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Das veränderte Leben von Neil Armstrongs Kindern nach der Mondlandung

Rick und Mark Armstrong träumten nicht wie andere Buben davon, Astronaut zu werden. Zu gross war der Schatten ihres Vater Neil Armstrong, der als erster Mensch vor 50 Jahren seine Füsse auf den Mond setzte.
Marlene von Arx
US-Astronaut Neil Armstrong spricht aus der Quarantäne-Box zu seiner Frau Jane und den Kindern Rick und Mark. (Bild: Nasa/Getty)

US-Astronaut Neil Armstrong spricht aus der Quarantäne-Box zu seiner Frau Jane und den Kindern Rick und Mark. (Bild: Nasa/Getty)

Rick und Mark Armstrong, Sie waren zwölf, beziehungsweise sechs Jahre alt, als Ihr Vater auf dem Mond landete. Wie erinnern Sie sich an die Apollo 11 Mission?

Mark Armstrong: Es war ständig etwas los zu Hause: Es war in der Nachbarschaft bei jedem Flug üblich, dass bei der Familie, deren Vater im All war, die Tür immer offen stand. Verwandte waren tagelang zu Besuch, Freunde und Nachbarn kamen vorbei und brachten Essen.

Rick Armstrong: Es war eine Art Hilfsnetzwerk: Man half der Hausherrin bei ihren Pflichten, ging für sie einkaufen, etc.

Mark: Für uns war all die Aufregung toll. Aber im Nachhinein muss ich sagen: Unsere Mutter muss grosse Ängste durchgestanden haben und die vielen Leute waren hauptsächlich da, um sie emotional zu unterstützen.

Rick und Mark Armstrong. (Bild: Armando Gallo)

Rick und Mark Armstrong. (Bild: Armando Gallo)

Haben Sie sich auch Sorgen gemacht, dass bei der Mission etwas schiefgehen könnte?

Mark: Ich kann mich erinnern, dass wir ein Familien-Meeting hatten, bevor Dad nach Cape Canaveral abreiste. Ich war sechs und kann mich nicht mehr erinnern, was er sagte, aber ich weiss, dass ich an jenem Abend unbekümmert vom Tisch aufstand und dachte, dass ich ihn eine Woche später wieder sehen und alles so wie immer sein würde.

Wie haben Sie die Mond-Landung selber erlebt?

Mark: Wir hatten einen grossen Farbfernseher im Wohnzimmer und einen Schwarz-Weiss-Fernseher im Eltern-Schlafzimmer. Ich wurde nach der Landung ins Bett geschickt. Rick durfte länger aufbleiben. Mich weckten sie dann für den ersten Schritt auf dem Mond [sechs Stunden später]. Die Astronauten-Familie hatte eine Verbindung zur Nasa Mission-Control, eine sogenannte Squawk-Box, und konnte die Kommunikation mithören.

Rick: Für die Landung, als die Spannung am grössten war, waren wir in Mutters Schlafzimmer und hörten die Squawk Box. Obwohl wir Besuch hatten, wollte sich unsere Mutter in diesem Moment zurückziehen. Den ersten Schritt auf dem Mond schauten wir dann alle zusammen. Aber wir konnten kaum entziffern, was wir da überhaupt sahen. Das Bild stand zuerst sogar auf dem Kopf.

Mark: Die Bilder waren ja sehr grobkörnig. Inzwischen wurden sie aufpoliert.

Wie hat sich Ihr Leben nach der Mondlandung verändert?

Marc: Die grosse Aufmerksamkeit der Medien hat unser Leben schon sehr verändert.

Rick: Ich würde nicht nur sagen der Medien, sondern die Aufmerksamkeit allgemein. Ich glaube nicht, dass Dad anders war oder dass unsere Familie anders war, aber es kam viel auf uns zu. Wir mussten zuerst lernen, wie damit umgehen. Heute hätte man ein Team von Consultants, die einem sagen, wie man auf Anfragen reagieren soll. Wer eines Tages als erstes auf dem Mars landet, hat dann sicher eine Armee von Beratern, die helfen, dass alles zu navigieren.

Mark: Genau, wir waren total auf uns alleine gestellt.

Was gab es denn für Herausforderungen für die Familie?

Mark: Bald nach der Landung schrieb Dad auf Anfrage ein paar Briefe an Pfadfinder, die den höchsten Rang in der Organisation erreicht hatten. Als das im Pfadfinder-Newsletter veröffentlicht wurde, wurde er mit Briefen überhäuft und er hörte auf, welche zurückzuschreiben. Nach der Mondlandung bekam er ja an die 10000 Briefe pro Tag.

Rick: Später bekam er Briefe von Leuten, die sich beklagten, dass er nicht zurückgeschrieben hatte. Es kam sehr viel auf ihn zu. Ich weiss nicht, wie er das alles verkraftete.

Mark: Die Leute waren zum Teil echt sauer. Wir lachen jetzt darüber, aber es nagte an ihm.

Wurde er auf der Strasse oft angesprochen?

Rick: Nicht sehr oft. Ich weiss noch, dass wir nicht lange nach der Mondlandung in einem Schuhgeschäft waren und als Dad an der Kasse für die Schuhe bezahlte, fragte der Verkäufer, ob man ihm schon gesagt habe, er sehe Neil Armstrong sehr ähnlich. Dad sagte nur, das hätte er auch schon gehört und gab sich nicht zu erkennen.

Mark: Denn wenn er erkannt wurde, gab es sogleich einen Schwarm von Leuten, die ein Autogramm wollten. An einem Football-Spiel hiess es plötzlich auf der Resultate-Tafel «Willkommen Neil Armstrong - 1. Mann auf dem Mond». Ich sah, wie er in sich versank und seufzte. Oje, jetzt geht’s los. Gleich kam der erste, der ein Autogramm wollte. Er verweigerte es schweren Herzens, denn sonst wäre das ganze Stadion gekommen. Das schmerzte ihn sehr, aber es ging nicht anders.

Wurde Ihr Vater in seinen Augen für seine Leistung von der NASA gebührend kompensiert?

Rick: Er sprach nie über Geld. Er war ja eigentlich einfach Staatsangestellter. Wenn Leute ihn fragten, wieviel er an der Mondlandung verdiente, sagte er: «Wir bekamen Transport und Kilometer-Vergütung und nachdem sie Unterkunft und Essen abzogen, blieben 43 Dollar.» [lacht] Aber natürlich hat er nachher als Geschäftsmann davon profitiert.

Sprach er später zu Hause oft über die Mondlandung?

Mark: Nein, und ich wünschte heute, ich hätte ihm mehr Fragen gestellt. Aber wir lebten ja mit ihm und sahen, wie er immer allerlei Fragen dazu beantworten musste. Zu Hause wollten wir dann nicht nochmals die gleichen Fragen stellen. Er brachte die Mondlandung nie freiwillig zur Sprache. Er sprach eher über das Überlebenstraining oder über das Segelfliegen. Er liebte das Segelfliegen - da war er im Frieden mit sich und der Welt.

Welche Eigenschaften haben Sie von Ihrem Vater geerbt?

Mark: Die Fähigkeit zuzuhören. Mein Vater war ein stiller Mann. Er hörte zu, verarbeitet das Ganze und erst dann bildete er sich eine Meinung, bevor er sie schliesslich kommunizierte. Ich versuche, das gleiche zu tun.

Rick: Stimmt, Dad hat sich immer das mögliche Maximum an Zeit herausgenommen, um eine Entscheidung zu fällen. Ich glaube, ich mache das auch. Ich zögere viel hinaus. Das habe ich wohl von ihm geerbt.

Im Herbst kam der Spielfilm «First Man», die Armstrong-Biografie in die Kinos. Sie beide waren Berater. Was geht Ihnen heute noch nahe?

Mark: Die Rolle unserer Mutter. Ich verstehe sie heute viel besser. Vielleicht berührte sie mich emotional auch am meisten, weil sie erst kurz vorher gestorben war. Sie hatte all die Sorgen und überhaupt keine Kontrolle. Dad war oft weg in Trainingslagern. Sie musste sich zu Hause um alles kümmern, ob sie darauf vorbereitet war oder nicht. Aber sie hat es sich nie anmerken lassen. Wir haben nichts davon gemerkt und hatten eine sorglose Kindheit. Hut ab!

Rick: Was mich aus heutiger Sicht an diesem Film-Projekt am meisten aufwühlte, war die Sequenz um unsere Schwester und ihre Beerdigung. Ich erinnere mich nicht spezifisch daran, ich war damals drei Jahre alt. Aber ich sehe meine Schwester in Erinnerungsfetzen noch vor mir.

Haben Sie je damit gehadert, dass Ihr Vater Neil Armstrong und ein Nationalheld war?

Rick: Ich habe schnell gemerkt, dass ich meinen Vater nicht übertreffen kann - höchstens mit einer Marslandung - aber das war ja kein realistisches Karriereziel. Ich konnte diesbezüglich also früh loslassen. Ganz weg davon kommt man aber nicht, man braucht allerdings auch nicht die ganze Zeit herumzuerzählen, wer der Vater ist.

Mark: Natürlich wollen wir als Individuen und wegen unserer eigenen Leistungen wahrgenommen werden. Deshalb haben wir nie von uns aus erzählt, wer unser Vater ist. Denn es veränderte, wie die Leute mit uns umgingen und das war nicht immer angenehm.

Hatte der Sohn von Neil Armstrong zu sein auch Vorteile?

Rick: Ja, wir haben viele interessante Orte gesehen und Menschen getroffen. Aber wir sind nie in ein Restaurant gegangen und haben einen guten Tisch verlangt, weil wir Armstrong heissen. Kein einziges Mal. Ich habe es wirklich fast nie von mir aus selber gesagt, dass ich Neil Armstrongs Sohn bin, denn was wenn die Person dann sagt: «Na und?»

Mark: Aber wir sind an Orte gekommen, an die wir sonst nicht gekommen wären. Zum Beispiel mit ihm zum Golfspielen in Schottland. Und ich bin mit ihm in Island Fischen gegangen. Nur er und ich. Das war der beste Trip mit ihm von allen, weil nur wir zwei waren und das sonst kaum vorkam.

Die Kinder von Neil Armstrong

Neil Armstrong (1930-2012) und Janet Shearon (1934-2018) waren 38 Jahre lang verheiratet und hatten drei Kinder: Eric genannt Rick (62), Mark (56) und Karen, die 1962 als Zweieinhalbjährige an einem Gehirntumor starb. Nach der Mondlandung zog die Familie nach Cincinnati, Ohio, wo Rick und Mark noch heute leben. Rick interessierte sich für Meeresbiologie und arbeitete als Delfin- und Seelöwen-Trainer, bevor er wie sein Bruder Mark Software-Hersteller wurde. Mark studierte zudem Physik in Stanford. Beide verschlangen die Bücher des Sci-Fi-Autors (und Biochemikers) Isaac Asimov. Die Brüder treten nebenbei als Hobby-Musiker auf und haben je drei Kinder. (mva)

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