Renovieren
Der Wintergarten – Gratisheizung oder Energieschleuder?

Gläserne Anbauten sind keine neue Erfindung. Waren die Glashäuser früher unbeheizt, so sind sie heute oft zu vollwertigen Wohnräumen ausgebaut, mit allen Vor- und Nachteilen.

Markus Kocher
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Anbauten an Gebäude sollen durch die möglichst grossen, nach Süden ausgerichteten Glasflächen (Dach und Wände) den Glashauseffekt, den man von Treibhäusern her kennt, ausnutzen. In aller Regel reicht die durch passive Sonnenenergienutzung gewonnene Wärme aus, um geeignete Pflanzen zu überwintern. Gleichzeitig dient der unbeheizte Wintergarten als Pufferzone, aus dem bereits vorgewärmte Luft ins Gebäude gelangen kann. Die Wärmeabgabe durch die Aussenwände wird vermindert. Diese Form des Wintergartens ist energetisch am sinnvollsten, da keine zusätzliche Heizenergie verbraucht wird.

Eine deutlich negativere Energiebilanz haben beheizte Wintergärten, die praktisch das ganze Jahr hindurch genutzt werden können. Die aus Holz, Stahl, Kunststoff (nur für kleinere Objekte) oder Aluminiumprofilen erstellten Wintergärten mit hochwertigen Isolierverglasungen sind allerdings deutlich teurer als ein vergleichbarer Anbau mit harter Bedachung und grosszügigen Glasflächen. Eine herkömmliche Bedachung schützt vor zu viel Sonne im Sommer und dem Wärmeverlust durch die winterliche Nachtkälte, da über die Glasflächen im Dach sehr viel Wärme verloren geht.

Im Vergleich zum herkömmlichen Wohnraum liegen die Heizkosten eines beheizten Wintergartens pro m2 etwa 3- bis 4-mal höher. Gut zu wissen: Überkopfverglasungen dürfen nur mit Sicherheitsgläsern ausgeführt werden, z. B. VSG – Verbundsicherheitsglas. Die sommerliche Hitze muss durch geeignete Beschattungsmassnahmen draussen gehalten werden, da der solare Wärmegewinn den Anbau sonst auf unerträgliche Temperaturen aufheizt. Unter Umständen muss sogar eine zusätzliche automatische Lüftung eingeplant werden. Im Winter kann feuchte Luft an den Scheiben kondensieren und zu Problemen in der Konstruktion führen.

Wärmetechnische Unterscheidung von Wintergärten

- Kalter Wintergarten: Der Glasanbau wird nicht beheizt oder frostfrei gehalten. Trotzdem können hier nicht winterharte Pflanzen in aller Regel überwintern. Von der energetischen Seite her praktisch keine Anforderung an die Verglasung. Es kann ein Einfachglas für eine Sitzplatzverglasung oder eine Balkonverglasung eingesetzt werden.

- Mittelwarmer Wintergarten: Hier wird der Raum während der Heizperiode mässig auf 12–19 Grad Celsius geheizt. Dadurch kann er zeitweilig auch als erweiterter Wohnraum genutzt werden; besonders wenn die Wintersonne den Glasanbau aufheizt. Die Anforderungen an eine entsprechende Wärmeschutzverglasungen sind gering.

- Warmer Wintergarten: Für eine ganzjährige Nutzung muss der Anbau in der kalten Jahreszeit auf 19–21 Grad Celsius aufgeheizt werden. Dies bedeutet einen höheren Energieverbrauch und hohe Anforderungen an die Isolierglasscheiben von Dach und Wänden sowie an die Wärmedämmung der Bodenplatte. Auch der sommerliche Wärmeschutz (Beschattung, Lüftung usw.) stellt hohe Anforderungen, wenn der Wintergarten ganzjährig benutzt werden soll.