Der zweite Goldrausch

Die Finanzkrise hat die globale Wirtschaft fest im Griff. Während alles den Bach runtergeht, findet Markus Zinniker Gold in ebendiesem.

Johannes Wey
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Markus Zinniker zeigt nicht nur Bankern, wo Gold zu finden ist.

Markus Zinniker zeigt nicht nur Bankern, wo Gold zu finden ist.

Der Mann trägt Gummistiefel und warme Kleider. In der Linken hält er eine Goldwasch-Pfanne, in der rechten eine Schaufel und eine eigentümliche Metallschiene. Er steigt hinunter zum Bach. Markus Zinniker ist Goldwäscher. Und sein Hobby übt er nicht etwa in Alaska oder Afrika aus, sondern hier, in der Ostschweiz.

800 Goldsucher pro Jahr

«Ich weiss nicht, ob das etwas mit der Krise zu tun hat», sagt der Winterthurer, «aber seit etwa einem Jahr ist hier ein regelrechter Goldrausch ausgebrochen.» An praktisch jedem Tag könne man in der Gegend einen Goldsucher finden. Sogar aus Deutschland würden sie anreisen. Für Zinniker ist die neu erwachsene Konkurrenz jedoch kein Ärgernis, denn passend zu seinem Hobby verkauft er Goldwäscher-Ausrüstungen und bietet Kurse für Kinder und Erwachsene an. Die Kurse führt er unter anderem auch in den Kantonen St. Gallen und Graubünden durch. So bringt er nach eigener Schätzung über 800 Personen im Jahr die Grundlagen des Goldsuchens bei.

Know-how für Banker

Dabei hatte er auch schon Manager aus dem Kader einer Grossbank. Diese seien fasziniert davon gewesen, dass man Gold einfach so aus dem Bach holen könne. «Vielleicht können sie ja jetzt das Wissen aus meinem Kurs gebrauchen», sagt Zinniker mit einem Schmunzeln.

Gier nach Gold

Ende der 1980er-Jahre habe ihn bei der Arbeit ein Kollege gefragt, ob er Lust auf einen Ausflug ins Napfgebiet habe. Man wolle Gold suchen gehen, und er könne doch für den Abend seine Gitarre mitnehmen. «Ich habe gesagt, ich komme mit und spiele Gitarre, aber ich buddle sicher nicht im Dreck», erinnert sich der 44jährige. «Derjenige, der dann auch im Dunkeln noch suchte, war ich.»

Das Gold habe ihn sofort in seinen Bann gezogen: Die Farbe, der Glanz, das Gewicht, all das mache es so einzigartig. Wenn er im Bach stehe, spüre er eine Gier nach Gold. «Vermutlich ist die Gier beim Goldwaschen dieselbe wie an der Börse. Nur kannst du beim Goldwaschen nicht so viel verlieren.» Markus Zinniker arbeitet bei der Post, vom Goldsuchen kann er nicht leben. Wenn er Glück habe, könne er sich damit aber ab und zu die Ferien finanzieren.

Liebhaberpreise

An einem guten Tag findet Zinniker zwischen zwei und drei Gramm Gold. Obwohl der Goldpreis knapp 30 Franken pro Gramm beträgt, kann Zinniker je nach Käufer bis zu 300 Franken pro Gramm verlangen. «Das ist Liebhaberei. Wenn einer einen Ehering aus Winterthurer Gold will, dann bezahlt er dafür auch den höheren Preis.» Dieser sei durch den Arbeitsaufwand auch gerechtfertigt. In der Goldach ist das Edelmetall häufiger – deshalb kostet es auch nur rund die Hälfte. Der Goldpreis ist momentan ohnehin besser als im Jahr 2000, als die Nationalbank erste Goldreserven auflöste. «Man stelle sich vor, sie könnte das Gold jetzt verkaufen – aber da hat wieder einmal die Geduld gefehlt.»

www.goldwaschen.ch/goldfinger-zinni