Gastronomie
Das Schmusen mit der Miezekatze ist in diesem Café im Preis inbegriffen

Im «Café des chats» in Paris streichen den Gästen Katzen um die Beine. Die Gäste dürfen die Tiere auch streicheln, wenn sie zuerst brav die Hände waschen. Der neue Tier-Trend in der Gastronomie kommt aus Asien.

Christine Longin
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«Bitte die Hände desinfizieren», sagt die junge Frau an der Empfangstheke zu den Gästen. Margaux Gandelon ist die Betreiberin des ersten Katzencafés in Paris und kurz nach der Eröffnung im Stress. Denn ihre Idee, im Szeneviertel Marais ein Lokal für Mensch und Tier zu eröffnen, findet viel Zulauf.

In London und Berlin

Dort, wo sich viele Menschen den Traum nach einer eigenen Katze nicht erfüllen können, sei es aufgrund eines Tierhaltungsverbots durch den Vermieter oder engen Wohnverhältnissen, können Katzen-Cafés einspringen. Der Trend kommt ursprünglich aus Asien und hat nun auch europaweit tierischen Erfolg. Das weltweit erste Katzen-Café wurde 1998 in Taiwan eröffnet. Allein in Tokio soll es aktuell rund 40 dieser Einrichtungen geben. Doch vermehrt eröffnen auch in Europa Katzen-Cafés. Neben Paris gibt es in London, Wien, Berlin und München Restaurants, in denen die vierbeinigen Freunde gekuschelt werden dürfen. (sc)

«Das ist originell und schlau», sagt ein Rentner, der sich brav die Desinfektionslösung auf die Hände reibt, um das Übertragen von Keimen an die Vierbeiner zu verhindern. «Die Katzen haben eine sehr entspannende Art», bemerkt der Katzenliebhaber, der wegen Reisen und Krankenhausaufenthalten auf eine eigene Katze verzichtet. Schnell findet er bei einem Tee eine vierbeinige Freundin unter den zwölf Katzen des Cafés. «Idylle» heisst das Samtpfötchen, das dem Kunden auf den Schoss springt. «Sie wurde von ihren Besitzern weggegeben, weil denen die Zeichnung des Tieres mit dem Strich mitten im Gesicht nicht gefiel», berichtet die Kellnerin.

Füttern verboten

Betreiberin Gandelon hat alle Katzen, die im «Café des chats» wohnen, aus dem Tierheim aufgenommen. «Wir haben hauptsächlich junge Tiere ausgesucht, da die sich noch besser an die neue Umgebung gewöhnen», sagt die 26-Jährige. In ihrem neuen Zuhause dürfen die Stubentiger auf rund hundert Quadratmetern auf zwei Etagen herumstreunen oder sich im Katzenbaum im Untergeschoss das Treiben der Kunden von weitem anschauen. Die Wagemutigen unter ihnen spielen auch mit den Gästen.

«Aber zu essen dürfen die Kunden den Tieren nichts geben», mahnt Gandelon, der die Idee für das Katzencafé kam, nachdem sie eine Fernsehreportage über ein ähnliches Lokal in Japan sah. «Neulich wollte eine kleine Katze sich vom Teller einer Kundin eine Pampelmuse klauen», berichtet die junge Frau. «Wir konnten sie gerade noch davon abhalten.» Beschwerden über das Verhalten der Vierbeiner bekam Gandelon noch nicht. «Es kommen ja nur Katzenliebhaber.»

Die stört auch nicht, dass im Restaurant Futter und Wasser für die Tiere steht. Das Katzenklo hat Gandelon im Keller untergebracht, wo ihre Mitarbeiter regelmässig sauber machen. In die Küche, die ebenfalls im Keller ist, dürfen die Vierbeiner nicht.

Tierschützer sind nicht begeistert

Das Nebeneinander von Mensch und Tier ist behördlich abgesegnet. Tierschützer sind allerdings von dem Projekt nicht begeistert. «Die Katze wird als Stofftierchen betrachtet, das die Kunden belustigen soll», kritisiert der Sprecher der Tierschutzstiftung von Schauspielerin Brigitte Bardot. «Katzen brauchen Einsamkeit und nicht jede will den ganzen Tag gekrault werden», sagt Christophe Marie im Radiosender RTL.

Katzenliebhaber sehen das anders: «Dadurch werden einige arme und verlassene Tiere gerettet und in Kontakt mit Katzenliebhabern gebracht, die nicht unbedingt die Möglichkeit haben, eine eigene Katze zu halten», lobt Sophie auf der Internetseite des Cafés. Wie sie begrüssen auch die anderen Besucher die Initiative Gandelons, die offen zugibt, dass keine «Streichelgarantie» für ihre Tiere besteht. Zur Eröffnung vor wenigen Tagen war das Café, das nur zehn Tische hat, gleich ausgebucht. Eines ist nicht erlaubt: die eigene Katze mit ins Café zu bringen. Das würde den Hausfrieden der drei Kater und neun Katzen zu sehr stören.

Schnurren gegen Stress

Die Vierbeiner werden das ganze Jahr von Gandelon und ihren drei Mitarbeitern versorgt – auch in der Urlaubszeit. Vorerst ist das Café jeden Tag geöffnet. Die Inhaberin Gandelon wirkt trotz des Ansturms gelassen. Vielleicht liegt das ja an ihren Vierbeinern: Das Schnurren der Katzen soll gegen Stress wirken und den Blutdruck senken.

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