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Acht Irrtümer über Linkshänder zum internationalen Linkshändertag

Morgen ist Internationaler Linkshändertag. Diese sehen sich immer noch vielen Vorurteilen ausgesetzt. Weniger intelligent seien sie und häufiger krank. Höchste Zeit, mit diesen Irrtümern aufzuräumen.
Christian Satorius
Linkshänder müssen in einer Rechtshänderwelt zurechtkommen. Doch gibt es mittlerweile spezielle Linkshändergeschäfte mit passenden Utensilien für diese. (Bild: Getty)

Linkshänder müssen in einer Rechtshänderwelt zurechtkommen. Doch gibt es mittlerweile spezielle Linkshändergeschäfte mit passenden Utensilien für diese. (Bild: Getty)

Mit einem Brotmesser für Linkshänder eine Scheibe Brot abschneiden? Das ist nicht nur ungewohnt, sondern auch gar nicht einfach. Genauso aber mühen sich Linkshänder Tag für Tag in unserer Rechtshänderwelt ab. Vom Dosenöffner über den Saucenlöffel bis hin zur Nagelschere: Alles ist auf den Gebrauch mit der rechten Hand abgestimmt – mal eben schnell mit links kann man vieles eben nicht machen. Aber nicht nur das, bis heute haben sich viele Irrtümer über Linkshänder gehalten.

Linkshänder zu Rechtshändern umschulen?

Auf gar keinen Fall. Früher war es durchaus üblich, Kindern, die Linkshänder waren, die linke Hand auf dem Rücken festzubinden, um sie zum Gebrauch der rechten Hand zu zwingen. Heute ist sich die Wissenschaft einig: Es ist sogar schädlich, Linkshänder zu Rechtshändern machen zu wollen. Verschiedenste Beeinträchtigungen können die Folge sein, von Konzentrationsschwäche und Stottern über Legas­thenie bis hin zu Minderwertigkeitsgefühlen. Es besteht aber die Möglichkeit, dass sich umgeschulte Linkshänder wieder rückschulen lassen. Hier aber unbedingt den Fachmann befragen.

Linkshänder sterben früher als Rechtshänder

Dieser Irrtum geht auf den Psychologen Stanley Coren zurück, der mit seinen Forschungen nicht nur in der wissenschaftlichen Welt für reichlich Aufregung gesorgt hat. In einer viel beachteten Studie hat er die Verwandten kürzlich Verstorbener befragt, ob ihr verblichener Angehöriger Links- oder Rechtshänder gewesen sei. Das Ergebnis der Nachforschungen: Linkshänder sterben im Schnitt neun Jahre jünger als Rechtshänder. Was Coren bei seinen Forschungen allerdings übersah: dass Linkshänder früher noch umerzogen wurden zu Rechtshändern. Mit anderen Worten: Unter den älteren Verstorbenen konnten sich also gar nicht viele Linkshänder befinden, da diese in ihrer Jugend ja noch umgeschult worden waren.

Linkshändigkeit findet sich nicht in der Tierwelt

Auch das ist ein Irrtum. Es stimmt zwar, dass Schnecken mit linksgängigem Schneckenhaus derart selten sind, dass sie im Volksmund sogar «Schneckenkönig» genannt werden, mit der generellen Bevorzugung einer bestimmten Seite durch die Natur hat das aber rein gar nichts zu tun. Vielmehr weiss jeder Tierbesitzer, dass sein Mehrbeiner zu Hause eine Lieblingspfote hat, und spätestens in der Hundeschule wird klar: Bei einigen ist es eine rechte, bei anderen aber eine linke. Viele Papageien sind Linksfüsser und eine ganze Reihe von Huf­tieren, wie Pferde und Zebras, ebenfalls. Winkerkrabben, die auf einer Seite eine grössere Schere tragen, weisen dieses Merkmal rechts ebenso wie links auf.

Linkshändigkeit ist ein Zeichen der Degeneration

Virtuos und linkshändig: Jimi Hendrix. Bild: redferms

Virtuos und linkshändig:
Jimi Hendrix.
Bild: redferms

Das findet der italienische Kriminologe Cesare Lombroso im ­ 19. Jahrhundert, und sogar noch Mitte des 20. Jahrhunderts sind Psychologen wie Abram Blau der Ansicht: «Linkshändigkeit wird verursacht durch angeborenes Gebrechen, durch falsche Erziehung und emotionalen Negativismus. Sie ist ein neurotisches ­Symptom und Zeichen einer infantilen Psychoneurose.» Beide stehen mit ihrer Meinung durchaus in einer langen Tradition, trotzdem ist das Ganze ­natürlich Quatsch. Neben dem gesunden Menschenverstand bestätigt dies eine ganze Reihe wissenschaftlicher Studien. Und: Unter den Menschen, die Herausragendes geleistet haben, ­finden sich viele Linkshänder, so Isaac Newton, Leonardo da Vinci, Mark Twain, Jimi Hendrix.

Linkshänder haben heute keine Nachteile mehr

Das ist leider falsch. Viele Gebrauchsgegenstände des alltäglichen Lebens sind auf Rechtshänder abgestimmt und erschweren Linkshändern die Ver- wendung deutlich. Von der Schere bis zur Armbanduhr gibt es sehr wohl heute noch viele Hürden. Mittlerweile gibt es spezielle Links­händergeschäfte, in denen sich Menschen mit einer dominanten ­linken Hand mit den passenden Utensilien eindecken können. Aber auch die Sprache ist nicht wirklich objektiv. So sind es vor allem die einfachen, anspruchslosen Dinge, die man «mal eben mit links macht». Gelingt etwas nicht, so hat man «zwei linke Hände» oder ist mit dem «linken Fuss aufgestanden». Manche Leute sind auch «linkisch» oder gar «linke Vögel». Diese lässt man dann besser «links liegen». Um auf all diese Schwierigkeiten aufmerksam zu machen, hat Dean R. Campbell den 13. August zum Internationalen Linkshändertag aus- gerufen. Seit 1976 finden an diesem Tag Informationsveran staltungen wie auch Linkshänder-Sportturniere statt.

Linkshänder haben aber auch keine Vorteile

Ganz so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Vor allem im Sport sind viele Linkshänder im Vorteil, weil das Gegenüber ganz einfach nicht damit rechnet, dass der Ball plötzlich mit der linken Hand geworfen wird, zum Beispiel beim Handball. Aber auch linkshändige Boxer, Baseball- und Tennisspieler sind oft gefürchtet. Vorteile kann die bevorzugte Benutzung der linken Hand auch beim Tippen an der Computertastatur bringen, befinden sich doch die besonders häufigen Buchstaben E, S, R, A, D, T auf der linken ­Seite der Tastatur. Und oft fällt Linkshändern auch das Lesen und Schreiben von Spiegelschrift leichter.

Linkshänder sind anfälliger für Krankheiten

Das zumindest will der Bostoner Neurologe Norman Geschwind 1982 mit zwei Studien herausgefunden haben. Leider unterliefen ihm bei seinen Forschungen einige folgenschwere Fehler, die auch erklären, weshalb andere Wissenschafter seine Ergebnisse ­bis heute nicht rekonstruieren konnten. Zum einen wählte er viel ­ zu kleine Versuchsgruppen, um wirklich aussagekräftige Ergebnisse erzielen zu können. Zum anderen stellten die Kontrollgruppen keineswegs einen repräsentativen Durchschnitt der Bevölkerung dar – ein Fehler übrigens, den viele Forscher machen, da längst nicht alle Menschen gerne intime Details aus ihrem Privatleben preisgeben. Geschwind hat also nicht nur Äpfel mit Birnen verglichen, sondern auch noch an beiden gespart.

Ich bin kein Linkshänder und mein Kind auch nicht

Weiss man’s? Für Kinder ist es ­fatal, wenn sie zum vorrangigen Gebrauch der rechten Hand erzogen werden, aber in Wahrheit die linke dominant ist. Spezielle Tests, die Fachleute durchführen, geben Aufschluss über die Händigkeit. Anzeichen für eine Linkshändigkeit kann sein (muss aber nicht – deshalb der professionelle Test), dass unangekündigt zugeworfene Dinge ­reflexhaft mit links gefangen werden oder beim Blättern in einem Buch, beim Zähneputzen und Kämmen die linke Hand Verwendung findet, ebenso wie beim Bedienen der TV-Fernbedienung oder beim Öffnen einer Flasche. Linkshänder klatschen auch in die Hände, indem sie die linke Hand von oben auf die rechte zubewegen. Aber wie gesagt: Das sind nur mögliche erste Anhaltspunkte.

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