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Der Traum vom eigenen Staat: Superreiche planen in der Südsee künstliche Krypto-Inseln mit eigenen Gesetzen

Unternehmer aus dem Silicon Valley träumen von einer Welt ohne Staaten. Sie wollen in der Südsee schwimmende Inseln errichten, die eine eigene Kryptowährung besitzen. Doch schon so mancher Utopist ging mit seiner Vision baden.
Adrian Lobe
Das «Floating Island Project» soll Platz für 300 Häuser bieten. Das Besondere an dieser Offshore-Insel ist, dass sie eine eigene Kryptowährung besitzt und keiner nationalen Gesetzgebung unterworfen ist. (Bild: Sylvi Mauersberger)

Das «Floating Island Project» soll Platz für 300 Häuser bieten. Das Besondere an dieser Offshore-Insel ist, dass sie eine eigene Kryptowährung besitzt und keiner nationalen Gesetzgebung unterworfen ist. (Bild: Sylvi Mauersberger)

Türkisblaues Meer, schneeweisse Sandstrände, bunte Atolle – die Südsee beflügelt nicht nur die Fantasie von Touristen, sondern auch von Silicon-Valley-Visionären. In Französisch-Polynesien, einem französischen Übersee­gebiet im Südpazifik, wollen Investoren in den nächsten Jahren einen unabhängigen Inselstaat gründen.

Vor der Küste Tahitis, der grössten Insel von Französisch-Polynesien, soll in einem vorgelagerten Riff eine schwimmende Struktur entstehen, auf der Villen, Hotels und Restaurants errichtet werden. Das «Floating Island Project» soll Platz für 300 Häuser bieten. Das Besondere an dieser Offshore-Insel ist, dass sie eine eigene Kryptowährung besitzt und keiner nationalen Gesetzgebung unterworfen ist. 2017 hatte die Verwaltung von Französisch-Polynesien, das weitgehende Autonomierechte geniesst, einen Vertrag mit dem Seasteading Institute unterzeichnet.

Ex-Google-Ingenieur spannt mit Multimilliardär zusammen

Die Denkfabrik, die 2008 vom ehemaligen Google-Ingenieur Patri Friedman und Paypal-Gründer Peter Thiel gegründet wurde, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Errichtung extraterritorialer Plattformen in internationalen Gewässern auszuloten. Die Kosten für das 60 Millionen Dollar teure Projekt soll zu grossen Teilen Multimilliardär Thiel tragen. Für die Realisierung der Inselplattform wurde ein in Singapur ansässiges Start-up namens Bluefrontiers gegründet. Die als Sonderwirtschaftszone deklarierte Plattform soll jedoch nur der Anfang sein. Die «Seasteads», wie die einzelnen Siedlungen genannt werden, sollen als flexible Module wie Lego-Steine an andere Plattformen andocken und einen Staat mit eigener Rechtsprechung bilden. «Die langfristige Vision ist, autonome Mikro-Nationen zu haben», sagte Nathalie Mezza-Garcia, die für das «Floating Island Project» verantwortlich zeichnet.

"Neue Ideen des Regierens testen"

Seasteading-Sprecher Joe Quirk umriss schon vor ein paar Jahren sein libertäres Staatsverständnis: «Wir denken nicht, dass 193 Staaten die Breite von Ideen, die sieben Milliarden kreative Leute produziert haben, repräsentieren. Wir sind der Meinung, dass wir einen Start-up-Sektor für Regierungen brauchen, eine Art Silicon Valley der Meere, wo Ideen des Regierens im 21. Jahrhundert getestet werden können.» Seasteading soll als ein Markt für Staatenlösungen fungieren.

Regierungen können gekündigt werden, die Änderung der Staatsbürgerschaft soll so einfach wie der Stromanbieterwechsel werden. Mazza-Garcia sagt:

"Wenn man nicht unter einer bestimmten Regierung leben will, nehmen die Leute einfach ihr Haus und schippern zu einer anderen Insel."

„Flüssige Demokratie“ im Wortsinn: eine Abstimmung mit schwimmenden Häusern. Die Plattformen sollen als eine Art Soziallabor für die Erprobung alternativer Gesellschaftsformen dienen.

Die Idee, ein modernes Utopia im Meer zu errichten, ist nicht neu. Der englische Humanist Thomas Morus formulierte bereits 1516 in seiner Schrift «Utopia» die Utopie einer egalitären, gewaltfreien Gesellschaft, die sich auf einer Insel organisieren solle. Auch der englische Philosoph und Staatsmann Francis Bacon träumte in seinem Werk „Neu-Atlantis“ von einem Idealstaat als Offshore-Paradies.

Sogar ein Präsident wurde ernannt - aber der Traum währte nur kurz

Doch so mancher Utopist ging mit seiner Vision baden. Der US-Immobilienmogul Michael Oliver wollte in den 1970er Jahren auf den unbewohnten Minerva-Riffen zwischen Tonga und den Fidschi-Inseln einen unabhängigen Staat gründen – ein Steuerparadies in der Südsee. Der Unternehmer liess kähneweise Sand aus Australien ankarren, um die Riffe aufzuschütten und eine künstliche Insel zu errichten. 1972 wurde die Republik Minerva proklamiert, eine Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet und symbolisch eine Flagge gehisst – eine gelbe Fackel auf blauem Grund. Sogar ein provisorischer Präsident wurde ernannt. Doch der Traum von der Unabhängigkeit währte nur kurz. Der König von Tonga, der das Gebiet für sich reklamierte, marschierte mit seinen Truppen auf dem Atoll ein und setzte den Bauarbeiten ein jähes Ende. Infolge des steigenden Meeresspiegels hat sich der Pazifik das Land zurückgeholt. Gegen Naturgesetze kommt selbst die grösste Utopie nicht an.

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