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Der Mann, der sich dem Spass verweigert

Im Casinotheater Winterthur machen Katja Früh und Patrick Frey Depression zum Komödienthema. Doch eigentlich ist es eine vergnügungssüchtige Gesellschaft, die sie ins Fadenkreuz nehmen.
Rolf App
Alle wollen Klaus (Andreas Matti) retten (v. l.): Schwester Linda (Esther Gemsch), Geschäftspartner Michael (Pit Arne Pietz), Partnerin Susann (Charlotte Heinimann), Therapeut Zeno (Patrick Frey). (Bild: PD)

Alle wollen Klaus (Andreas Matti) retten (v. l.): Schwester Linda (Esther Gemsch), Geschäftspartner Michael (Pit Arne Pietz), Partnerin Susann (Charlotte Heinimann), Therapeut Zeno (Patrick Frey). (Bild: PD)

Seine Firma heisst Swiss Fun, sie organisiert gerade einen «Bierathlon». Die Anmeldefrist ist ­abgelaufen, die teilnehmenden Mannschaften tragen so eindrückliche Namen wie «To beer or not to beer» oder:

«Wo ein Wille ist, da ist auch ein Bier.»

Dem Eventmanager Klaus Bigler (Andreas Matti) freilich ist seit sechs Wochen jeder Wille ­abhanden gekommen. Auf der Bühne des Casinotheaters Winterthur verbringt der Hauptdarsteller der Komödie «Kopf hoch!» von Katja Früh und Patrick Frey den ganzen Abend mehr oder weniger im Bett und bringt Familie und Firma zur Verzweiflung mit seiner Depression. Derweil suchen Lebenspartnerin Susann (Charlotte Heinimann), Schwester Linda (Esther Gemsch) und Geschäftspartner Michael (Pit Arne Pietz) mit wachsender Verzweiflung nach einem Weg aus der Krise.

Ein Zeppelin wird kommen

Sie tun es durchaus auch im eigenen Interesse. Denn wie stehen sie da, wenn sein Tief noch lange anhält? Der sechzigste Geburtstag steht vor der Tür, ein Grossanlass samt Prominenz ist in ­Planung. Auf dem Biobauernhof wird es einen Melkschnupperkurs geben. Ein Zeppelin wird kommen, schliesslich wird ein Magier Klaus samt Schimmel verschwinden lassen. Das wäre ihm durchaus schon jetzt recht. Denn seine momentane Weltsicht bringt er folgendermassen auf den Punkt:

«Das Problem ist ja, dass es mich gibt.»

Gegen diese laufen nun alle mit mehr oder weniger absurden Ideen und glänzendem komödiantischem Schwung Sturm. Geschäftspartner Michael, eine Stimmungskanone durch und durch, versucht es mit einem simplen «Kopf hoch!». Lebenspartnerin Susann setzt auf Wissenschaft, schleppt eine Lampe für die Lichttherapie an und verordnet Schlafentzug.

Schwester Linda taucht ihn in Eiswasser und macht Achtsamkeitsübungen mit ihm.

Die bringt der schlaue Patient dann mit einer Zigarette zu Ende. Denn Klaus macht alles mit – und sabotiert es zugleich.

So ruhen alle Hoffnungen denn auf dem Psychotherapeuten Zeno (Patrick Frey), der eine Kapazität ist und sehr geschäftstüchtig dazu. Ruhig lotet er Abgründe aus und bringt Klaus immerhin dazu, ein paar Socken zusammenzufalten. Zwischendurch ruft Zenos Frau an, redet über Ferien. Er winkt ab:

«Muss das denn sein? Müssen wir überhaupt verreisen?»

Auch der Psychotherapeut gerät ins Fadenkreuz

Mit andern Worten: Auch Zeno beisst auf Granit. Bis er Klaus in seine Depressionsgruppe lotst. Da ereignen sich dann Aufsehen erregende Dinge – freilich nicht so, wie der Therapeut sich das ­gedacht hat. Sodass nun er ins Fadenkreuz gerät.

Ist das jetzt Komödienstoff? Gewiss, das Publikum lacht oft und gern.

Aber darf man über einen Depressiven wie Klaus denn lachen?

Das ist allerdings die falsche Frage. Denn wir lachen nicht über Klaus. Wir lachen über seine überdrehte Umgebung samt Zenos Therapie-Klimbim, und damit über eine Gesellschaft, die den Trübsinn aus all ihren Niederungen vertreiben und lustig sein will um jeden Preis. Aus dieser Gesellschaft steigt Klaus aus. Er widersetzt sich dem Frohsinnszwang, macht nicht mehr mit.

Nicht einmal beim eigenen Geburtstag. Soll doch der Zauberer kommen und ihn verschwinden lassen, mit oder ohne Schimmel.

Weitere Vorstellungen von «Kopf hoch!» am Casinotheater Winterthur bis 6. Juli.

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