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Klimawandel lässt die Berge bröckeln - einst sichere Touren werden lebensgefährlich

Die immer wärmeren Sommer tauen Permafrost-Böden auf – das hat für Bergsteiger ernste Folgen. Ganze Berge sperren will trotzdem niemand.
Simon Maurer
Am Piz Cengalo im Kanton Graubünden mussten schon einige Menschen ihr Leben lassen. Bild: Keystone

Am Piz Cengalo im Kanton Graubünden mussten schon einige Menschen ihr Leben lassen. Bild: Keystone

Vier Tote in zwei Tagen – das ist die traurige Bilanz der Bergunfälle vom letzten Wochenende. In den Bündner Alpen starben an der Fiamma bei Vicosoprano eine 30-jährige Deutsche und am Monte Laura in Roveredo ein 62-jähriger Schweizer. Und im Wallis verunglückten zwei Bergsteiger beim Aufstieg auf den Gipfel des Dent Blanche bei Ayer.

In der ersten Hälfte dieses Jahres sind laut Statistik des Schweizerischen Alpen-Clubs (SAC) bereits 56 Menschen bei Unfällen in den Schweizer Alpen gestorben, angesichts des guten Wetters im Juli dürfte sich die Zahl allerdings nochmals deutlich erhöhen.

Dementsprechend setzt sich ein problematischer Trend fort: In Jahren mit heissen Sommern sterben besonders viele Menschen in den Bergen. So etwa in den Jahren 2003 und 2015. Dies liegt zum einen daran, dass das gute Wetter die Leute in die Alpen lockt, zum anderen am Klimawandel, der Teile der Alpen zu einer Gefahrenzone werden lässt.

Der Boden rutscht unter den Füssen weg

«Der Berg ist nicht mehr so stabil wie früher. Der Rückgang des Permafrosts lässt ganze Felsen brüchig werden», erklärt Hans-Rudolf Keusen, Geologe und Gefahrenexperte beim Schweizerischen Alpen-Club. «Weil sich die Nullgradgrenze immer weiter in die Höhe verschiebt, tauen die Permafrostböden auf und das Gelände wird instabil.» An heissen Tagen kann ein falscher Tritt deshalb lebensgefährlich werden.

Von der Permafrostschmelze betroffen sind nur jene Routen, die über 2500 Meter über Meer liegen. Zu diesen gehören aber viele der beliebtesten Touren, etwa die Eigernordwand. SAC-Experte Keusen: «Die Eigernordwand war bis vor kurzem eine eher bequeme Route, mit Steigeisen kam man zügig durch die Eisfelder.» Seit einigen Jahren sei die Eigernordwand aber nicht mehr weiss – sondern schwarz. «Man hat dadurch länger für den Aufstieg und die Gefahr eines Sturzes ist grösser.»

Die andauernde Sommerhitze in den Bergen erhöht auch die Steinschlaggefahr. Denn wenn das Eis in Felsklüften schmilzt, sammelt sich Wasser in den Hohlräumen des Gesteins. Druck baut sich auf. «Irgendwann kommt es dann zur Explosion und eine Lawine aus Stein, Eis und Wasser rollt ins Tal», erklärt Hans-Rudolf Keusen.

Es sei deshalb vernünftig, einige potenziell gefährliche Strecken an heissen Tagen zu meiden. So etwa die Normalrouten auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Oder den Aufstieg auf die Blüemlisalp. Auch die Besteigung des Bündner Biancograts empfiehlt Keusen nicht uneingeschränkt, denn das schützende Eis, das den Alpinisten bisher immer sehr guten Halt geboten habe, sei weggeschmolzen.

Dass die Warnungen des Experten ernst zu nehmen sind, zeigt ein Blick in die jüngere Geschichte: Erst vor zwei Jahren wälzten sich mehrere Millionen Kubikmeter Gestein ins Bondascatal hinunter. Teile des Dorfes Bondo wurden komplett zerstört, acht Menschen starben und zahlreiche weitere verloren ihr gesamtes Hab und Gut.

Werden die Alpen zum Sperrgebiet?

In den letzten Tagen sorgten Bergführer mit einer brisanten Forderung für Aufregung: Das Matterhorn soll wegen dem Auftauen des Permafrosts und der damit verbundenen Instabilität des Geländes gesperrt werden. Zu gross sei die Gefahr für Touristen. Die Gemeinde Zermatt, Eigentümerin des berühmtesten Bergs der Schweiz, lehnte das in einer ersten Reaktion ab und appellierte stattdessen an die Eigenverantwortung der Alpinisten.

Auch SAC-Experte Hans-Rudolf Keusen ist grundsätzlich gegen eine sommerliche Sperrung von Gipfeln. Er zeigt sich aber offen für zeitlich begrenzte Schliessungen: «Bei einer akuten Gefahrensituation kann die Sperrung von einzelnen Routen Sinn machen.»

Ins gleiche Horn bläst Ueli Mosimann, der Sicherheitsverantwortliche des SACs. Er betont, wie wichtig es sei, sich vor einer Tour gut über die Wetterverhältnisse zu informieren und im schlimmsten Fall auf ein Abenteuer zu verzichten. «Wir müssen lernen, am Berg auch Mal wieder umzukehren, wenn die Situation das verlangt.» Denn im Gebirge gefährde man oft nicht nur sich selbst, sondern auch andere – etwa, indem man einen Steinschlag auslöse.

Der Rat, den Bergsteigerlegende Art Furrer diesen Frühling der neuen Bergsteigergeneration mit auf den Weg gab, gilt mehr denn je: «Ortskenntnisse und die richtige Routenwahl werden immer wichtiger – überlebenswichtig.»

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