Der Rebell mit der Klampfe

Franz Josef Degenhardt, Protestsänger und Autor, ist 79jährig gestorben. Seine Lieder leben.

Peter Surber
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Sympathie für Schmuddelkinder: Franz Josef Degenhardt 1974 im Kongresshaus Zürich. (Bild: ky)

Sympathie für Schmuddelkinder: Franz Josef Degenhardt 1974 im Kongresshaus Zürich. (Bild: ky)

Es sind Zeilen, die nachhallen, aus der Jugend- und Schallplattenzeit. Zeilen wie: «Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder». Oder «Der Papst sagt Nein zur Pille, und das ist Gottes Wille.» Oder der Song, der wie ein fatales Lebensmotto klang: «Irgendwas mach ich mal, irgendwann und dann dann komm ich ganz gross, ganz gross raus…».

Degenhardt ist, in seiner besten Zeit, selber gross herausgekommen, in den aufmüpfigen Sechziger-, Siebzigerjahren. Er verkörperte das Ideal des Protestsängers mit der Klampfe, sang scharfzüngig an gegen die Kirche, gegen die Rechten und Dumpfen, gegen die Atomkraft. Und er hat auch für uns helvetische Bürgerkinder aus der Unter-, nicht der Oberstadt den Soundtrack zu einer zumindest innerlichen Rebellion geliefert und geholfen beim Nachdenken über die herrschenden Verhältnisse.

«Väterchen Franz», geboren 1931, gelernter Rechtsanwalt, ist neben seinen Liedern auch mit sieben Romanen hervorgetreten. Bis 2004 füllte er die Säle. Und hielt den veränderten Umständen zum Trotz daran fest, dass jede Kunst politisch sei. Auch das Lied.