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Zweiwöchiger Vaterschaftsurlaub für Soldaten und Rekruten? Die Armee will davon nichts wissen

Ein Neugeborenes zu Hause und eine Frau im Wochenbett sind kein WK-Verschiebegrund. Der Vaterschaftsurlaub wird daran nichts ändern.
Sabine Kuster
Mitnehmen geht leider nicht: Schweizer Männer im WK sehen ihre neugeborenen Kinder nur am Wochenende. (Bild: Getty Images)

Mitnehmen geht leider nicht: Schweizer Männer im WK sehen ihre neugeborenen Kinder nur am Wochenende. (Bild: Getty Images)

Wer mit einem Neugeborenen nachts in der Wohnung herumwandert, blickt aus dem Fenster auf menschenleere Strassen. Bis auf das schluchzende Baby ist alles still. Es gibt Mütter, die sagen, sie hätten sich nie so einsam gefühlt, wie dann, als sie mit ihrem Neugeborenen nachts alleine zu Hause waren.

Die abwesenden Väter fühlen sich oft nicht weniger einsam – und am falschen Ort. Die erhaltenen Babyfotos verstärken bloss das Gefühl, etwas Unnachholbares zu verpassen: Die ersten Tage oder Wochen des eigenen Kindes.

Nun kommt der Vaterschaftsurlaub. Künftig werden auch Männer mit knappem Budget oder uneinsichtigen Arbeitgebern mindestens die ersten zwei Wochen im Leben ihres Kindes anwesend sein können. So hat es das Parlament in der Herbstsession beschlossen.

Bloss hat dabei keiner an das Militär gedacht. 120 000 junge Schweizer Männer rücken jedes Jahr für drei oder vier Wochen in einen WK ein. Auch wenn sie gerade eben Vater geworden sind. Wenn das Kind während des WKs zur Welt kommt, werden ein paar Urlaubstage bewilligt – dann geht’s zurück in die Kaserne. Das Militärrecht kennt keinen Vaterschaftsurlaub.

Besser schiebt man Stress im Geschäft vor

Wie viele frischgebackene Väter jedes Jahr ihre Wehrhaftigkeit trainieren müssen, statt dass sie gleichberechtigte Startchancen erhielten, ist nicht bekannt. Ein Blick in Mütter-Foren zeigt jedenfalls, dass es keine Einzelfälle sind: «Beim ersten Sohn habe ich am Freitagabend entbunden, am Montag ging mein Mann vier Wochen ins Militär. Beim zweiten hatte ich am Mittwoch Kaiserschnitt und er ging am Montag vier Wochen in den WK», schreibt eine Mutter.

Die Väter müssen einrücken, selbst dann, wenn noch ein älteres Geschwister zu betreuen ist. Im Forum «Mammalicious» beklagte eine Mutter, dass das Verschiebungsgesuch ihres Mannes abgelehnt worden sei und er drei Wochen nach der Geburt einrücken müsse. Der Kommandant fand: Nur eine Risikoschwangerschaft wäre ein Grund für eine Verschiebung gewesen. Wie die Geburt verlaufen wird und wie es dem Kind danach gehen kann, zog er offenbar nicht in Betracht.

Eine andere Mutter riet der Frau darauf, die Verschiebung mit der Situation im Geschäft zu begründen: Bei ihrem Mann sei die Verschiebung bewilligt worden, weil er viele Geschäftstermine in diesen Wochen habe einbauen können und weil er noch in einer Weiterbildung gewesen sei.

Die Armee zementiert alte Rollenbilder

Ein Mann, der auf der Arbeit dringend gebraucht wird, hat gegenüber der Armee ein Argument in der Hand – einer, der zu Hause dringend gebraucht wird, nicht. «Da sagt uns also eine staatliche Institution, dass Karriere wichtiger ist als Familie», kommentierte eine Mutter. «Man zementiert ein weiteres Mal, dass Männer im Beruf vorwärtskommen sollen, derweil die Frau zu Hause schaut.»

Engagierte Väter sind für die Armee offenbar ein Spezialfall, nicht die Regel. Sprecher Daniel Reist sagt: «Die Problematik der Väter mit Erziehungsverantwortung ist sowohl der Armee als auch der Militärverwaltung bekannt.» Sie seien sich bewusst, dass Militärdienst-Aufgebote bei Angehörigen der Armee, die sich voll oder teilzeitlich um die Betreuung ihrer Kinder kümmern bzw. im Haushalt tätig seien, «gewisse Unannehmlichkeiten verursachen können».

Zum Thema Vaterschaftsurlaub schreibt die Armee: Es könne ja nicht darum gehen, «frisch Vater gewordene Männer bei der Erfüllung der Militärdienstpflicht zu privilegieren». Und weiter: «Ein werdender Vater kann für den Geburtstermin einen persönlichen Urlaub beantragen, was wohl kaum ein Kommandant verwehren wird, sofern die militärischen Leistungen der gesuchstellenden Person und der Dienstbetrieb dies zulassen.»

Also schnell am Neugeborenen schnuppern, der Frau über den Kopf streichen und ab zurück, um dem Vaterland zu dienen. Dabei steht in der Verordnung über die Militärdienstpflicht, dass Verschiebungs-Gesuche bewilligt werden, wenn das «private Interesse der gesuchstellenden Person das öffentliche Interesse an der Leistung des Ausbildungsdienstes zur vorgesehenen Zeit überwiegt».

Ein überwiegendes Interesse kann seit ein paar Jahren auch die Pflege eigener Kleinkinder sein, wenn eine Ersatzbetreuung nicht möglich ist. So ist es im Artikel 50 in den Weisungen des Chefs der Armee ausgeführt.

Um den abwesenden Vater geht es nicht

«Die Armee hat sich der modernen Rollenteilung in der Familie nicht verschlossen», sagt Armeesprecher Reist. Aber wenn die Mutter da ist, sehen viele Kommandanten offenbar keinen Grund, den WK zu verschieben. Betreuungsproblem gelöst. Um den abwesenden Vater geht es nicht.

Auch im Mütterforum war nur wenig die Rede von den Vätern. Viele Mütter schrieben, sie hätten sich halt organisiert: Essen vorgekocht, online eingekauft, die Schwiegermutter und Freundinnen gebucht und eine Spielkiste bereitgelegt, welche das ältere Geschwister jeweils während des Stillens öffnen durfte. Darauf konterte eine Mutter: «Wir Frauen wissen uns ja grundsätzlich sehr gut zu organisieren – aber der Vater möchte vielleicht auch während dieser wunderbaren Zeit zu Hause sein.»

Der vom Parlament beschlossene Vaterschaftsurlaub hat auf diese Regelung keinen Einfluss: Dies, weil er sich auf die Erwerbsarbeit beziehe und nicht auf die Verfassung verankerte Militärdienstpflicht – argumentiert das zuständige Bundesamt für Sozialversicherungen.

Dazu müsste man die Militärdientstpflicht-Verordnung ändern. Lediglich Berufsmilitärs dürfen künftig die Waffe beiseitelegen und nach Hause in den Kampf um ihre Gleichberechtigung.

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