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Das raffinierte Mosaik des Menschen: Die Hand haben wir vom Fisch, das Kollagen vom Schwamm

Wenn wir geboren werden, sind wir neu. Und doch uralt zugleich. Denn im Körper des Menschen finden sich jede Menge Spuren seiner Vorfahren bis hinab zu den Bakterien. Eine kleine Entdeckungsreise.
Text: Rolf App/Illustration: Jana Breder

Neil Shubin ist gerne draussen und hämmert Steine. Immer wieder hat der heute 58-jährige Paläontologe auf diese Weise Aufregendes gefunden. Denn in den Steinen finden sich Abdrücke ausgestorbener Tiere, die manchmal staunen lassen. Wie jener Fisch, von dem er in der Arktis aus 375 Millionen Jahre altem Gestein in mühevoller Kleinarbeit Schulter, Ellenbogen und Handgelenk zutage gefördert hat. Gebeten, diesem Zwischenwesen zweier Tierstufen einen Namen zu geben, tauften ihn die Inuit Tiktaalik, «grosser Süsswasserfisch».

Menschliche Ohrknöchelchen sind bei den Reptilien Kieferteile

Der Arm und die Hand ist also weit vor dem Menschen entstanden. Sein Körper trägt viele Spuren der Evolution, und zwar oftmals auf überraschende Weise. Hammer und Amboss beispielsweise, zwei der drei Knöchelchen, die in unserem Mittelohr auf Schall reagieren, finden sich bei den Reptilien als Teile des Kiefers. Und der Steigbügel ist aus dem Oberkiefer der Fische hervorgegangen.

Warum Hunde besser riechen, Menschen aber mehr sehen

Fische haben keine Ohrknochen, Reptilien nur gerade einen. Der Mensch aber braucht drei davon, damit er hohe Frequenzen gut hören kann. So arbeitet die Evolution: Sie nimmt, was sie hat, und formt es bei Bedarf um. «Der Fisch in uns» hat Neil Shubin denn auch jene aufregende Reise in unseren Körper genannt, in der er auch von dem erzählt, was die Genetik zur Geschichte unserer Herkunft beizutragen weiss. In ihr gibt es zum Beispiel nicht weniger als tausend Gene, die für das Riechen bestimmt sind. Allerdings: Hundert davon sind bei uns inaktiv. Stillgelegt vermutlich zu dem Zeitpunkt, da sich unser Farben­sehen herausgebildet hat. Deshalb kann unser Hund sehr viel besser riechen als wir. Dafür sehen wir besser.

Es werde Licht!

Zur Aufklärung der langen Geschichte unseres Sehens hat der Basler Biologe Walter Gehring viel beigetragen. Es sind Opsine, lichtsammelnde Moleküle, mit denen anfängt, was später zum Auge wird. Diese Opsine verdanken wir den Bakterien.

Was ein Fisch mit unserem Ohr zu tun hat

Unser Innenohr vermittelt über ein Gel das Gefühl für Gleichgewicht und Beschleunigung. Etwas ganz Ähnliches hat die Forelle. Über sogenannte Neuromasten nimmt sie Strömungsverhältnisse und Bewegungen in ihrer Umgebung wahr.

Damit die Zähne aufeinander passen

Wir Menschen sind Allesfresser. Wir haben Schneidezähne zum Zerteilen von Fleisch und Backenzähne zum Kauen. Dass wir das so präzis tun können, hat mit jenen Höckern zu tun, die sich schon vor 200 Millionen Jahren bei Morganucodon zeigten, einem kleinen Säugetier.

Protein, das alles zusammenhält

Am Anfang des Lebens steht der Einzeller, erst spät tauchen Vielzeller auf. Moleküle halten ihre Zellen zusammen und ermöglichen die Kommunikation zwischen ihnen. Einer dieser Verbindungsstoffe ist das Kollagen, das man bereits beim Schwamm finden kann.

Wie wir zu Riechtieren wurden

Volle drei Prozent unseres Genoms bestehen aus Genen zur Wahrnehmung verschiedener Gerüche. Sie sind Erweiterungen jener Anlagen, über die bereits das Neunauge verfügt – das noch kein so spezialisiertes Riechtier ist wie etwa ein guter Spürhund.

Wie Oben und Unten entstehen

Menschen haben ein Oben und Unten, sie kennen rechts und links, vorne und hinten. Der Plan für diesen Grundbauplan findet sich in den Genen. Über jene Körperbaugene, welche die Achse vom Kopf zum Darmausgang festlegen, verfügen schon die Seeanemonen.

Woher die Bandscheiben kommen

Das Lanzettfischchen hat kein Rückgrat, aber einen zentralen Nervenstrang und parallel dazu einen mit einer geleeartigen Substanz gefüllten Stab, der Stabilität gibt. Dieses Notochord geht bei uns in die Bandscheiben ein, die den Raum zwischen den Wirbeln füllen.

Ein Fisch hat Hände

Alles hat seinen Zweck. So hat Neil Shubin nur kurz gestaunt über Tiktaalik, den fossilen Fisch mit Handgelenk. Tiktaalik kroch auf dem Boden seichter Tümpel herum, da brauchte er mehr als Flossen. Und so schuf die Natur die Urform unserer Hände.

Neil Shubin: Der Fisch in uns. Eine Reise durch die 3,5 Milliarden Jahre alte Geschichte unseres Körpers. Als Buch und DVD-Dokumentation erschienen.

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