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Die alte Kunst des Schuheputzens ist zurück – ein Experte verrät Tipps und Tricks

Wer seine Schuhe nicht selber putzen will, kann sich in Zürich, Bern oder Genf vor den Profi setzen. Ein gutes Gespräch gibt es inklusive.
Sabine Kuster (Text) und Grafiken (Selina Buess)
Regelmässige Schuhpflege ist für einen überzeugenden Auftritt unerlässlich.

Regelmässige Schuhpflege ist für einen überzeugenden Auftritt unerlässlich.

Die Saison der Stoffschuhe ist vorbei. Wenn sich auf dem Weg Pfützen ausbreiten und sich das nasse Laub an die Sohlen klebt, sollte man die Lederschuhe aus dem Keller holen. Doch strassentauglich sind sie noch nicht.

«Die Schweizer putzen ihre Schuhe zweimal pro Jahr – oder nie»

, vermutet der Berner Claudio Bühlmann. Der ehemalige Unterneh- mensberater arbeitet seit vier Jahren als Schuhputzer im Kursaal in Bern und ist bereits berühmt dafür, dass er das alte Handwerk zu seinem Hauptberuf gemacht hat – in eleganter Kleidung und mit adrett geschnittenem Bart, versteht sich. Die Leute, die sich zu ihm auf den Stuhl setzen, wollen nicht nur glänzende Schuhe – viele geniessen die Putzaktion als Moment der Entspannung.

Bühlmann führt seine Bürsten und den Lappen flink. «Aus dem Handgelenk», wie er sagt. «Mit den Cremes bin ich sehr sparsam. Weni- ger ist mehr.» Sonst müsse man sie am Ende nur ausbürsten. Er trägt sie mit einem Lappen aus alten Unterhemden auf, damit sich das Wachs unter seinen Händen aufwärmt.

So geht professionelles Schuheputzen

1. Schnürsenkel entfernen.1. Schnürsenkel entfernen.
2. Leicht verschmutzte Schuhe: Trocknen, abbürsten und / oder mit einem feuchten Lappen reinigen.Stark verschmutzte Wanderschuhe: Unter lauwarmem Wasser abbürsten.2. Leicht verschmutzte Schuhe: Trocknen, abbürsten und / oder mit einem feuchten Lappen reinigen.
Stark verschmutzte Wanderschuhe: Unter lauwarmem Wasser abbürsten.
3. Trocknen lassen.3. Trocknen lassen.
4. Wanderschuhe: In noch leicht feuchtem Zustand mit dem Imprägnierspray behandeln, da dann die Poren im Leder noch weit geöffnet sind.4. Wanderschuhe: In noch leicht feuchtem Zustand mit dem Imprägnierspray behandeln, da dann die Poren im Leder noch weit geöffnet sind.
5. Die Seiten der Sohlen putzen und mit Wachscreme polieren. Spezielle Sohlenrandfarbe wird nicht empfohlen, da die Gefahr gross ist, aus Versehen auch das Leder zu verfärben.5. Die Seiten der Sohlen putzen und mit Wachscreme polieren. Spezielle Sohlenrandfarbe wird nicht empfohlen, da die Gefahr gross ist, aus Versehen auch das Leder zu verfärben.
6. Pflegecreme oder Wachscreme mit einem Tuch oder einer Stiel-Bürste dünn auftragen. Zu viel Creme verstopft die Poren im Leder. Die Reaktion (Verfärbung) kann zuerst an der Zunge des Schuhs getestet werden.6. Pflegecreme oder Wachscreme mit einem Tuch oder einer Stiel-Bürste dünn auftragen. Zu viel Creme verstopft die Poren im Leder. Die Reaktion (Verfärbung) kann zuerst an der Zunge des Schuhs getestet werden.
7. Ein bis zwei Stunden an einem trockenen, aber nicht zu heissen Ort austrocknen lassen.7. Ein bis zwei Stunden an einem trockenen, aber nicht zu heissen Ort austrocknen lassen.
8. Glänzen mit einer weichen Bürste oder einem Stofflappen. Durch Reibungswärme schmilzt das Wachs und beginnt zu glänzen. Perfektionisten polieren den Schuh danach noch mit einem Nylonstrumpf und kreisförmigen Bewegungen.8. Glänzen mit einer weichen Bürste oder einem Stofflappen. Durch Reibungswärme schmilzt das Wachs und beginnt zu glänzen. Perfektionisten polieren den Schuh danach noch mit einem Nylonstrumpf und kreisförmigen Bewegungen.
9. Wanderschuhe nachimprägnieren.9. Wanderschuhe nachimprägnieren.
9 Bilder

Schuhe Galerie 12.10.19 SaW 3. Bund

Pro paar Schuhe braucht Bühlmann 15 bis 20 Minuten. Doch er erinnert sich an eine Schuhputzsession von einer Dreiviertelstunde. «Da hat einer viel aus seinem Leben erzählt», sagt er. Und ein zufriedener Kunde sei ihm viel wert. Verleidet ist ihm diese Arbeit auch nach vier Jahren noch nicht. Er hat das Schuhputzen als Event entdeckt und lässt sich von Firmen für spezielle Anlässe buchen.

Vom Schuhputzer zum Erfolg

James Brown, der spätere «Godfather of Soul» tanzte und sang 1993 in den Strassen von Geogia und putzte die Schuhe der Passanten.

Der brasilianische Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva arbeitete als 12-Jähriger als Schuhputzer, um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern.

Der Walliser Cesar Ritz arbeitete in einem Pariser Hotel zuerst als Schuhputzer, bevor er zum Begründer der Hotelkette Ritz wurde.

Bühlmann ist nicht der einzige Schuhputzer in der Schweiz: Luis Luna Lesama arbeitet seit zwei Jahren in Genf in der Passage des Lions. Er stammt aus Mexiko und wuchs in der Schweiz auf. Doch als Kind kehrte die Familie nach Mexiko zurück. Als er als 18-Jähriger wieder nach Genf kam, fehlte das Geld für eine Ausbildung. Mit Hilfe des Schuhladens Brogue et Seror gelang ihm schliesslich der Start als Schuhputzer.

So viel kostet Schuheputzen im Vergleich

Putzdienste und ganze Verwandlungen von Schuhen bietet in Genf zudem der aussergewöhnliche Laden Shoespatina an der Rue Micheli-Du-Chrest 2 an. Am Flughafen Zürich findet man Ercan Korhan «Mr. Shoe Shine». Er arbeitet seit 1997 im Airside Center gleich nach der Sicherheitskontrolle. Korhan wurde damals bei Bally arbeitslos, und das Schuh- unternehmen unterstützte ihn bei der Firmengründung.

Schuhcreme oder Wachscreme?

Schuhcreme nährt das Leder. Es muss gepflegt werden, damit es nicht brüchig wird.
Schuhwachs bringt das Leder zum Glänzen und schützt es vor Nässe.

Unterschied zwischen Strassenschuhen und Wanderschuhen?

Strassenschuhe sollten zuerst eingecremt und an der Ferse gewachst werden. Denn das Leder im Knick der Zehen macht Rümpfe, was den Wachs weiss erscheinen lässt, nachdem er getrocknet ist.

Bei Wanderschuhen hingegen sollte man nur Wachscreme verwenden, da fettende Cremen den Schuh zu weich, also instabil machen. Zudem verschliessen Fette mit der Zeit die Poren, wodurch der Schuh die Atmungsaktivität verliert (Gummistiefeleffekt).

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