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Der Waldmeister ist eine eigensinnige Zier-, Nutz- und Herzenspflanze

In die Maibowle gehört für viele Waldmeister. Doch die Pflanze kann weit mehr.
Nicole Häfliger
Ob in der Maibowle, im Tee oder in der Kräuterbutter: Der Waldmeister verhilft auch zu Gaumenfreuden. (Bild: Getty)

Ob in der Maibowle, im Tee oder in der Kräuterbutter: Der Waldmeister verhilft auch zu Gaumenfreuden. (Bild: Getty)

Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr an den Grund erinnern, warum ich den Waldmeister so unbedingt in meinem Garten wollte. Er jedenfalls war anderer Meinung, ganz offensichtlich. Erst beim dritten Pflanzversuch liess er sich erweichen und tat mir den Gefallen anzuwurzeln. Vorerst jedenfalls. Ein Frühjahr später war er zu meinem Erstaunen fast gänzlich verschwunden. Dies, obwohl ich alles richtig gemacht und ihn ins halbschattig-feuchte Hochbeet mit nährstoffreicher, humoser Erde gepflanzt hatte. In der normalen Natur bevorzugt er das auch tatsächlich, am häufigsten begegnet man diesem einheimischen Kraut zu lichten Füssen von Buchen und anderer Laubbäume. Meiner aber sah das anders und hatte sein Schicksal, wie ich später amüsiert feststellte, selbst in die Hand genommen. In Form eines versamten Hörstleins war er einige Meter weiter an einen schlechteren Standort gehüpft, um sich ein weiteres Jahr später ins sonnige Gemüsebeet zu versamen. Seitdem gedeiht er zuverlässig und machte auch keine Anstalten mehr, irgendwo anders leben zu wollen.

Warum ich ihn ursprünglich haben wollte, weiss ich nicht mehr. Dafür aber, warum ich ihn nicht mehr hergeben möchte. Als Zierpflanze sieht Galium odoratum, wie der Waldmeister botanisch heisst, einfach hinreissend aus! Die geringe Höhe, die kleinen weissen Blüten und seine quirlartig angeordneten Blättchen verleihen ihm filigrane Leichtigkeit. Doch man lasse sich nicht täuschen, er ist zäh und weiss sich durchzusetzen. Mittels Rhizomen, also unterirdisch wachsenden Sprossachsen, breitet er sich zu einem dichten Teppich aus und kann zarte Pflänzchen in Bedrängnis bringen. Unter Sträuchern aber und neben robusten Nachbarn ist er ein dankbarer Bodendecker. Sollte er doch mal überhandnehmen und es nötig machen, dass man ihn ausdünnt, packt man ihn büschelweise beim Schopf und reisst ihn raus.

Von April bis Mai, während der Blüte also, bietet sich das ganz besonders an, denn dann ist Erntezeit. Ja, der Waldmeister ist auch eine Nutzpflanze, die man – ausser den Wurzeln – mit Stumpf und Stiel verwerten kann. Am bekanntesten ist er wohl als aromatisierende Hauptzutat in der Maibowle. Ich selber mag ihn lieber als Tee, wofür ich ihn büschelweise trockne. Er wirkt beruhigend und krampflösend und ist – zusammen mit Rosenblüten und Minzigem – eine Gaumenfreude. Dies ist auch unsere hausgemachte Waldmeister-Kräuterbutter, von der bis jetzt noch jeder begeistert war. Das Rezept ist einfach: Nebst dem gehackten Kraut werden Knoblauch, Salz, etwas Zitronensaft und je nach Geschmack weitere Gewürze mit Butter vermengt. Portionenweise wickelt man die Mischung in Alu- oder Klarsichtfolie ein, lässt sie einen halben Tag bei Zimmertemperatur ziehen und legt sie dann ins Gefrierfach. Bevor das Erntegut verwendet wird, muss es aber erst ruhen. Das geschmacksgebende Cumarin, dieser herrlich vanillige Heugeruch, entsteht nur, wenn das Kraut gute zwei, drei Stunden welkt. Eben dieses Cumarin hat aber auch eine dunkle Seite. Übertreibt man es mit dem waldmeisterlichen Genuss, führt das früher oder später zu recht üblem Kopfweh. Mit ein Grund, warum ich die Maibowle lieber meide.

Ob als Zier- oder Nutzpflanze, der Waldmeister setzt seinen Kopf durch. Genau deswegen habe ich ihn auch ins Herz geschlossen. Es sind die eigensinnigen Charakterpflanzen, die uns auf unaufdringlich charmante Weise zeigen, dass wir die Natur nur zu beherrschen meinen.

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