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Der Atmen beeinflusst unsere Gefühle und umgekehrt

Atemtraining kann jeder jeden Tag - Wissenschaftler bestätigten Wirksamkeit bei Ängsten und Depressionen
Jörg Zittlau

Gesundheit  Auch Wissenschafter sehen im Atem eine besondere Vitalfunktion. Nicht nur, weil er den Organismus mit Sauerstoff versorgt und ihn von Kohlendioxid befreit, sondern auch, weil er psychisch betrachtet ein Hybrid ist. Wir können ihn einerseits bewusst steuern, indem wir etwa die Luft anhalten, wenn es stinkt, oder besonders tief inhalieren, wenn wir im Wald spazieren gehen. Andererseits funktioniert er – und das macht er den überwiegenden Anteil der Zeit – auch automatisch, ohne unseren Willen.

Atmung reagiert auf unsere Stimmung

«Dadurch schafft er uns einen Zugang zu unbewussten Schichten im Körper», sagt die Berliner Atemtherapeutin und Psycho-Onkologin Karoline von Steinaecker. So reagiere der Atem sehr sensibel auf Stimmungen. Bei Angst etwa wird er flach und oft auch schneller. Bei Wut hingegen kann er sich einerseits vertiefen und zum bekannten Wutschnauben steigern, andererseits aber auch so unterdrückt werden, dass im wahrsten Sinne der Atem stockt.

«Verantwortlich dafür sind Reaktionen des vegetativen Nervensystems», erläutert Psychiater Christoph André vom Sainte-Anne-Hospital in Paris. Sie erreichen nur selten das Bewusstsein, doch mit Hilfe der Atemwahrnehmung kann man erreichen, dass sie bewusst werden. Und noch besser: Wenn wir dann den Atem regulieren, kann man umgekehrt Einfluss auf das vegetative Nervensystem und die Emotionen nehmen. «Unsere Gefühle beeinflussen den Zustand unseres Körpers», so Psychologe Christoph André. «Doch umgekehrt beeinflusst auch der Zustand des Körpers unsere Gefühle.»

Depressiven Menschen hilft ein einfaches Atmentraining

Auf diese Weise kann man verhindern, dass sich belastende emotionale Zustände wie Angst, Wut, Trauer, Schmerz, Neid und Antriebslosigkeit verhärten und den Körper chronisch unter Stress setzen und schliesslich krank machen. Der Patient beobachtet seinen Atem und nutzt ihn dazu, Spannungen abzubauen und wieder Zugriff auf sich und seinen Körper zu bekommen. Zudem optimiert Atemtraining den Sauerstoff-Kohlendioxid-Austausch, was ebenfalls Wirkungen auf die Psyche hat.

So neigen ängstliche und depressive, aber auch mit starken Schmerzen belastete Menschen zu einer anhaltenden Hyperventilation, also einer überproportionierten Einatmung mit abfallenden Kohlendioxidwerten. In deren Folge untersäuert das Blut, was seinerseits wieder Ängste auslösen und verstärken kann. Per Atemtraining lässt sich dieser Teufelskreis durchbrechen: An einem Mailänder Spital erzielte man beachtliche und langfristige Therapieerfolge, indem man 69 Patienten mit Angststörungen und Depressionen in ein regelmässiges Atemtraining einwies.

Jeden Tag drei mal sechs Minuten richtig atmen

Gute Gründe also, den Atem aus dem stiefmütterlichen Abseits zu holen, in das ihn unsere kurzatmige Zeit verfrachtet hat. «Beispielsweise nach der 365er-Methode, die derzeit von Therapeuten oft empfohlen wird», rät Psychologe André. Dabei unterbricht man täglich drei Mal den Alltagsablauf, um sechs Mal pro Minute – auf eine Gesamtdauer von fünf Minuten – tief (jeweils fünf Sekunden) ein- und auszuatmen.

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