man sieht jene Hektik, die auch das Ladenpersonal zu spüren bekommt. «Unsere Mesmerin, die in einem Grossverteiler arbeitet, hat mir erzählt, dass sie den Advent als Horrorzeit erlebt – und ganz bewusst alle Geschenke schon vor dem Dezember einkauft», erzählt Kathrin Bolt. Sie selber macht es anders: Beim Hilfswerk der evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) gibt es die Möglichkeit, mit einer Spende andere zu beschenken – also etwa einer Kleinbäuerin eine Geiss zu kaufen oder armen Menschen in Simbabwe, die das Heks zu Imkern ausbildet, einen Bienenstock. «Sollte ich irgendwo ein Geschenk mitbringen, dann nehme ich einfach eine solche Geschenkkarte mit.»

«Die Sehnsucht nach Stille und Unerreichbarkeit»

So entflieht Kathrin Bolt selber der Hektik dieser Wochen und kommt jener Sehnsucht entgegen, die sie bei den Menschen spürt. «Es ist die Sehnsucht nach Stille und nach Unerreichbarkeit –für mich ein ganz wichtiges Thema.» Die Krippe, sagt sie, «steht auch fürs Jetzt-ganz-da-Sein». Das wird sie auch an Weihnachten vermitteln in einer Kirche, die voller sein wird als unter dem Jahr. Und obwohl sie das nachlassende Interesse an der Kirche durchaus registriert, empfindet sie ihren Beruf als schön und erfüllend. «Als Pfarrerin bekomme ich viel Anerkennung, und ich bin immer im Kontakt mit Menschen.» Rolf App

Die Musikerin - Nahrung für die Seele

Dreimal in der Kathedrale St.Gallen: Cellistin Bettina Messerschmidt. (Bild: pd)

Dreimal in der Kathedrale St.Gallen: Cellistin Bettina Messerschmidt. (Bild: pd)

Bereits seit zehn Jahren verbringt die in Basel lebende Cellistin Bettina Messerschmidt Heiligabend in der Kathedrale St.Gallen und beschenkt als Musikerin des Collegium Musicum der Dommusik das Publikum zur Mitternachtsmesse mit Musik. In den gottesdienstlichen Ritus eingebunden und mit vielen Menschen verbunden zu sein, da werde Musikmachen zur gelebten Weihnachtsidee. Neben einem kleinen Unterrichtspensum arbeitet die Musikerin vor allem als freischaffende Cellistin. Ein Auftritt an Heiligabend und dann zwei am ersten Weihnachtsfeiertag, sowohl mit einem barocken wie auch mit einem modernen Violoncello, bedeuten also auch eine Verdienstmöglichkeit. «Hätte ich Kinder, würde ich an Weihnachten nicht spielen», sagt Bettina Messerschmidt, die in Basel am ersten Weihnachtsfeiertag erst nach 22 Uhr mit ihrem Lebenspartner mit dem privaten Weihnachten beginnen kann.

«Der Auftritt in der Kathedrale hat fast etwas Familiäres»

Das Gefühl an Weihnachten etwas geben zu können, beflügelt die aus dem deutschen Halle stammende Musikerin, die in St.Gallen in verschiedenen Ensembles immer wieder engagiert wird. «Auch ich komme wie viele andere erschöpft an Weihnachten an, aber mit einem guten Gefühl.» Die Auftritte im St.Galler Dom hätten fast etwas Familiäres. Die Musikerinnen und Musiker kennen sich; mit einer Freundin wohnt Bettina Messerschmidt im gleichen Hotel.

Mit Musik bekomme die Seele Nahrung, ist sie überzeugt. Musik an Weihnachten, das sei für die Menschen, von denen die meisten heute ja über Zeitnot klagten, ein Ruhepol, ein Gegenpol auch zur ständig schneller sich drehenden virtuellen Welt.

Musik in der Kathedrale zu hören, könne auch bedeuten, wieder einmal Zeit zu haben, sich auf etwas einzulassen, so etwas wie ungeteilte Aufmerksamkeit zu erleben. «Weihnachtsgottesdienste mit Musik, da sind wir nah am Weihnachtsgedanken dran», sagt die Cellistin, und doch empfindet sie diese Art Weihnachten zu feiern auch als Luxus. «Es ist auch ein Stück weit eine heile Wohlfühlwelt, die wir uns an Weihnachten in unseren Breiten wünschen und ermöglichen. Für ganz viele Menschen weltweit ist Weihnachten aber sehr weit entfernt von diesem Aspekt.» Martin Preisser

Hinweis 24.12., 23 Uhr; 25.12., 11 und 18 Uhr, Kathedrale, St.Gallen


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