Naturheilkunde: Wachsmyrte, die Alleskönnerin aus der Wildnis

Myrica cerifera, die wachstragende Myrte, ist Antimückenmittel, Kerzenrohstoff, Rasiercrème oder Mundspülung in einem. Therapeutisch hilft sie Magen, Darm und Bronchien.

Ulrike von Blarer Zalokar
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Myrica cerifera oder «wachstragende Myrte» wächst am Atlantik. (Bild: Getty)

Myrica cerifera oder «wachstragende Myrte» wächst am Atlantik. (Bild: Getty)

Im nordwestlichen Europa gibt es den Gagelstrauch, Myrica gale. Leider kommt er nicht mehr so häufig vor, weil zu viele Nassgebiete trockengelegt sind. Genutzt wurde er früher zum Bierbrauen, er war billiger als Hopfen. Therapeutisch fand er kaum Beachtung, sein Artgenosse hingegen schon: Myrica cerifera, die «wachstragende Myrte», wächst in der Karibik, auf den Bermudas und an der Ostküste Nord- und Mittelamerikas.

Es gibt Leute, die bezeichnen diesen aromatisch duftenden immergrünen Strauch als Quartierlädeli der Wildnis. Und tatsächlich: Wer aromatisches, ziemlich scharfes Gewürz braucht, holt sich einige Beeren, lässt sie trocknen und füllt damit die Pfeffermühle. Oder isst ein paar davon einfach so, wenn man etwas abgehärtet ist. Wer etwas zu rauchen benötigt, vielleicht für die Friedenspfeife, nimmt sich die Blätter. Wer einen Digestif braucht, macht sich eine Abkochung.

Wen die Mücken plagen, der reibt sich mit frisch abgezupften Blättern ein oder steckt sich einen Zweig der Wachsmyrte hinters Ohr.

Abends legt man ein paar davon rund um den Schlafsack. Im Schrank hilft er gegen Motten, in der Wohnung gegen Ungeziefer.

Aus den Beeren kann man Wachs gewinnen

Und wer abends etwas romantisches Licht haben mag, kocht die Beeren: So setzen sie ihr Wachs frei, das sogenannte Myristicawachs – es lassen sich gute Kerzen daraus machen. Die Kerzen duften fein, dies mit dem angenehmen Anti-Mücken-Nebeneffekt. Auch eine Rasiercrème soll sich mit der Wachsmyrte machen lassen, ebenso Mundspülungen und Haarwuchsmittel.

Myrica cerifera wird auch therapeutisch genutzt: bei Verdauungsbeschwerden, als Muntermacher, bei Leberleiden. Ebenso bei Entzündungen der Mundschleimhaut, des Rachens, des Dünndarms, bei entzündeten Bronchien, begleitet von viel Auswurf, bei Erkältungen und Fieber.

Und zögerte sich eine Geburt lange hinaus, wurde sie mithilfe von Cerifera eingeleitet.

Das ist auch die einzige Kontraindikation: Schwangere verzichten auf Cerifera. Zu nutzen ist es nur in kleinen Dosen, sonst kann das Wachs zu Erbrechen führen.

Pharmakologisch enthält Myrica cerifera neben Wachsharzen ätherische Öle, die für den anregenden Duft sorgen, und Gerbstoffe, die Magen und Darm helfen. Dazu kommt Myricitrin, eine Substanz mit antibiotischen wie fiebersenkenden Eigenschaften.

Myrica cerifera spielt nicht nur eine Rolle in der amerikanischen Volksmedizin, auch in der Homöopathie wird sie verwendet und als Heilpflanze der westlichen Ausprägung der Traditionellen Chinesischen Medizin, der sogenannten West-TCM, die mit westlichen Kräutern arbeitet.

Gut für Durchblutung und Wundheilung

Diese West-TCM sieht Myrica cerifera als warmes Kraut, als scharf und bitter und Gewebe zusammenziehend. Cerifera wirkt auf Magen, Darm, Leber, Gallenblase, Herz, Lunge. Eingesetzt wird Cerifera, um Blut zu bewegen und Qi zu tonisieren. Bei Durchblutungsstörungen, schlechter Wundheilung, Muskelschmerzen. Oder bei Kältegefühlen, Appetitlosigkeit, Verdauungsproblemen, Darmentzündungen.

Ulrike von Blarer Zalokar leitet die Heilpraktikerschule Luzern: www.heilpraktikerschule.ch