Kolumne

Der Januar ist kein mieser Verräter

«Wenn wir eh denken müssen, warum nicht gleich positiv?», schreibt unsere Sonntagskolumnistin. 

Blanca Imboden
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Blanca Imboden, Schriftstellerin.

Blanca Imboden, Schriftstellerin.

Erinnern Sie sich an meine Kolumne vom letzten Jahresanfang mit dem Titel «Der Januar ist ein mieser Verräter»? Das Jahr wurde nicht wesentlich besser, als kurz nach meinem Hans auch meine Mutter starb. Natürlich war 2018 nicht alles schlecht. Mein «Arosa»-Roman wurde ein Erfolg, ich liebte den Job am Stanserhorn, der Wörterseh-Verlag gab mir eine neue Perspektive ...

Trotzdem musste ich im Sommer professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, sass zum ersten Mal bei einem Psychiater. Ich fühlte mich als Versagerin, weil ich es nicht allein geschafft hatte. «Wenn Sie mit Magenproblemen zum Arzt gehen, haben Sie dann auch das Gefühl, versagt zu haben?», wollte der Psychiater wissen. Eine sehr gute, hilfreiche Gegenfrage.

Irgendwo fällt lachend das Schicksal vom Stuhl

Ganz nebenbei: Als ich Antidepressiva nahm und ziemlich offen darüber redete, stellte ich mit Erschrecken fest, in welch guter, grosser Gesellschaft ich mich damit befand. Warum nur? Halten wir nichts mehr aus? Finden wir keinen Halt mehr?

Nein, diese Kolumne soll Ihnen nicht aufs Gemüt schlagen. Ich möchte Ihnen lieber Mut machen, falls es Ihnen heute schlecht geht und Sie möglicherweise gerade im tief­sten, dunkelsten aller Januarlöcher hocken.

In letzter Zeit fliegen mir immer wieder meine eigenen Romane um die Ohren. Im «Arosa»-Roman hatte ich Max Frisch zitiert: «Eine Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.» Im Nachhinein betrachtet ein fragwürdiges Zitat.

Manchmal ist eine Krise einfach eine Katastrophe. Punkt. Das kann kein Max schönreden.

Im «Gipfeltreffen»-Buch steht, dass, während der Mensch plane, irgendwo das Schicksal lachend vom Stuhl falle. Stimmt. Ich wollte zum Beispiel die Festtage bei meiner Cousine auf Bali verbringen, mit Palmen, Sonne, Meer. Ich hatte keine Lust auf eine Weihnachtsdepression. Doch ich wurde krank und musste die Reise absagen. Fast gleichzeitig kam mit Peter eine neue, unerwartete Liebe, eine Art menschliches Weihnachtsgeschenk. Konnte ich es annehmen? War es nicht zu früh? War er der Richtige? Macht Liebe nicht verdammt verletzbar? Ich zweifelte, hinterfragte, diskutierte mit mir selber. Mein Kopf kämpfte gegen mein Herz. Eine Freundin redete auf mich ein:

«Du schreibst so schöne Liebesgeschichten und glaubst selber nicht an die Liebe?

Du gaukelst uns in deinen Geschichten bloss etwas vor? Lass das nicht deine Leserschaft wissen!» Sie sagte es sogar noch brutaler: «Leb doch jetzt einfach mal hemmungslos den Kitsch, den du sonst immer schreibst!»

Na gut, dann lasst uns doch 2019 mit dem Glauben an ein Happy End beginnen. Dazu passt ein anonymes Zitat, aus Facebook: «Man muss mit allem rechnen, auch mit dem Guten!» Wenn wir eh denken müssen, warum nicht gleich positiv? Sind Sie dabei?