Klimakonferenz: Den Meeren geht der Sauerstoff aus

Am Freitag geht die 25. Weltklimakonferenz in Madrid zu Ende. Besorgniserregend ist der Zustand der Ozeane, diesen wichtigen Kohlestoffspeichern für unser selbst produziertes Kohlendioxid.

Bruno Knellwolf
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Dicke Post betreffend der Weltmeere: Der Sauerstoffgehalt im Meerwasser nimmt ab.

Dicke Post betreffend der Weltmeere: Der Sauerstoffgehalt im Meerwasser nimmt ab.

Bild: pd

Die letzten Tage der heute zu Ende gehenden 25. Weltklimakonferenz in Madrid gehörten den Politikern. Diese waren zuvor durch viele in Madrid präsentierte Studien alarmiert worden. Stark im Fokus stand dabei der Zustand der Ozeane.

Die Meere zusammen mit den Landpflanzen absorbieren durchschnittlich 55 Prozent der CO2-Emissionen, welche wir durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe, durch Abholzung und andere Aktivitäten in die Atmosphäre bringen.

Natürliche Kohlenstoffspeicher

Ozeane und Pflanzen sind natürliche Kohlenstoffspeicher und somit Kohlestoffsenken, die grundsätzlich das Tempo des Klimawandels bremsen. Allerdings verändern sie sich durch die Erderwärmung auch selbst, was den Kohlenstoff-Kreislauf verändert und die Beschleunigung der Erwärmung erklärt. Waldbrände zerstören Teile der Kohlenstoffsenken und die Ozeane geben wegen ihrer Erwärmung mehr CO2 an die Atmosphäre ab.

Nicolas Gruber, ETH Zürich

Nicolas Gruber, ETH Zürich

Bild:pd

Somit bedeutet es nichts Gutes, dass ein in Madrid vorgestellter Bericht der Weltnaturschutzunion IUCN zeigt, dass die Meere Sauerstoff verlieren. Das schafft mehrere Probleme. Zum einen brauchen alle Meerestiere Sauerstoff zum Atmen. «Mit Ausnahme der Meeressäuger müssen die Tiere den Sauerstoff aus dem Wasser filtern», erklärt Professor Nicolas Gruber, Umweltphysiker an der ETH Zürich und Autor des Weltklimarats IPCC.

Das Ausfiltern des Sauerstoffs ist ein erheblicher Aufwand, da die Sauerstoffkonzentration im Meerwasser generell gering ist. Nimmt die Konzentration des Sauerstoffs ab, erhöht sich der Aufwand für die Tiere enorm und kann so gross werden, dass diese sterben.

Sauerstoffmangel führt zu Dichtestress

Mit abnehmendem Sauerstoffgehalt verlieren viele Tiere ihren Lebensraum und ziehen an einen anderen Ort. Kleine Fische wie grosse, also auch Haie und Thunfische. Das führt zu Dichtestress. Die Fische fressen sich und werden zusätzlich leichte Beute der Menschen, weil sie sich öfter näher an der Meeresoberfläche aufhalten. Zusätzlich spielt die Sauerstoffkonzentration im Ozean auch eine sehr wichtige Rolle für den marinen Stickstoffkreislauf, der für die Nahrungskette wichtig ist. Gruber sagt:

«Zudem steigt bei abnehmender Sauerstoffkonzentration die Produktion von Lachgas im Meer, was als Treibhausgas rund 200 Mal potenter ist als CO2.»

Gemäss der Studie gibt es zwei Hauptgründe für den Sauerstoffverlust in den Ozeanen. Zum einen die Erderwärmung. Diese verringert die Sauerstoffkonzentration über zwei Mechanismen. Zuerst weil wärmeres Wasser weniger Sauerstoff halten kann. Zum anderen verändert sich die Schichtung des Wassers, weswegen weniger Sauerstoff nach unten ins Innere des Ozeans transportiert wird. So fehlt es dort an der richtigen Sauerstoffmischung.

Verschmutzung mit Nährstoffen und Düngemitteln

Der zweite Grund für die Sauerstoffabnahme ist die Verschmutzung mit Nährstoffen aus Fischzuchten und Düngemitteln. ETH-Professor Gruber sagt:

«Eine solche Überdüngung kennen wir in der Schweiz gut aus den 1950er Jahren.»

Ungefiltert lief das Abwasser damals in die Seen. Auch in den Meeren wirkt diese Überdüngung lokal und nur in Küstennähe. Bekannt ist nach Gruber die «dead zone» vor der Küste von Louisiana, wo der Mississippi viele Nährstoffe in den Golf von Mexiko bringt und der Sauerstoff komplett aufgezehrt wird. In solchen «Dead Zones» machen sich die Algen stark, so dass den Fischen in diesen Regionen der Sauerstoff zum Leben fehlt.

Der ETH-Professor betont allerdings, dass die Klimaerwärmung wichtiger sei für den Sauerstoffverlust als die Überdüngung. Und auch «dass der Sauerstoffgehalt der Ozeane eine recht dynamische Grösse ist. Das heisst, es gibt nebst dem Klimawandel recht starke natürliche Schwankungen im Sauerstoffgehalt.»

Somit sei der Verlust nicht automatisch eine Folge des Klimawandels – generell sei dessen Einfluss aber doch am bedeutendsten. Besonders betroffen davon seien jene Meereszonen, in denen sowieso schon natürliche Todeszonen vorhanden seien.

Überfischung stoppen

Den Fischen wird langfristig somit nur helfen, wenn die Erderwärmung eingedämmt wird. Hilfreich ist auch, wenn weniger abgefischt wird und sich deswegen die Fisch-Populationen besser erholen könnten.

Zum Beispiel auch in eigens dafür geschaffenen Reservaten. Gegen die Verschmutzung hilft, was auch Schweizer Seen genützt hat: Kläranlagen, Änderungen der Düngung in der Landwirtschaft und Phosphatverbote in Waschmitteln.

Schweiz fällt zurück im Ranking

Die Vorgänge im Meer betreffen alle, auch das Binnenland Schweiz. So wie auch die Dürren und Hitzewellen, die gemäss einer österreichischen Studie immer häufiger werden und die Kornkammern der Welt betreffen werden. Klima geht alle an und der in Madrid veröffentlichte «Climate Change Performance Index» zeigt, dass zur Zeit kein einziges Land genug tut.

Das Klima-Länderrating vergleicht jährlich die Klimaschutzleistung von den 61 Ländern, die zusammen für mehr als 90 Prozente der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Die Schweiz ist gemäss dieses Ratings um sieben Plätze auf Rang 16 zurückgefallen. Der Schweizer Klimapolitik fehle es trotz dem Netto-Null-Ziel bis 2050 an jeglicher Umsetzungsstrategie, schreiben die Autoren des Index.