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Klimawandel: Die Bäume fliehen in die Berge

Der Klimawandel ist im Pflanzenreich deutlich sichtbar. Während einige Pflanzen profitieren und aus dem Süden in die Schweiz wandern, verschwinden andere oder ziehen sich in die Berge zurück.
Bruno Knellwolf
Die Rotbuchen (Fagus sylvatica) werden im Mittelland verschwinden, wenn der Klimawandel nicht gestoppt wird (Bild: KEY)

Die Rotbuchen (Fagus sylvatica) werden im Mittelland verschwinden, wenn der Klimawandel nicht gestoppt wird (Bild: KEY)

Pflanzen und Tiere mussten schon immer mit Klimaveränderungen zurecht kommen. Vor 65 Millionen Jahren herrschten in der Schweiz tropische Verhältnisse, vor 2,4 Millionen Jahren war Eiszeit und noch vor 20000 Jahren bedeckten riesige Eismassen das Mittelland. Die Gletscher zogen sich erst vor 12000 Jahren in die Alpen zurück und ermöglichten Flora und Fauna die Schweiz zu erobern.

Nun ist es in der Schweiz seit Beginn der periodischen Messungen im Jahr 1864 um zwei Grad Celsius wärmer geworden, was einer doppelten Temperaturerhöhung zum weltweiten Mittel entspricht. Die Hauptursache für die rasante Erwärmung in den letzten vier Jahrzehnten sind Treibhausgase, die durch menschliche Aktivitäten in die Atmosphäre gelangen. Die Folgen sind von Klimatologen schon oft zitiert worden: Die Wetterextreme nehmen zu, die Sommer werden trockener, die Hitzesommer häufiger, auch wenn es aktuell in diesem Jahr noch nicht danach aussieht.

Diese Klimaveränderungen gehen nicht spurlos an Pflanzen und Bäumen vorbei. Das aufzeigen wird die Botanica 2019, die am Samstag in den zwanzig Botanischen Gärten der Schweiz beginnt. Während eines Monats machen die Botanischen Gärten an über 70 Veranstaltungen auf die Auswirkungen des Klimawandels aufmerksam. «Der Fokus liegt dabei auf den Bäumen», sagt Hanspeter Schumacher, welcher den Botanischen Garten in St. Gallen leitet.

Es gibt Gewinner und Verlierer

Von Pflanzen ist also nicht zum ersten Mal Anpassung an die veränderten Klimaverhältnisse gefragt und das in besonderem Tempo. Dabei gibt es Gewinner und Verlierer.

«Gewinner sind die Pflanzen und Bäume aus dem Alpen-Südfuss»

, sagt der Botaniker. Ein Beispiel dafür ist der Zürgelbaum, die Hopfenbuche oder auch die Linde. «Das sind wärmeliebende Gehölze.» So wie auch die Eiche, vor allem die Flaumeiche oder Zerreiche. Gewinner sind insbesondere auch die Exoten und die «Randständigen» zur Schweiz. Pflanzen, die ihre Hauptverbreitung im Mittelmeergebiet haben, werden mit den höheren Temperaturen weiter in die Schweiz vordringen – auch ungeliebte invasive gebietsfremde Arten, Neophyten. «Und es gibt bei uns extrem seltene Arten, die in Zukunft nicht mehr so rar sein werden», sagt Schumacher. Der Botaniker erwähnt den Purpurstorchschnabel, der bis 1990 als sehr seltene Art galt. Heute findet man dieses Kraut auf jedem Bahnhofsgelände. Eine mediterrane Art, die Wärme liebt und der die Trockenheit wenig anhaben kann, weshalb sie den Gleisen nach auf Kies und Schotter eingewandert ist.

Buche ist ein Verlierer

Ob und wie Pflanzen auf den Klimawandel reagieren ist unterschiedlich. «Verlierer» unter den Baumarten wachsen langsamer oder sterben gar ab.

«Zu den Verlierern des Klimawandels gehört die Buche, welche in der Schweiz einen Hauptharst an Bäumen stellt»

, sagt Schumacher. Das zeigte sich auch 2018, als wir ein mediterranes Jahr mit einer langen Trockenphase erlebten. Buchen sind aber im mediterranen Klima wenig zu Hause und dann nur in hohen Lagen. Dementsprechend werden die Rot-Buchen in Zukunft im Mittelland nicht mehr anzutreffen sein, sondern in die Berge ausweichen, wie eine Modellberechnung der Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) zeigt (siehe Grafik). Steige die durchschnittliche Temperatur im Mittelland von 8 auf 12 Grad, werden statt Rot-Buchen eher Eichen vorkommen, erklärt Niklaus Zimmermann vom WSL im Garten- und Pflanzenführer der Botanica.

Die Fichte verschwindet aus tieferen Lagen

Auch auf die Fichte hat der Klimawandel ihren Einfluss. «Die Fichte ist ein Gebirgsbaum, der mit dem Klima wandel nach oben steigt und die Waldgrenze bildet. Diese Waldgrenze hat sich deutlich nach oben bewegt», sagt Schumacher. Sie liegt heute noch bei etwa 1600 bis 1700 Meter über Meer mit Tendenz nach oben. Verlierer seien generell die Alpen- und Hochmoorpflanzen. «Doch das sind alles langsame Prozesse», sagt Schumacher. Das bestätigt auch ETH-Professor Zimmermann. Eigentlich wandere die Waldgrenze viel langsamer nach oben als man das aufgrund der Klimaveränderung prognostizieren würde. Rein basierend auf der jetzigen Erwärmung von rund 2 Grad wäre eine Waldgrenzenverschiebung von 400 Höhenmetern zu erwarten. So stark sei sie aber nicht angestiegen.

Rückgang nach Hitzesommern

Pflanzen und Bäume reagierten nicht unmittelbar auf die Temperaturerhöhung. Bäume können nicht wandern, sondern bewegen sich nur über die Samenausbreitung fort. Aber nach Zimmermann könnten neue Klimaextreme auftreten, welche diese 2 Grad deutlich überstiegen. Und letztlich seien es Extremereignisse, die zu schnelleren Veränderungen führten, erklärt Zimmermann. Das habe sich nach den Hitzesommern 2003 und 2018 gezeigt mit einem deutlichen Rückgang der Rot-Buche.

Der Klimawandel macht sich somit deutlich sichtbar. Nicht nur das Verbreitungsgebiet vieler Pflanzenarten verändert sich. Auch die Vegetationsperiode hat sich seit den 1960er-Jahren um zwei bis vier Wochen verlängert.

Hinweis Botanica, 15.6. - 14.7., über 70 Veranstaltungen in 20 Botanischen Gärten der Schweiz

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