Über allen Gipfeln ist Ruh – die Skitourensaison abgebrochen

Für Alpinisten ist die Saison zu Ende – noch vor dem eigentlichen Höhepunkt über Ostern. Schlaumeier finden trotzdem einen Weg an die frishe Luft.

Sabine Kuster
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Noch nie war es in den Bergen so still: Die Coazhütte im Berninagebiet oberhalb Pontresina.

Noch nie war es in den Bergen so still: Die Coazhütte im Berninagebiet oberhalb Pontresina.

(Bild: Arno Balzarini/Key, 18. April 2013)

Die Verhältnisse in den Bergen wären ideal: Die Sonne scheint, die Lawinengefahr ist gering bis mässig und gegen die kalte Bise könnte man sich schützen. Könnte, wäre, ach! Die Berge sind geschlossen. Sozusagen.

Vorletzte Woche schon hat der Schweizer Alpen Club SAC den Hütten die Schliessung empfohlen, am Dienstag vor einer Woche wurde die Empfehlung zum Befehl und die Umsetzung vom Zentralverband kontrolliert. Dies, obwohl die Hütten den Sektionen gehören und der Zentralverband keine direkte Weisungsbefugnis hat. «Es hat sich niemand gewehrt», sagt Bruno Lüthi, Bereichsleiter Hüttenbetrieb, der Ernst der Lage sei wohl allen bewusst.

Der SAC schloss die Hütten freiwillig

Der SAC verhielt sich vorbildlich, denn zuerst waren die Hütten in der Covid-19-Verordnung des Bundes explizit unter den weiteren Beherbergungsformen aufgeführt, welche neben Hotels geöffnet bleiben dürfen. Es war der SAC selbst, der beim Bund intervenierte und riet, auf den Entscheid zurückzukommen, da in Berghütten die Hygiene- und Abstandsregeln kaum einzuhalten seien. In der Verordnung 2 sind die Hütten nun gestrichen.

«Für die Hüttenwarte ist das eine extrem schwierige Situation», sagt Lüthi, «sie haben für ihr Personal Kurzarbeit beantragt.» Der Zentralverband klärt ab, wie Erwerbsausfallentschädigungen für die Hüttenwartinnen beantragt werden können.

Trotzdem eine bevölkerte Hütten-Terrasse

Die Zeit um Ostern, der jährliche Höhepunkt der Skitourensaison, wäre erst noch gekommen. Die Gletscher sind um diese Zeit gut eingeschneit, die Tage wieder länger. Auch für die Bergführerinnen und Bergführer wären das wichtige Wochen. Doch der Bundesrat verbietet in der zweiten Covid-19-Verordnung «persönliche Dienstleistungen mit Körperkontakt», was einem Berufsverbot für Bergführer gleichkommt.

Viele Alpinisten bleiben schweren Herzens im Tal. Aber nicht alle: Das stellte der Hüttenwart der Mont-Fort-Hütte fest, die im nun geschlossenen Skigebiet von Verbier liegt. Am vergangenen Freitag fand er seine Terrasse voller Leute vor.

Ebenfalls Schlupflöcher gibt es bezüglich Winterräume: Alle Hütten verfügen über einen Schutzraum, der im Normalfall geöffnet ist, auch wenn der Hüttenwart nicht da ist. Hier ist der SAC in einem Dilemma: Laut Reglement sollte der Schutzraum geöffnet bleiben für Alpinisten, die in eine Notsituation geraten. Manche Hütten haben sich nun entschieden, auch diese zu schliessen.

Es geht auch darum, Unfälle zu vermeiden

Wer nur mit seinem Partner unterwegs ist, könnte als Skitourengänger die Hygieneempfehlungen des Bundes einhalten – wenn er nicht auf einer bevölkerten Terrasse rastet. Doch zu Hause bleiben sollte man auch aus Solidarität, empfiehlt Lüthi: Bei einem Unfall würde man Rettungskräfte und Spitäler unnötig belasten.

Während der Schweizer Lawinenwarndienst nach wie vor die Verhältnisse bekanntgibt, weil diese nicht nur für Skitourengänger, sondern auch für Bergdörfer wichtig sind, ist das Skitourenportal gipfelbuch.ch praktisch zu: Wer auf eine der Skitouren-Empfehlungen klickt, sieht eine Meldung, welche die Leute bittet, zu Hause zu bleiben. Touren können zwar noch eingetragen werden, aber Details zu den Verhältnissen sind momentan keine ersichtlich. Tröstlich heisst es: «Es folgt gewiss ein schöner Sommer und auch der nächste Winter kommt bestimmt.»

Auch ohne die Details der Einträge sieht man: Die Leute sind weiterhin unterwegs, jedoch gingen die Einträge nach dem 15. März etwas zurück und diese Woche sind es nur noch wenige.