Der Meister mit der Eule

Der Schweizer Grafiker Celestino Piatti ist am Montag 85jährig gestorben. Legendär wurden seine Buchtitel für dtv und die Plakate.

Charles Linsmayer
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Celestino Piatti und eine seiner Eulen für dtv. (Bilder: dtv/ky)

Celestino Piatti und eine seiner Eulen für dtv. (Bilder: dtv/ky)

Piatti, der in Duggingen im Laufental wohnte, hatte sein Atelier in Basel. Am Freitag, 28. Dezember, findet dort in der offenen Kirche eine Abdankungsfeier statt.

«Möglichst viele Plakate»

Celestino Piatti ist am 5. Januar 1922 in Wangen bei Dübendorf zur Welt gekommen. Sein Vater stammte aus Capolago TI und führte mit seiner Frau in Dietlikon ZH ein Baugeschäft. Während seine Brüder Handwerker wurden – Alfredo führte das Baugeschäft weiter, Bruno gründete die bekannte Küchenmöbelfabrik –, absolvierte Celestino eine Grafikerlehre, besuchte die Kunstgewerbeschule Zürich und bildete sich in Abendkursen weiter. 1942 versuchte er in Paris Fuss zu fassen, zog dann aber 1944 nach Basel, wo er sich 1948 mit einem eigenen Atelier in der St. Johanns-Vorstadt selbständig machte.

«Mein Ziel war, dass bald möglichst viele Plakate von mir an den Wänden hängen», hat Piatti einmal erzählt, und tatsächlich wurde schon sein erstes Plakat, das für die Basler Rabattmarken warb, prämiert; er bekam Aufträge von Henniez, Mövenpick und Gauloise und war schon bald in jeder Kollektivausstellung von Schweizer Plakatgestaltern vertreten. 30 der über 500 Plakate erhielten die Auszeichnung «Bestes Schweizer Plakat des Jahres». Piatti entwarf aber auch Glas- und Wandbilder sowie Eisenskulpturen. Als treffsicherer Karikaturist war er lange für den «Nebelspalter» tätig, und für die Post entwarf er ab 1959 Briefmarken, unter anderem jene zu «100 Jahre Gotthardbahn».

6400 dtv-Umschläge

Im ganzen deutschsprachigen Raum bekannt wurde Piatti dank der über 6400 Titel-Illustrationen für den Münchner dtv-Verlag – mit einer Gesamtauflage von mehr als 216 Millionen Exemplaren. Was für den Künstler, der 32 Jahre lang für dtv tätig war, Knochenarbeit bedeutete. «Die Abgabe für die Frühlings- und Herbstausgaben fiel jeweils in die Schulferien unserer Töchter Barbara und Celestina», erzählte er in einem Interview. «Wir mussten daher unsere Ferien immer verschieben.» Piatti entwickelte die Sujets aus der Lektüre der Manuskripte heraus – dtv Nr. 1 und Grundstein der Zusammenarbeit war Heinrich Bölls «Irisches Tagebuch». Ein Text, der Piatti selbst zu einem Liebhaber der Grünen Insel machte, die er danach mit seiner Familie regelmässig aufsuchte.

Piattis Werke wurden mit über 40 Ausstellungen im In- und Ausland geehrt. 1985 erhielt er den Preis des Schweizer Buchhandels. Mehrere von ihm gestaltete Bücher bekamen das Prädikat «Schönstes Buch des Jahres».

Sein Stil mit den breiten, schwarzen Konturen bleibt im Gedächtnis haften und ziert unzählige Schul- und Bilderbücher. Kinderbücher vor allem auch, an denen er zusammen mit seiner zweiten Frau Ursula bis zuletzt gearbeitet hat.

Vor allem aber bleiben Piattis Eulen in Erinnerung. Grossäugige, kluge Eulen, die zum Äquivalent für die Schweizer Lesekultur geworden sind und nicht nur der ZB Zürich, sondern auch dem Schweizer Buchhandel unter dem Motto «Wer Bücher liest, weiss mehr» als Signet dienen.

Bild: Quelle

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