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«Meine Mutter kennen zu lernen, hat mir Halt gegeben und mich stärker gemacht»

Lisa Brönnimann (53) oder auch Lisa Yolanda Hilafu ist Präsidentin des Vereins Zwangsadoption Schweiz. Als Betroffene ist sie Teil der beratenden Kommission für Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen. Im August 2017 erschien im Verlag Bastei Lübbe Lisa Brönnimanns Buch «Niemandskinder».
Interview: Susanne Holz
Lisa Brönnimann, Präsidentin des Vereins Zwangsadoption Schweiz. (Bild: PD)

Lisa Brönnimann, Präsidentin des Vereins Zwangsadoption Schweiz. (Bild: PD)

Lisa Brönnimann, bis 1981 ordneten Schweizer Behörden fürsorgerische Zwangsmassnahmen an: Arme und uneheliche Kinder oder Waisen kamen in Heime und Pflege­familien. Wie verlief Ihre eigene Geschichte?

Ich kam 1965 als uneheliches Kind auf die Welt. Nach der Geburt wurde ich meiner Mutter weggenommen und verbrachte sechs Jahre in Pflegefamilien und Heimen. 1971 unterschrieb mein Vater die Adoptionspapiere, meine Mutter unterschrieb sie nie. Meine Mutter wollte mich behalten, doch die Behörden spielten die Eltern gegeneinander aus.

Ihre Adoptivmutter sollte Sie sehr schlecht behandeln. Mit den Pflegefamilien zuvor hatten Sie mehr Glück. Wieso kamen Sie gerade zu dieser Adoptivmutter?

Das war wohl eine Kostenfrage, es sollte den Staat nicht viel kosten.

Meine Adoptivmutter hatte 13 Pflegekinder, zwei davon adoptiert.

Sie war überfordert, hat uns geschlagen, eingesperrt und zum Arbeiten auf Bauernhöfe geschickt.

Und auch Ihr Vormund hat versagt?

Er war mir ab der Geburt 1965 zugeteilt, gesehen habe ich ihn erstmals 1978.

Er war Lehrer und hatte 180 Mündel – seine Berichte schrieb er nur anhand der Aussagen meiner Adoptivmutter.

Heute gibt es für Adoptivkinder bessere Anlaufstellen, so die Organisation Pach – «Pflege- und Adoptivkinder Schweiz». An diese kann man sich bei Problemen wenden.

Der Verein Zwangsadoption Schweiz versucht zudem, Zwangsadoptionen zu verhindern, die heute meist illegal im Ausland stattfinden?

Ja, diese Adoptionen gehen von Jahr zu Jahr mehr zurück, weil Aufklärung hilft und sensibilisiert.

Sie persönlich sind auch kein Fan der Babyklappen?

Das stimmt. Weil die Mütter oft keinen Brief mit in die Klappe legen und auch medizinisch nicht ­versorgt werden. Das ist für die Mütter gefährlich und nimmt den Kindern die Möglichkeit, später die leiblichen Eltern kennen zu lernen.

Sie selbst konnten Ihre leibliche ­Mutter noch kennen lernen?

Zum Glück. Sie hat mich gefunden, ich traf sie erstmals, als ich 35 Jahre alt war. Ich hatte nie den Kontakt gesucht, weil es immer geheissen hatte: Deine Mutter ist eine Hure. Erst beim Treffen wurde mir klar, dass das gar nicht stimmt. Sie kennen zu lernen, hat mir Halt gegeben und mich stärker gemacht. Ich konnte mich zuordnen. Jedes Adoptivkind will irgendwann wissen, woher es kommt.

Wie sehen die leib­lichen Eltern aus, welchen Charakter haben sie? Ich hatte nicht mal Kindheitsfotos.

Sie tragen heute auch wieder den Namen Ihrer leiblichen Mutter?

Brönnimann, ja. Unser Verein setzt sich auch dafür ein, den Ursprungsnamen einfacher annehmen zu können.

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