Der Schrecken der Blattlaus

Blattläuse vermehren sich rasant. Ganz zur Freude der vielen räuberischen Insektenfresser. Besonders effizient verzehrt werden die Läuse von der Blattlauswespe.

Siegfried Keller
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Blattläuse sind Hochleistungs­tiere, sowohl was die Vermehrung anbelangt als auch in Bezug auf die Produktion der süssen Ausscheidungen, des Honigtaus. Da sie zudem auf fast allen Pflanzen vorkommen, sind sie eine verlässliche Nahrungsquelle für eine riesige Anzahl von räuberischen Insekten, von Spinnen und anderen Insektenfressern. Hunderte von Insektenarten haben deshalb ihre Ernährung vollständig auf den Verzehr von Blattläusen ausgerichtet. Dazu gehören rund 400 Arten von parasitischen Wespen. Ihrer Lebensweise entsprechend werden sie als Blattlauswespen bezeichnet.

Orientierung nach Duftstoffen

Sie sind 2 bis 5 Millimeter lang, schlank, schwarz oder düster gefärbt. Eine Wespenart bevorzugt für die Nachwuchsentwicklung bestimmte Blattlausarten mit ähnlicher Lebensweise. Auf der Suche nach Blattläusen orientieren sie sich nach Duftstoffen, die einerseits von den Wirtspflanzen der Blattläuse abgegeben werden, andererseits aber auch von den Blattläusen selbst stammen.

Eine Blattlauswespe vertilgt ein Blattlaus.

Eine Blattlauswespe vertilgt ein Blattlaus.

Ist eine geeignete Blattlaus gefunden, streckt das Weibchen den Hinterleib zwischen den Beinen unter Bauch, Brust und Kopf hindurch, schiebt sich vorsichtig an die Blattlaus heran, um blitzschnell den Eilegebohrer in den Körper der Blattlaus zu stechen und dort ein Ei abzulegen. Der ganze Eiablagevorgang dauert Sekundenbruchteile bis einige wenige Sekunden. Aus dem Wespen-Ei schlüpft nach etwa zwei Tagen die Larve. Sie ernährt sich vorerst vom Blut der Blattlaus, später verzehrt sie alle inneren Organe, was die Blattlaus selbstverständlich nicht überlebt.

Verpuppen in der Blattlausmumie

Die meisten Wespenlarven verpuppen sich in einem Cocon im Innern der toten Blattlaus, was zur Bildung der sogenannten Blattlausmumien führt. Einige Arten verpuppen sich unter der ausgefressenen Blattlaus, was deren Hülle wie auf einem Sockel stehend erscheinen lässt. Etwa eine Woche nach der Verpuppung verlässt die ausgewachsene Schlupfwespe die Blattlausmumie durch ein kreisrundes Loch. Die ganze Entwicklung von der Eiablage bis zum Schlüpfen der Wespe dauert je nach Temperatur zwei bis vier Wochen. Die Wespen ernähren sich von Nektar und Honigtau. Die Weibchen leben etwa zwei Wochen und legen in dieser Zeit je nach Art zwischen 100 und 500 Eier. Jede Eiablage bedeutet für die angegriffene Blattlaus den sicheren Tod.

Blattlauswespen sind sehr effiziente Feinde. Nicht selten sieht man ganze Blattlauskolonien, die nur noch aus Blattlausmumien bestehen. Da ihre Entwicklungszeit aber etwa doppelt so lange dauert wie jene der Blattläuse, sind sie alleine nicht in der Lage, Massenvermehrungen der Blattläuse in Grenzen zu halten. Dazu sind sie auf die Unterstützung durch andere spezialisierte Blattlausfeinde wie Marienkäfer, Schwebfliegen oder Pilzkrankheiten angewiesen. Wer Blattlauswespen beobachten will, muss ausgedehnte Blattlauskolonien suchen. Am besten geeignet sind Brennnesselbestände. In diesen Blattlauskolonien tummeln sich alle Blattlausfeinde.